
- Ecstasy gehört zu den bekanntesten Designer-Drogen - Foto: LKA-Niedersachsen
Auf rein chemischer Basis entwickelte Rauschmittel – die sogenannten Designer-Drogen – werden weltweit in immer größerer Zahl und mit wachsender Geschwindigkeit hergestellt. Dies geht aus dem Jahresbericht 2010 des in Wien ansässigen Internationalen Suchtstoffkontrollrates (INCB) hervor, der am 2. März 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Diese Drogen werden häufig durch die Änderung der Molekularstruktur illegaler Substanzen produziert und ergeben ein neues Mittel mit ähnlichen Effekten, womit jedoch Kontrollmaßnahmen umgangen werden. Detaillierte Anleitungen für das Herstellen von Designer-Drogen werden oft durch das Internet weiter gegeben.
So stellten die Beobachter in Europa 16 neue synthetische Rauschgifte fest, während in Japan im Jahr 2010 sogar 51 der Suchtstoffe aus dem Reagenzglas neu auf den Markt kamen. „In Anbetracht der gesundheitlichen Risiken durch den Missbrauch von Designer-Drogen, fordern wir die Regierungen auf, nationale Kontrollen zu verstärken, um die Herstellung, den Handel und den Gebrauch dieser Substanzen zu verhindern“, sagte Hamid Ghodse, der Präsident der Drogen-Kontrollbehörde während der Präsentation des Berichts im Wiener Concordia Presseclub.
Organisiertes Verbrechen übt Druck auf Drogenfahnder aus
Der INCB-Bericht verdeutlicht gleichzeitig wie Korruption den Kampf gegen Drogendealer unterwandert und eben jene Einrichtungen kompromittiert, die zur Kontrolle und Verhinderung des Drogenhandels geschaffen wurden. Demnach stehen Polizei- und Justizangehörige gewaltigem Druck des organisierten Verbrechens gegenüber, wenn Drogenringe verfolgt und zerschlagen werden sollen. Die Mitglieder des Suchtkontrollrates unterstreichen daher die Notwendigkeit, der Verhütung von Korruption eine größere Bedeutung beizumessen.
In einer speziellen Anlage zum Drogenbericht 2010 wird aber auch darauf aufmerksam gemacht, dass legale Drogen für die medizinische Behandlung nicht in allen Teilen der Welt ausreichend zur Verfügung stehen. Mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung haben keinen oder nur unzureichenden Zugang zu schmerzstillenden Mitteln und müssen unnötig leiden. Der INCB drängt die Regierungen, Gegenmaßnahmen zu treffen, wie zum Beispiel statistische Daten zum Bedarf an legalen Drogen zu ermitteln, nationale gesetzliche Grundlagen für den Einsatz von Drogen in der Medizin zu schaffen sowie Bildung und Lehre zu verbessern.
Deutschland unter Europas größten Märkten für Heroin
Der den Vereinten Nationen angeschlossene Suchtstoffkontrollrat vermittelt auch einen Überblick über Drogenproduktion, -handel, -vertrieb und -missbrauchsformen in verschiedenen Regionen der Welt. So verkörpert Westeuropa den größten Markt für Heroin, wo vier Länder (Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien) allein 60 Prozent des regionalen Angebots konsumieren. Die europäischen Länder verbrauchen insgesamt nahezu die Hälfte des weltweiten Heroinaufkommens. Dabei stammt nahezu das gesamte in Europa verfügbare Heroin aus Afghanistan. Russland steht an der Spitze Europas beim Missbrauch von Opiaten (1,6 Prozent).
Heroin bleibt auch die am häufigsten konsumierte Droge in China, Malaysia, Myanmar, Singapur und Vietnam, wobei dort der Verbrauch eher sinkt oder gleich bleibt. Südasien entwickelt sich mehr und mehr zu einer Schlüsselregion für Drogenhändler zum Erwerb der Ausgangschemikalien für synthetische Drogen.
Der Kokainmissbrauch breitet sich von Westeuropa in andere Gebiete des Kontinents aus. In einigen Ländern könnte das Kokain sogar Designer-Drogen wie Amphetamin und Ecstasy als häufigstes Rauschmittel ablösen, so zum Beispiel in Dänemark, Spanien und Großbritannien.
Mexikos Drogenkrieg fordert 28.000 Opfer in vier Jahren
Der Bericht verzeichnet zwar für die Jahre 2008 und 2009 eine Verringerung des Kokainschmuggels via Afrika nach Europa, doch ist er seit dem wieder im Steigen begriffen, wie mehrere umfangreiche Konfiszierungen im Jahr 2010 bewiesen.
Drogenringe in Mexiko dominieren den Markt für Kokain, Heroin und die Kunstdroge „Crystal-Speed“ in den USA. Im Jahr 2009 wurde dort ein Anstieg des Drogenkonsums außer von Kokain registriert. In Mexiko reagierten die Dealer mit bisher beispielloser Gewalt auf die energischen gesetzlichen Maßnahmen der Regierung, den Drogenhandel zu zerschlagen. Seit 2006 wurden in dem nordamerikanischen Staat laut INCB-Bericht über 28.000 Menschen im Zusammenhang mit Rauschgiftdelikten getötet.
Der Internationale Suchtstoffkontrollrat ist ein unabhängiges Gremium zur Überwachung der Umsetzung von UNO-Konventionen zum Drogenmissbrauch. Er wurde 1968 in Einklang mit dem Abkommen über Betäubungsmittel von 1961 gegründet. Der jährliche Bericht des INCB basiert auf Feldstudien und anderen Aktivitäten der Ratsmitglieder und vermittelt eine umfassende Übersicht über die Drogenkontrolle in vielen Teilen der Welt. Als selbständige Einrichtung versucht der INCB gefährliche Trends herauszufinden und vorauszusagen sowie Maßnahmen zur Reaktion auf diese Tendenzen zu empfehlen.
