Deutsche Flugzeugkonstrukteure der Jahre 1909/1910

Grade Eindecker - Swoboda
Grade Eindecker - Swoboda
Die ersten deutschen Flugmaschinen der Jahre 1909 und 1910 wurden vor allem durch die Konstrukteure Dorner, Grade und Euler hervorgebracht.

Der deutsche Flugzeugbau begann mit den Konstrukteuren Herrmann Dorner, Hans Grade und August Euler. Die beiden Erstgenannten hatten es sich zur Hauptaufgabe gemacht nur Eigenkonstruktionen, ohne ausländische Einflüsse, herzustellen und diese auch mit Flugmotoren aus deutscher Produktion auszurüsten. Bewährte Konstruktionsmerkmale aus Frankreich, blieben vor den Toren ihrer Werkhallen. Anders war es bei Euler, er wollte schnellstmöglich viele Konstruktionen auf den Markt bringen und bediente sich einer Baulizenz von den Brüdern Voisin.

Hermann Dorner – Einer der ersten deutschen Motorflugpioniere

Dorner war einer der ersten Motorflugpioniere in Deutschland. Im Jahr 1907 nahm er in Berlin frühere Versuche mit einem Gleitflieger wieder auf und konnte dabei kleine Erfolge verzeichnen. Entgegen der Verfahrensweise von Lilienthal, der von einem Hügel hinunter glitt, starte er seinen Gleiter im Schleppstart und erreichte dabei Weiten von 80 Metern mit einer Flughöhe von sieben Metern. Die Landungen wurden stets ohne Bruch ausgeführt. Nach diesen Versuchen konstruierte er einen luftgekühlten 4-Zylinder-Motor, der 1908 von der Firma Schwager gebaut wurde. Mit Unterstützung des Berliner Vereins für Luftschifffahrt konnte Dorner ein neues Eindecker-Modell (T I) bauen, das er mit diesem Motor ausrüstete. Nach eigenen Angaben soll dieser Motor 24 PS geleistet haben.

Neben Grade bereitete sich auch Dorner auf den Wettbewerb um den „Lanz- Preis der Lüfte“ vor und meldete sich in Johannisthal für die Eröffnungsflugwoche an. Leider konnte er den französischen Fliegern mit seinen Leistungen nicht das Wasser reichen.

Dorner gewinnt mit seiner T II den dritten Lanz- Preis

Mit den gesammelten Erfahrungen verbesserte er seinen Flieger und baute den Motor um, der jetzt 22 PS leistete. Ein Jahr später hat er mit seinem Modell T II im Juli den dritten Lanz- Preis gewonnen. Im gleichen Monat erhielt er seine Flugzeugführerlizenz No. 18.

Im September 1910 gründete er die Dorner Flugzeug GmbH am Flugplatz Johannisthal. Das zweisitzige Nachfolgemodell T III folgte nach einem Unfall mit dem Vorgänger. Es besaß eine Doppelsteuerung und ermöglichte somit die Ausbildung von Piloten. Im Dezember 1911 wurde das Flugzeug mit einem 50-PS-NAG-Motor (auch Daimler) der Militärverwaltung in Döberitz vorgeführt, die danach ein Probemuster bestellte. Dieser 1912 fertig gestellte Militär-Eindecker, ähnlich der T III, besaß einen voll verkleideten Vorderrumpf und einen stärkeren Motor von 70 PS. Weitere Bestellungen seitens der Militärs erfolgten nicht. Aufgrund mehrerer nicht abreißender Probleme mit der Konstruktion gab Dorner den Flugzeugbau auf. Bei Kriegsbeginn war er bei der DVL (Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt) als technischer Direktor tätig.

Grade fliegt als erster Deutscher mit Eigenbau-Eindecker

In den Jahren 1907/ 1908 baute Hans Grade seinen ersten Dreidecker aus Bambusstangen, der mit Leinen bespannt war und von einem selbstgebauten 6-Zylinder-Motor angetrieben wurde. Im Oktober 1908 begann er mit den Flugversuchen und es gelang ihm ein erster kurzer Sprung. Im Jahre 1909 baute er einen Eindecker in ähnlicher Leichtbauweise. Mit diesem Eindecker und seinem Dreidecker zog Grade nach Bork (Borkheide) in die Mark Brandenburg um. Im August 1909 setzte er seine Flugversuche fort. Er machte gute Fortschritte und konnte mit seinen Leistungen die Anforderungen für den Lanz- Preis erfüllen. Am 26. September sollte die Abnahme ohne die bestellten Sportkommissare des Berliner Vereins für Luftschifffahrt erfolgen. Eine Bruchlandung aufgrund eines Schadens am Propellerblatt verhinderte den Versuch den Preis zu erringen. Erst im Oktober 1909 war die Maschine wieder hergestellt. Auf Dringen des Vereins musste Grade sich in Johannisthal für einen weiteren Versuch vorstellen, um den Lanz- Preis zu gewinnen.

Am 30. Oktober 1909 war es dann soweit. Grade stellte seinen Eindecker in Eigenbau der Kommission vor, die diesen für wettbewerbsgerecht beurteilte. Der sehr leichte Flugapparat besaß eine Spannweite von 10,20 Metern und die Länge betrug 7,50 Meter. Mit einer Flügelfläche von 29 m² und einer Leermasse von 125 Kilogramm war diese eine gelungene Konstruktion. Der Flieger wurde von einem Grade-Vier-Zylinder-Motor angetrieben, der 24 PS abgab.

Grade gewinnt 40.000 Mark und schult Militär

Der Flug erfolgte wie vorgeschrieben in 10 Metern Höhe und vollführte eine weit ausgedehnte Acht um zwei markierte Wendepunkte. Die Gesamtzeit für diesen Flug betrug 4 Minuten und 4 Sekunden. Er gewann den ersten Lanz- Preis in Höhe von 40.000 Mark.

Danach flog Grade bei 6 verschiedenen Wettbewerben im Jahr 1910, merkte aber bald, dass andere Flieger mit besseren Geräten bessere Leistungen vollbrachten, zumal jene Lizenzen ausländischer Produkte nutzten.

Im Frühjahr 1910 gründete Grade in Bork die „Grade- Flugwerke“ mit einer anhängenden Fliegerschule, in der er bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges 99 Flugzeugführer bis zur DLV-Qualifizierung ausbildete. Vorwiegend waren es Offiziere des Heeres.

Des Weiteren unternahm Grade noch einige Änderungen in der Anordnung der Sitze bei der zweisitzigen Variante (hinter- und nebeneinander) und benutzte verschiedene Formen von Luftschrauben. Insgesamt wurden 13 verschiedene Varianten des Grade-Eindeckers gebaut.

August Euler – Fabrikant, Konstrukteur und erster Flieger mit Fluglizenz

August Euler flog erstmals mit einem Voisin-Doppeldecker auf der Internationalen Luftschifffahrtsausstellung (ILA) in Frankfurt am Main im August 1909. Sein Motorflug dauerte nur 20 Sekunden.

Wie andere Flugpioniere beschäftigte sich Euler zu Beginn seiner Flugversuche ebenfalls mit Gleitflugapparaten. Mehr interessierte ihn aber der motorisierte Flug, denn er hatte bereits durch sein Verkaufsmonopol für führende Automobilmarken bereits eine enge Verbindung zu Motorfahrzeugen. Im Jahr 1908 erwarb er die Lizenz zum Nachbau des Voisin- Doppeldeckers. Er erhielt ein Muster aus Frankreich mit einem Antoinette-Motor, baute es zusammen und unternahm erste Flugversuche. Es gelang ihm aber nicht mit diesem Gerät zu fliegen.

Euler modifizierte die Konstruktion und baute bis zur ILA vier Voisin- Euler- Doppeldecker. Im August 1909 gelang ihm sofort ein Flug mit einer Dauer von 20 Sekunden. Eine Woche später flog erschon 2 Minuten und 30 Sekunden. Gegenüber den französischen Fliegern konnte er genauso wenig erreichen wie Dorner. Davon ließ sich Euler aber nicht abschrecken und verbesserte seine Technik und seine Techniken immer weiter. Im Dezember 1909 erfüllte er die Bedingungen für seine Flugzeugführerlizenz und ein dreiviertel Jahr später holte er sich im Oktober 1910 den Dauerflugrekord mit mehr als 3 Stunden Flugzeit.

Quellen:

  • Schmitt, Günter, Fliegende Kisten- von Kitty Hawk bis Kiew, Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1985
R.Lüdemann, G.Lüdemann

Rainer Lüdemann - Rainer Lüdemann, geb. 1951, Dipl.-Wirtsch.-Ing. Nach dem Abitur und dem Fachhochschulstudium hat Rainer Lüdemann nach dem ...

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