Ob der Beginn des Oktoberfestes in München, der 3. Oktober, der deutsche Feiertag, oder das nahende Weihnachtsfest: Spätestens dann packt auch hart gesottene und gut integrierte Auswanderer in der neuen Heimat die Nostalgie oder gar das Heimweh.

Spätestens an Weihnachten kommt das Heimweh

Sehr gut kann man verstehen, dass zur Weihnachtszeit plötzlich die Flieger gen Deutschland voll (und deswegen gleich auch teurer) sind, noch dazu, wenn auch noch weiße Weihnacht vorhergesagt wird! Weihnachten in warmen Gefilden, zum Beispiel auf der südlichen Erd-Halbkugel, die im Dezember ihren Sommer-Höhepunkt haben, aber auch im Süden Europas wie in Italien und Spanien, ähnelt nämlich mehr einer Mischung aus Karneval und Volksfest mit den bunten Straßenbeleuchtungen und blinkenden Weihnachts-Bäumen. Und was eine „Stille Nacht“ sein kann, das wird man da nie nachvollziehen können, gehören doch die Spanier und Griechen nach den Chinesen und Japanern zu den erwiesenermaßen lautesten Völkern! An den Küsten herrschen so um 15 Grad über Null mittags, alles ist wunderbar grün und blühend draußen. So kommt keine weihnachtliche Romantik auf.

Deutsche Stammtische und Skatrunden gibt es überall auf der Welt

Nun gibt es ja auch das spöttische Wort vom Deutschen, der überall, wo er hinkommt, als erstes einen Verein gründet, und so findet man, kaum kennen sich mehrere Deutschen in einer Region, Wanderclubs, Shanty Chöre, Tierschutz-Vereinigungen, Skat-Clubs und alle ähnlichen. Deren Präsidenten und Vorstände opfern in der Regel viel Zeit und eigenes Spesengeld, damit sie regelmäßig stattfinden, ihren Mitgliedern ein interessantes Programm bieten und den Zusammenhalt fördern. Und gerne nutzen besonders die älteren Residenten, die nicht mehr im Berufsleben stehen und damit weniger Möglichkeit zur natürlichen Integration im Ausland haben, die freie und nicht kleine Auswahl, wo sie mitmachen und beitreten, um die Nabelschnur zur alten Heimat nicht gänzlich abzuschneiden.

Wie steht es mit der Integration?

Der deutsche Generalkonsul in Sevilla, Dr. Berthold Johannes, formulierte es einmal so: „Die Residenten-Vereinigungen übernehmen eine wichtige Funktion der Integration der hier lebenden Deutschen.“

Aber ist das, streng genommen eine echte Integration in der neuen Umgebung ? Ein Treffpunkt zum Gedankenaustausch, zur Unterhaltung, zum Vertreiben der Langeweile und nicht zuletzt auch zur Weiterbildung allemal. Und doch, die Oktoberfeste zumindest führen Einheimische und Zugewanderte im Ausland zusammen. Dieses Jahr fiel zum Beispiel in Spanien auf, dass besonders viele Oktoberfeste allerorten mit eingeflogenen Weißwürsten und Brezen von dortigen deutschen Bäckern, Besuchern in Dirndl und Lederhose, und Marschmusikkapellen organisiert wurden. Oft nicht einmal von echten Münchenern, sondern von Berlinern und Düsseldorfern. Und sie erhielten durch die Bank eine große Presse und gute Kritiken von begeisterten Einheimischen, von Andalusien bis Brasilien. Wieder einmal zeigt sich: in geselliger Runde, beim gemütlichen Essen kommt man sich überall näher!