Der Wortschatz Ihres Kindes - Tipps und Wortspiele

Wortschatz, eine knifflige Sache! - CFalk
Wortschatz, eine knifflige Sache! - CFalk
Im Spracherwerb benötigen Kinder für einen umfassenden Wortschatz Ordnung, Strukturen und erfinderische Spiele.

Hat das Kind einmal die 50-Wörter-Hürde überschritten, die zum sogenannten "Wortschatz-Spurt" führt, bei dem das Kind weitere Worte eingängiger lernen kann, und hat das Kind Bezüge und Formalitäten der Sprache in etwa erkannt, ist dennoch nicht die meiste Arbeit getan. Genau genommen, erweitert sich der Sprachschatz ja ein Leben lang. Damit dies von Erfolg gekrönt wird, ist Ordnung und Erfindergeist gefragt!

Ordnung in der Wortschatz-Truhe

Wenn Sie jeden Tag ein Kleidungsstück erwerben würden - egal, wie groß Ihr Kleiderschrank wäre, nach ein paar Wochen hätten Sie Not, sich zu erinnern, wo Sie was untergebracht haben. Genau so ist es mit dem Wortschatz der Kinder: Sie lernen täglich neue Wörter - also brauchen sie ein vernünftiges Ordnungssystem mit Ober- und Unterbegriffen. So wie Sie im Kleiderschrank Blazer zu den Jacken hängen und nach Winter-, Frühlings- und Sommer-Garderobe sortieren, muss das Kind ab etwa drei Jahren besondere "Sortier-Spiele" spielen: "Ich habe ein Tier versteckt, es hat Fühler und Flügel, ist sehr klein und kann fliegen und sammelt Honig. Welches Tier habe ich versteckt?"

Die knifflige Sache mit der Zeit

Nehmen wir das Wort "gestern": Für ein zweijähriges Kind bedeutet es im Grunde nichts Besonderes. Wahrscheinlich hat das Kind das Wort gehört und probiert zunächst einmal aus, wann es das neu Erworbene einsetzen kann, so zum Beispiel für beeindruckende Ereignisse, die irgendwann einmal waren oder vielleicht sogar noch kommen: "Gestern war mal die Oma zu Besuch da!" Das heißt auf keinen Fall, dass die Oma tatsächlich da gewesen ist am gestrigen Tag. Der Besuch kann Wochen zurück liegen oder sogar erst am folgenden Tag stattfinden. Spätestens ein Jahr danach ist dem Kind klar geworden, dass "gestern" etwas mit der Vergangenheit zu tun hat. Nun wird getestet und ausprobiert, sogar nachgefragt: "War die Oma gestern da? Oder übergestern?" Erst mit etwa fünf Jahren können Kinder genau sagen, was "gestern" bedeutet, nämlich: Man hat seither nur einmal geschlafen, ein Tag ist vergangen. Reden wir vom vorigen Tag, meinen wir also "gestern".

Wortschatzlücken: Kinder sind erfinderisch

Was verstehen Sie wohl unter "Weintropfen"? Ja, das sind "Tränen". Logisch, wenn ein Kind zu viele Bücher trägt und sich "unbeschweren" möchte! Und einleuchtend, wenn der Papa doch alles zu Hause heile macht, dann heißt es auch "paparieren"! All das sind kreative Versuche, mit fehlendem oder unsicher gehörtem Vokabular umzugehen. Besonders Kinder, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen, können manchmal interessanten Wortschatz-Kuddelmuddel produzieren: "Kannst du das Blatt bücken?" ist im Grunde logisch, wenn man weiß, dass "bükmek" auf türkisch "falten" heißt. Und im Falle eines Falles bleibt natürlich noch die Mimik und Gestik, um darzustellen, was man sagen will.

Teekesselchen-Wörter

"Na, seid ihr kaputt nach dem Spaziergang?" Auf diese Frage könnte es Protest regnen mit dem heftigen Vermerk: "Wir sind doch noch neu!" Auf die Frage "Hast du dich verschluckt?" kann die unerwartete Antwort lauten: "Nein, ich bin noch da!" Wörter haben manchmal Doppel-Bedeutungen, mit denen die Kinder nicht rechnen. "Schloss" und "Schloss", "Pflaster" und "Pflaster": Warum für manche Wörter gleich zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen existieren, wissen wir meist nicht. Außerdem kann ein Ball rollen, aber auch ein Reifen und man selbst! Rot ist die Tomate, Lenas Tasche ebenso. Brennen kann Feuer, die Brennessel, sogar die eigenen Augen können das. Und Lisa ist so süß wie ein Bonbon.

Einzigartigkeit: Kein Wortschatz gleicht dem anderen

Je nachdem, womit ein Kind aufwächst, lernt es die entsprechende Wortwahl und Bedeutungen. So haben Kinder, die vielleicht wenig Kontakt zu Tieren im Allgemeinen haben, einen eher geringen Wortschatz in Bezug auf Zoo-, Nutz- und Haustiere; haben sie aber einen Wellensittich zu Hause, so kann ein Fünfjähriger bereits fachsimpeln über Hähne und Hennen, über Legenot und die besonderen Farbtöne des Gefieders. Wahrscheinlich kennt er Kolbenhirse und sich mit Krallen und Schnäbeln aus. Wenn man hier ansetzt, kann man vielleicht das Interesse an anderen Vögeln wecken, und schließlich zusammen noch andere Haustiere benennen.

Was ist ein Computer?

Was für uns selbstverständlicher Alltag ist, muss für die Kinder erschlossen werden. Im Gespräch erfährt man viel, indem man selbst erfragt, was das Kind denn davon weiß: "Ein Computer ist ein Bild, und man kann auch Musik hören und so tippen." Was ist eine Taschenlampe? - "Im Dunkeln hat man die, das leuchtet". Auch wenn die Kinder nicht immer eine klare Definition haben, ganz ahnungslos sind sie selten! Wir dürfen ihnen ruhig auch zutrauen, etwas zu ergründen.

Gegensatzpaare

Was zum Beispiel ist das Gegenteil von "heiß"? Klar, "kalt" natürlich. Und von "klein"? Kinder kennen schon viele Gegensätze. Man kann sie selbst darstellen (Jacke auf und zu, auf dem Stuhl und unter dem Stuhl...) und sogar fotografieren; denn wenn das Kind sich die Bilder noch einmal ansehen kann, merkt es sich die dazu gehörigen Gegensatz-Wortpaare besser. Denn die Wiederholung ist der beste Gedächtnislehrer! Mehr zum Thema : Wortschatz

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Quellen:

Jampert, Zehnbauer et al. (Hrsg.): Kinder-Sprache stärken! Band 1 Wie kommt das Kind zur Sprache? verlag das netz, Weimar, Berlin 2009, 128 Seiten

Helene Weiß - Helene Weiß staatl. examinierte LogopädinMutterEhefrauReferrentinGitarristinSängerin

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