Design-Ideen für den Balkon

Junge Designer entwickeln neue Produkte für Balkonien

Steckling - rephorm
Steckling - rephorm
Derzeit entdecken junge Designer den Balkon als ein neues Betätigungsfeld. Sie entwickeln clevere Produkte, die praktisch und stilvoll zugleich sind.

Der Balkon ist vielleicht der einzige Ort in der modernen Wohnung, der bis jetzt von großen Designinvasionen verschont geblieben ist. Während in den letzten Jahren vor allem Küche und Bad zu wahren Lustobjekten moderner Inneneinrichter geworden sind, ist der Balkon derzeit immer noch ein Design-Brachland. Jasper Morrison hat gerade mal ein bescheidenes Vogelhäuschen entworfen. Philippe Starck oder Marcel Wanders haben zwar Kloschüsseln, Mülleimer oder Einkaufstaschen gestaltet, auf den Balkon scheinen die Designstars aber keine rechte Lust zu haben. Vielleicht empfindet das coole Designpublikum es auch einfach als zu piefig, auf dem Balkon zu sitzen und seine Geranien zu gießen. Da träumt man dann lieber von der weitläufigen Dachterrasse oder der Jugendstil-Villa im Grünen.

Neue Gestaltungsideen für den Balkon

Leider aber haben die meistens Designfreaks doch nur eine Altbauwohnung in einem der üblichen Szenebezirke und müssen bei Frischluftverlangen raus auf den ollen Balkon. Sich dort aufzuhalten macht keinen so richtigen Spaß. Der Platz ist eng und ziemlich verwahrlost. Das Leergut türmt sich, dieSonnen Laufschuhe lagern in der Ecke zum Entmiefen.

Allerdings sollte man gerade die Öden und Brachen des modernen Lebens nicht unterbewerten. Denn hier sind noch nicht alle Ideen durchgespielt. Vor allem tut sich ein Feld auf für junge Designtalente. So hat Michael Hilgers aus Berlin sich mit seiner jungen Firma rephorm vollständig auf Gestaltungsideen für städtische Balkonanlagen spezialisiert. Fast alle rephorm-Produkte nutzen auf dem Balkon vorgefundenen Strukturen, um sich dort anzuhängen oder festzuklemmen. Der Blumenbehälter Steckling zum Beispiel wird einfach auf das Balkongeländer aufgesetzt und sitzt sicher und fest. Der Steckling ist zusätzlich mit Rankhilfen aufrüstbar. Sobald die Rankhilfen ihre Blumenpracht tragen, hat man einen eleganten Sichtschutz vor dem ja nicht automatisch sympathischen Nachbar-Balkonianer. Auch die rephorm-Balkonleuchte lässt sich ohne Werkzeug am Geländer befestigen. Hilgers Sonnenschirm braucht keinen im Weg stehenden kiloschweren Beton-Fuß, sondern wird einfach zwischen Boden und Decke eingeklemmt.

Gärtnern auf kleinstem Raum

Der Illustrator, Comicszeichner und Produktdesigner Christian Lessing aus Düsseldorf hat sich besonders dem Platzproblem auf Balkonien angenommen. Lessing hat ein modulares Möbelsystem entwickelt, das an jede Brüstung passt. In das Grundelement lassen sich Tisch, Sitz oder Pflanzbehälter einfach einhaken. Bei Bedarf können die Einzelelemente wieder weggeklappt werden. So kann man stilvoll an der frischen Luft sitzen, frühstücken und gärtnern.

Lessing hat mit dem „Orientalischen Fenster“ selbst eine Lösung für Wohnungen ganz ohne Balkon im Programm. Das Gestell kann man mit geringem Aufwand ins Fenster hängen. Auf den Stufen lassen sich Töpfe für Blumen oder Kräuter unterbringen. Man kann so zum Beispiel einen Küchengarten beackern oder sich einfach nur ein wenig grüne Aussicht verschaffen.

Die beiden Beispiele rephorm und Lessing zeigen: Auf Balkonien geht die Zeit der pingeligen Stiefmütterchenzucht langsam zu Ende. Michael Hilgers von rephorm sieht den Balkon als „architektonische Anhängsel, der sich in ein grünes Wohnzimmer verwandeln lässt.“ Der Balkon ist keine ungenutzte Brache mehr, sondern wird Teil des modern gestalteten Wohnensembels.

Peter Steinhauer, Christoph Steinhauer

Peter Steinhauer - Ich arbeite als freier Journalist in Berlin für Print und Internet. Studiert habe ich in Bonn und Köln die Fächer ...

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