Der Leipziger Gastwirt Ernst Pinkert hatte eine Idee für ein lohnendes Geschäft. Er wollte exotische Tiere auf dem Gelände seines Ausflugslokals ausstellen und so noch mehr zahlende Gäste anlocken.
Die Gründerzeit des Zoologischen Gartens Leipzig
Im Jahre 1878 war es dann soweit, die Besucher konnten einige Raubtiere, vielerlei Huftiere und Papageien bestaunen. Der Erfolg gab Pinkert recht, er hatte mit seinem Tierpark den Nerv vieler Menschen getroffen.
In enger Zusammenarbeit mit dem Hamburger Tierhändler Carl Hagenbeck stockte er nach und nach seinen Tierbestand auf. Im Laufe der Zeit kamen Elefanten, Flusspferde, Menschenaffen und vor allem Löwen dazu. Immer mehr entwickelte sich aus dem ursprünglichen Ausflugslokal mit exotischer Tierschau ein Zoologischer Garten.
Dabei war Ernst Pinkert kein Wissenschaftler und kein Experte. Ihm kam es vorrangig darauf an, den Besuchern Sensationen zu bieten und damit möglichst viel Geld zu verdienen. Kuriositäten, Dressurnummern und sogenannte Völkerschauen sollten Menschenmengen anlocken. Die Tiere selbst waren Bestandteil dieser Attraktionen, ob sie sich wohlfühlten und ihre Bedürfnisse erfüllt wurden interessierte niemanden. Von artgerechter Haltung konnte zu damaliger Zeit keine Rede sein.
Der Zoologische Garten als Schaufenster zur Natur
Anfang des 20. Jahrhunderts begann ein Umdenken. Immer mehr setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Tierhaltung in Zoos und Tierparks nicht der Sensationshascherei dienen sollte sondern der Information über die Natur und dem Schutz dieser.
Dazu gehörte auch eine artgerechte Haltung in Gehegen, die dem natürlichen Lebensraum möglichst nahe kommen. Wenn es machbar war, wurde auf Gitter verzichtet und die Tiere nur durch Wassergräben von den Besuchern getrennt.
In dieser Zeit entstanden im Leipziger Zoo bahnbrechende Bauten wie das Dickhäuterhaus und die Bärenburg. Mit ihrer Klinkerarchitektur und für damalige Verhältnisse modernen Freiluftgehegen setzten sie Maßstäbe.
Dass der Leipziger Zoologische Garten damit auf dem richtigen Weg war, zeigten die Zuchterfolge. Besonders berühmt wurde die „Leipziger Löwenfabrik“. Mehr als 2000 dieser Raubtiere erblickten in Leipzig das Licht der Welt und wurden sogar nach Afrika exportiert.
Honoriert wurden die Erfolge in der Nachzucht vieler, auch vom Aussterben bedrohter Tierarten mit der Führung von internationalen Zuchtbüchern, zum Beispiel für Tiger.
Trotzdem gab es noch viel Verbesserungswürdiges. Betonboden und relativ enge Käfige waren noch oft die Norm und auch die Bedürfnisse der Tiere nach Beschäftigung fanden kaum Beachtung.
Der Leipziger Zoologische Garten auf dem Weg zum „Zoo der Zukunft“
Es sind ehrgeizige Ziele, die Anfang der 90er Jahre entwickelt wurden. Der Leipziger Zoo soll zu einem der weltweit führenden werden und der besondere Schwerpunkt auf einer Tierhaltung liegen, die dem Wohl der Tiere dient. Artgerechte Lebensräume und die naturnahe Haltung in Komplexen die nach Kontinenten gestaffelt sind ist das Ziel.
Die Resonanz und die stetig steigenden Besucherzahlen geben diesem Konzept recht, auch wenn anfänglich Skepsis vorherrschte.
Es ist schon gewaltig viel erreicht. Bemerkenswerte und weltweit anerkannte Anlagen sind entstanden. Die Afrikasavanne, auf der sich wie in der Originallandschaft eine bunte Mischung verschiedener Arten tummelt; die Tiger-Taiga; die Löwensavanne und eine Lippenbärenanlage sind nur einige Beispiele.
Eine Augenweide ist auch die Elefantenanlage, in der die Dickhäuter durch Glasschaufenster beim Baden unter Wasser beobachtet werden können.
Pongoland, die weltgrößte Menschenaffenanlage, zeigt alle Primaten in naturnaher Umgebung. Wie wohl sich die Gorillas, Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans hier fühlen belegen die zahlreichen Babys.
Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig erforscht hier das Verhalten der nächsten Verwandten des Menschen.
Gondwanaland, eine einzigartige Tropenhalle
Das größte Projekt auf dem Weg zum Zoo der Zukunft ist die im Entstehen begriffene Riesentropenhalle Gondwanaland. Der Name erinnert an den ehemaligen Urkontinent Gondwana, der die heutigen Erdteile Asien, Afrika und Südamerika in einer Landmasse verband. Auf etwa 2,7 ha entsteht unter einer futuristisch anmutenden Glaskuppel ein tropischer Regenwald, den die Besucher auf Pfaden durchstreifen können. Hängebrücken in den Baumwipfeln ermöglichen Einblicke in das „Dachgeschoss“ des Regenwaldes und auf einem künstlichen Fluss kann man Bootsfahrten unternehmen.
Natürlich wird auch eine reichhaltige Tierwelt angesiedelt sein.
