"Der Zigeunerbaron" im Theater Erfurt

Die Johann-Strauß-Operette in einer Koproduktion mit Chemnitz

Karl Absenger hat dieses bekannte Werk des "Walzerkönigs" in Erfurt auf die Bühne gebracht. Frische in der Musik und eine schnörkellose Inszenierung überzeugen.

In einer Koproduktion mit dem Theater Chemnitz startete am 11. Oktober die Johann Strauß-Operette „Der Zigeunerbaron“ vor vollem Haus in der Erfurter Oper. Bis Ende Januar wird die intelligente Inszenierung von Karl Absenger gespielt.

Johann Strauß hat bereits im 19. Jahrhundert mit diesem Werk eine weit durchkomponierte geschlossene Form der Operette geschaffen, die durchaus Nähe zur Oper aufweist. Die Geschichte passt in jede Zeit, die szenische Umsetzung ist mit einem sparsamen und doch stimmungsvollen Bühnenbild wirksam unterstützt. Das ermöglicht dem Regisseur eine bewusste Steuerung der Gefühle beim Zuschauer, denn die Charaktere selbst sind wenig strahlend und lassen wenig Sympathie aufkommen. Man findet hier natürlich zeitlose Eigenschaften, Wankelmut ist ebenso zu finden wie das schamlose Ausnutzen der Notlage Anderer. Allerdings wird die Charakterisierung durch die Darsteller sehr gut ausgespielt und lässt so manche Assoziation zu heutigen Ereignissen anklingen. Das Wohlgefühl beim Zuschauer produziert die Musik, spannend ist der Wechsel zwischen leichtfüßigen Walzermelodien und dem rasanten Csardas, der die Zigeuner-Romantik – nicht ohne Untertöne – bedient.

Der Walzer gehört zwingend zur Operette

Johann Strauß ist zweifellos ein Meister des 3/4-Taktes. Die Wirkung des Walzers ist sehr wandelbar, er kann verzaubern, aber auch direkt manipulieren, wie es das Auftritts-Couplet des Bárinkay belegt. Der Regisseur geht noch weiter, er sieht die Tatsache, dass hier sogar in die Schlacht hinein und auch wieder heraus „gewalzert“ wird, historisch begründet: „... in allen Zeiten zogen die Menschen mit großen Marschmusiken und Pomp in die Kriege. Die Menschheit wird zu Tode marschiert, ohne es zu merken.“ In dieser Operette wird mit dem Walzertakt die Grausamkeit des Krieges abgemildert, der ja auch in der Handlung nicht recht zum Tragen kommt, vielmehr spielt hier die Praxis des Soldaten-Werbens eine Rolle.

Politische Facetten

Natürlich ist dem Namen der Operette entsprechend die Zigeunerproblematik ein großes Thema. Klischees wie die Wahrsagerei oder stehlende Kinder werden genauso bedient wie die Benutzung dieser Minderheit für die militärischen Ziele Anderer.

Aber auch die Integration der Minderheit in ein ganz normales Leben in der Gesellschaft klingt an, der zurückgekehrte Bárinkay, der sich zunächst der Tochter des „Schweinefürsten“ Zsupán zuwendet und Ablehnung erfahren muss, aber bald von dem Zigeunermädchen Saffi getröstet wird verliebt sich dauerhaft. Diese Liebe soll sowohl den Krieg überdauern als auch die Tatsache, dass Saffi von edler Abstammung ist und sich Bárinkay zunächst als nicht standesgemäss fühlt.

Die Musik

Ein echter Genuss ist die musikalische Präsentation der Operette. Keineswegs angestaubt vermittelt das Orchester eine Frische, die es leichtfallen lässt, in der Geschichte zu versinken und der eigenen Phantasie Raum zu geben. Grossen Anteil daran hat ganz sicher der Dirigent Enrico Calesso, der seit 2007 an der Erfurter Oper als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung und als Assistent des GMD verpflichtet ist.

Ein Erlebnis, das sich nicht nur eingefleischte Operettenfans gönnen sollten.

Infos zu anderen Produktionen der Erfurter Oper gibt es hier. www.theater-erfurt.de/

Lutz Lehmann, Lutz Lehmann

Lutz Lehmann - Ich bin freiberuflicher Musiker und verfüge über langjährige Erfahrung im lokalen Fernsehen. Gute Kenntnis des kulturellen ...

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