Der Zweck einer Rezension

Inhalt, Aufbau und Möglichkeiten der Nutzung zu Marketingzwecken

Bei einer Rezension handelt es sich um die Besprechung eines Buches oder eines musikalischen Werks. Manche Künstler nutzen dies sogar gezielt als Marketing-Instrument.

Ein berühmtes Beispiel hierfür ist die Thrash Metal-Band Metallica, die auf dem Back Cover ihrer Maxi-CD "Whiskey In The Jar" (1998) ausschließlich negative Pressestimmen zu ihrer Cover-Version des Thin Lizzy-Klassikers aus dem Jahre 1972 abgebildet hat. Ähnliches gilt für ihr ausschließlich aus Cover-Versionen bestehendes Album "Garage Inc." aus dem Jahr 1998. Das dazugehörige Booklet wurde ebenfalls mit hauptsächlich negativen Pressebeurteilungen gespickt, in der der Band nur begrenztes musikalisches Können und Sänger James Hetfield die Stimme eines Werwolfs bescheinigt wurde.

Die negativen Pressestimmen änderten jedoch nichts am Erfolg des Albums beziehungsweise der Single-Auskopplung bei den Fans. Oft wird die Sammlung von schlechten Bewertungen seitens der Fachpresse gezielt als Marketing-Instrument eingesetzt, denn: eine schlechte Beurteilung des eigenen Werks durch die Medien ist besser als gar keine.

Aufbau und Inhalt einer Rezension

Wie bereits anhand dieses Beispiels deutlich geworden ist, fasst der Journalist, der ein Buch oder eine CD regidiert, den Inhalt des Werks meist kurz zusammen, greift besondere Highlights – positive wie negative – heraus und kommentiert in subjektiver Weise, wie er das Buch oder die CD fand, in der Regel mit einer mehr oder weniger stichhaltigen Begründung. Meist werden gegen Ende der Besprechung – wenn es sich um ein Buch handelt – die bibliographischen Daten des Werks (Autor(en)/Herausgeber, Titel, Untertitel, ISBN, Verlag, Seitenzahl, Ausstattung, Ladenpreis) und Bezugsmöglichkeiten genannt.

Die Betonung liegt beim Verfassen einer Rezension ausdrücklich auf dem Begriff der Subjektivität, denn auch wenn der eine Kritiker ein Buch aus irgendeinem Grund verreißt, muss dies jedoch nicht zwingend auch für andere Journalisten gelten und schon gar nicht für die Leserschaft. Geschmäcker sind nun einmal verschieden – egal, ob es sich um Mode, Literatur, Musik oder Kunst handelt.

Reaktionen von Jungautoren auf negative Pressestimmen

In Online-Autorenforen ist immer wieder zu beobachten, dass gerade Jungautoren sehr empört oder sogar beleidigt sind, wenn ihr Buch von einem Redakteur verrissen wurde. Auch hier gilt: Eine schlechte Kritik am eigenen Werk ist wesentlich besser als gar keine Beachtung in den Medien. Gerade für Jung-Autoren, die ihr Erstlings-Werk veröffentlichen, ist es bereits ein großer Erfolg, wenn ihr Buch, das im Vergleich zu Werken von großen Namen wie Rosamunde Pilcher oder Stephen King kaum Beachtung findet, in einer Zeitung besprochen wird – und sei es "nur" in einer Lokalzeitung. Speziell bei Werken, die bei On-Demand-Anbietern wie etwa BoD oder Rediroma erschienen sind, ist es relativ selten, dass diese in den Medien besprochen werden aufgrund des teilweise negativen Rufs, der diesen Publikationsservices anhaftet.

Selbst wenn ein Autor bei einem herkömmlichen, aber noch relativ unbekannten Verlag veröffentlicht, dem also nicht das Stigma "on demand" anhaftet, ist dies kein Garant dafür, dass sein Buch in den Medien besprochen wird. Meist geschieht dies bei namhaften, international tätigen Autoren, die bei großen Publikumsverlagen wie etwa Suhrkamp, Random House, Rowohlt veröffentlichen.

Pressestimmen als Marketing-Instrument

Auch wenn die ersten Reaktionen der Medien auf den Debüt-Roman oder die erste CD entgegen der Hoffnung des Autors/Musikers nicht sonderlich positiv ausfallen, so können diese dennoch gezielt zur Vermarktung des eigenen literarischen oder musikalischen Schaffens genutzt werden. Bei BoD besteht beispielsweise die Möglichkeit, seinem Autorenportrait Pressestimmen hinzuzufügen oder unter Angabe der Quelle an den Verlag selbst zu senden, der diese dann in der nächsten Printausgabe seines Kundenmagazins "BoD aktuell" veröffentlicht. Auch auf der eigenen Homepage können Pressestimmen eingebaut werden, unter Umständen kann auch Bookmarking (Google, Twitter, Mr. Wong und so weiter) ein sinnvoller Distributionskanals sein. Letzteres ist selbstverständlich nur möglich, wenn die Pressemeldung in digitaler Form vorliegt.

Auch wenn das Medienecho eher negativ ist: Oft wirkt sich sogar gerade das positiv auf die Verkaufszahlen aus! Manche Leser werden schon alleine nach dem Verriss durch einen Journalisten neugierig, um selbst zu überprüfen, inwieweit der Verfasser der Rezension mit seiner Meinung Recht hat, und manche gehen sogar soweit zu sagen, dass Redakteure mit ihrer Meinung über bestimmte Bücher oder CDs ohnehin allein da stehen, weil Leser oft gerade das, was von der offiziellen Kritik in den Medien hoch gelobt wird, eher als langweilig und/oder banal empfunden wird.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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