NAIAS 2009: Automesse in Detroit

Die North American International Autoshow (NAIAS) in der Übersicht

Die Limousine lebt – Ford setzt auf den Taurus - Cornelia Schaible
Die Limousine lebt – Ford setzt auf den Taurus - Cornelia Schaible
Nach einem katastrophalen Jahr für die US-Autoindustrie ist die Stimmung auf der Autoshow in Detroit ziemlich düster. Einen Hoffnungsschimmer gibt es: das Elektroauto.

In früheren Jahren plätscherte am Chrysler-Stand ein Wasserfall, und auf einer Felswand aus Plastik klebte ein Jeep in unmöglicher Position. Bei anderen Herstellern sorgten Stars und Sternchen dafür, dass auch auf das langweiligste SUV ein wenig Glanz und Glamour fiel. Und zu verhungern brauchten die Journalisten bei der Detroiter Automesse ebenfalls nicht – überall ließen sich ganz nebenbei ein paar leckere Häppchen abstauben.

Dieses Mal taten die Presseleute gut daran, selbst einen Snack in die Messehalle am Detroit River mitzubringen. Auch sonst ging es eher nüchtern zu. Wenn zwei der drei US-Hersteller am Tropf von Washington hängen (General Motors und Chrysler wären ohne staatlichen Überbrückungskredit bereits insolvent), ist Prasserei fehl am Platz. Langweilig ist die diesjährige Autoshow trotzdem nicht: Die NAIAS 2009, die vom 17. bis 25. Januar für das allgemeine Publikum ihre Tore öffnet, setzt eindeutig auf die inneren Werte der Fahrzeuge. Und klein ist neuerdings fein, auch in den USA. Das zeigt sich vor allem bei Ford.

Zeitgemäßer Spritverbrauch auch ohne teure Hybridtechnik

Obwohl die ganze Hoffnung des Konzerns auf dem neuen Taurus liegt, entstieg Ford-Chef Alan Mullaly bei der Pressekonferenz in der Cobo-Arena einem Fiesta – die Kleinwagensparte will der Konzern mit dem blauen Oval künftig nicht mehr allein den asiatischen Herstellern überlassen. Auch General Motors (GM) hat mit dem Beat einen Winzling in Planung; der sparsame Kleine, der in Europa entwickelt wurde, soll 2011 in den USA als Chevrolet Spark auf den Markt kommen. Die Botschaft lautet: Wer ein Auto mit zeitgemäßem Spritverbrauch möchte, ist heutzutage nicht mehr auf teure Hybridtechnik angewiesen.

Das soll nun nicht heißen, dass verbrauchsgünstige Fahrzeuge mit Hybridantrieb schon wieder aus der Mode sind. Die drei US-Hersteller, oft als innovationsresistent gescholten, haben derzeit insgesamt 25 Modelle mit kombiniertem Verbrennungs- und Elektromotor im Angebot. Die Technik hat sich bewährt: Vorreiter Toyota präsentiert auf der Automesse bereits die dritte Generation des Prius, der inzwischen auch äußerlich mehr zu bieten hat als das erste reine Serien-Hybridfahrzeug. Der neue Insight ist eine Art Zwilling davon, nur aus dem Hause Honda. Wahrscheinlich sieht bald jede Mittelklassen-Limousine aus wie ein Prius. Sofern es sich nicht um ein Elektroauto handelt.

Denn in Detroit wird auch deutlich, dass es schon bald eine weniger halbherzige Alternative zum Verbrennungsmotor geben wird: Der Elektroantrieb ist das alles beherrschende Thema auf der Autoshow, und in dieser Sparte dominieren ganz klar die amerikanischen Hersteller. Not macht erfinderisch. Mit dem Chevy Volt spielt GM den Taktgeber; das Elektroauto, das vor zwei Jahren als Studie vorgestellt wurde, soll im kommenden Marktreife erlangen. Mit dem Cadillac Converj stellte GM nun eine weitere Elektrovariante vor – der Luxus-Stromer (basierend auf der Volt-Plattform) wird vor allem von amerikanischen Journalisten bejubelt. Und Chrysler fuhr bei der Presse-Vorschau gleich fünf Elektromodelle auf, von denen mindestens eines in naher Zukunft in Produktion gehen soll.

Elektroautos als neue Alternative, auch für Sportwagen

Offenbar hat auch das kleinste und am meisten gebeutelte Mitglied der einstmals „Großen Drei“ die Innovationsfähigkeit nicht verloren: Viel Aufsehen erregten der orangefarbene Sportwagen Dodge Circuit EV und die Studie Chrysler 200C EV. Eher eine Chance, als Produktionsfahrzeug zu enden, hat allerdings die Elektrovariante des bewährten Minivan Chrysler Town & Country .

Dass Elektroautos nicht nur Öko-Fuzzis als Zielgruppe haben, wird am Stand von Fisker klar: Der Fisker Karma S hat gleich zwei Elektromotoren und 403 PS. Das rasante Sportwagen-Cabrio, das 2011 auf den Markt kommen soll, hat rein elektrisch betrieben eine Reichweite von 80 Kilometern. Ist der Akku leer und keine Steckdose verfügbar, wird ein Benzinmotor zur Stromerzeugung zugeschaltet: Das ist die Schönheit des Plug-in-Hybridkonzepts. Bei Tesla, einem Start-up aus Silicon-Valley, gibt’s ebenfalls einen Boliden zu bestaunen, der den Saft aus der Steckdose bezieht. Daimler weiß dieses Know-How zu schätzen: Die Lithium-Ionen-Batterie für eine Kleinserie des Elektro-Smart soll nach Medienangaben Tesla liefern. Mit dem Blue Zero auf Basis der weiterentwickelten B-Klasse hat Daimler zudem ein Stromer-Modell in Arbeit, das je nach Reichweitenbedarf für unterschiedliche Antriebssysteme geeignet ist. Der Blue-Zero-E-Cell in der Ausstellung kann an eine normale Haushaltssteckdose angeschlossen werden; der Akku liefert Strom für maximal 200 Kilometer Reichweite.

Vor allem die deutschen Autokonzerne sorgen in Detroit dafür, dass die Autoshow auch weiterhin eine Schau ist. Die Spezialität der Deutschen seit Jahren: Saubere Diesel. Audi, VW, Mercedes und BMW haben alle Selbstzünder im Programm, welche die Abgasvorschriften sämtlicher 50 US-Bundesstaaten erfüllen – VDA-Präsident Matthias Wissmann spricht vom „Clean-Diesel-Quartett“ der deutschen Hersteller. Trotz der Krise wollen die deutschen Autobauer in den USA mit umweltfreundlichen und spritsparenden Modellen Marktanteile hinzugewinnen, so Wissmann bei der Eröffnungszeremonie in Detroit. Das Ziel sei dabei, den Marktanteil von derzeit sieben Prozent auf zehn Prozent mittelfristig zu steigern.

Gelingt es endlich, die Amerikaner für Diesel zu begeistern?

Auf dem US-Markt, der im vergangenen Jahr um rund 18 Prozent einbrach, schlug sich VW noch am besten. Kein Wunder, dass es der einzige Stand in Detroit ist, der richtig gute Laune verströmt – nicht zuletzt bei der Präsentation des Blue Sport. Der coole Roadster mit dem orangefarbenen Verdeck ist erneuter Vorstoß, um den Diesel in den USA populär zu machen; ob er jemals in Produktion gehen wird, ist allerdings ungewiss. Bei der Konzertochter Audi wurde das Konzept Sportback viel bestaunt: Das schnittige Coupé mit TDI-Motor kündigt den neuen A7 an.

Sportliche Modelle sind auch bei den anderen deutschen Herstellern zu sehen: Bei BMW steht der neue Z4, und Daimler protzt gar mit dem Supersportwagen SLR Stirling Moss. Auch die neue E-Klasse wurde in Detroit vorgestellt, allerdings bei einer extra Veranstaltung außerhalb der Motorshow mit handverlesenen Gästen – danach wurden die Fahrzeuge wieder eingepackt. Zu viel Party ist derzeit nicht gut fürs Image.

North American International Autoshow (NAIAS)

Cobo Center, One Washington Blvd., Detroit, Michigan 48226

Publikumstage vom 17. bis 25. Januar 2009

Fotostrecke NAIAS 2009

Cornelia Schaible, Cornelia Schaible

Cornelia Schaible - Geboren 1963, verbrachte nach dem Abitur ein Jahr in Marseille, studierte anschließend Germanistik sowie Allgemeine ...

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