Deutsch ist sexy - Bilinguismus-Kampagne im Elsass

Skulptur mit Goethe-Inschrift, Elsass - Claudia Cossé
Skulptur mit Goethe-Inschrift, Elsass - Claudia Cossé
Schon im Oktober 2009 startete eine Kampagne zur Förderung der deutschen Sprache im Elsass.

Das Elsass mit all seiner Fachwerkhausromantik und Dörfern wie Freilichtmuseen, kämpft seit Jahrhunderten mit Identitätsproblemen. Unter Ludwig XIV. noch als eigenständige Region geduldet, kam mit der Revolution der französische Zentralismus. Im Deutschen Reich als "Reichsland" bezeichnet, wurde es schon fast so etwas wie eine preußische Kronkolonie. Im nachfolgenden Krieg jedoch mussten die Elsässer für das deutsche Heer kämpfen. Das 1936 errichtete Mahnmal auf dem Place de la République in Strasbourg (oder Strassburg) stellt Mutter Elsass mit ihren zwei toten Söhnen dar: einer unter deutscher und einer unter französischer Flagge gefallen. Diese Tragödien durchlebten die Elsässer in beiden Weltkriegen.

Das Elsass: Spielball der Mächte

Die Grenzlage zwischen romanischer und germanischer Kultur hat das Elsass über Jahrhunderte geprägt. Allein zwischen 1870 und 1945 musste die elsässische Bevölkerung viermal ihre Nationalität wechseln. Seit Generationen leben die Menschen hier mit zwei Sprachen, zwei Religionen, zwei Kulturen. Nach 1940 musste jeder Jean wieder Johann oder Hans genannt werden und fünf Jahre später wurde aus dem Peter wieder der Pierre.

Heute sind die Elsässer, trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieser bewegten Geschichte, freundlich, weltoffen und in der Regel dreisprachig, was sie schon von den meisten „Franzosen“ unterscheidet. Der Elsässer fühlt sich zwar als Franzose aber mehr noch als Elsässer. Er liebt seine Region und die Traditionen. Der elsässische Dialekt ist ebenfalls Teil des kulturellen Erbes, der jedoch von Generation zu Generation mehr und mehr verschwindet.

Mehrsprachigkeit = ein wichtiger Trumpf auf dem Arbeitsmarkt

Gerade in den Grenzgebieten Elsass und Baden Württemberg ist es schade, dass Französisch oder Deutsch und Elsässisch nicht mehr selbstverständlich in den Lehrplan eingebunden sind. So kommt es heute vor, dass sich die Enkel mit Ihren Großeltern im Elsass kaum mehr verständigen können, da die ältere Generation elsässisch spricht und die Jungen nur noch französisch.

Am 7. Oktober 2009 startete daher eine Kampagne zur Förderung der Zweisprachigkeit. Die Vereinigung "Region Alsace", die Départements 67 und 68 sowie die Academie Strasbourg initierten eine breit angelegte Kampagne, die jungen Leuten die deutsche Sprache und den elsässischen Dialekt wieder schmackhaft machen soll. Gerade für den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt ein wichtiger Faktor.

Deutsch ist die in Europa am meisten gesprochene Sprache; dennoch hat "la langue de Goethe" ein schlechtes Image. Ambitionierte Eltern schicken ihre Kinder im Elsass auf bilinguale Schulen, aber dem Großteil muß das sprachliche Erbe der Region wieder schmackhaft gemacht werden.

In den Plakatmotiven werden daher insbesondere junge Leute angesprochen. Mit Slogans wie "L'allemand? L'alsacien? Pas si kompliziert et très freundlich!" oder "L'allemand? L'alsacien? C'est tellement nàdiirlich im Elsàss!" , "L'allemand? L'alsacien? C'est toujours sehr effizient!" werden auf charmante Weise alle drei Sprachen vermischt. Weitere Informationen unter: www.deutsch-langueregionale.eu

Bei Soultzmatt im Elsass steht ein Skulpturenstein des Bildhauers Hari Bannwarth mit einer Inschrift Goethes: "Die Mundart ist doch eigentlich der Ort, wo die Seele ihren Atem schöpft".

Claudia, Claudia Cossé

Claudia Cosse - Jahrgang 1968, geboren in der Eifel; Studium der Kommunikationswissenschaften, Marketing und Psychologie in Essen. Seit 2008 lebe ich ...

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