Auch die Deutschen waren in der Vergangenheit ein Volk von Emigranten. Höhepunkt der Auswanderung war im 19. Jahrhundert, als Millionen von Menschen ihre Heimat verließen: Das Massenelend während der industriellen Revolution trieb sie in eine ungewisse Ferne. Brasilien war lange Zeit eines der bevorzugten Aufnahmeländer.

Deutsche Auswanderung nach Brasilien

Die Auswanderung nach Brasilien begann im Jahr 1824. Viele Auswanderer gingen aus politischen Gründen oder flohen vor der bitteren Armut daheim. Brasilien bot sich als ideales Aufnahmeland an: Nach der Abschaffung der Sklaverei brauchte Kronprinz Dom Pedro I. Arbeitskräfte, um den unerschlossenen Süden des Landes urbar zu machen. Die Deutschen genossen den Ruf als tüchtige Arbeitskräfte und waren hochwillkommen.

Angekommen in Brasilien lebten die Einwanderer meist isoliert: Mitten im Urwald gründeten die Deutschen in den Provinzen Pará, Santa Catarina und Rio Grande del Sul ihre Siedlungen, die den Orten in der alten Heimat glichen. Sie unterhielten ihre eigenen Schulen, sprachen heimische Dialekte und pflegten ihre gewohnte Kultur in Vereinen, Kirchen und bei Festen. Da ihnen die Wirklichkeit im Herkunftsland bald ebenso fremd wurde wie es die brasilianische war, entwickelten die Auswanderer ihre eigene, neue Kultur, die deutsche und brasilianische Elemente vereinte. Mehr als andere Einwanderer bleiben die Deutschen unter sich und galten den Brasilianern darum als besonders resistent gegen Integration.

Brasilianisch-deutsche Beziehungen heute

Heute gibt es in Brasilien deutsche Schulen und Zeitungen, deutsche Restaurants und Bierstuben, deutsche Vereine und Altersheime. Laut dem Auswärtigen Amt ist Brasilien Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Die deutschen Exporte nach Brasilien beliefen sich im Jahr 2007 auf 6,8 Milliarden Euro. In die Region Sao Paulo investiert die deutsche Wirtschaft mehr als irgendwo anders in der Welt. Auch die deutsche Sprache hat bis heute in Brasilien eine weit größtere Bedeutung als in allen anderen Ländern Lateinamerikas.

Blumenau - deutsche Stadt in Brasilien

Bedeutendste deutsche Einwandererstadt in Brasilien ist Blumenau. Die 300.000 Einwohner zählende Stadt im Bundesstaat Santa Catarina gehört zu den reichsten Gemeinden Brasiliens und ist bekannt für das größte Oktoberfest auf dem amerikanischen Kontinent. Seit 1983 wird es gefeiert und zieht inzwischen weit mehr als eine halbe Million Besucher an. Nach dem Karneval in Rio ist das Oktoberfest von Blumenau das größte Volksfest Brasiliens.

Die rund 3.000 Industriebetriebe Blumenaus genießen einen internationalen Ruf in der Textil- und Kristallproduktion sowie in der Softwarebranche. An die deutschen Wurzeln erinnern neben dem jährlichen Oktoberfest die Architektur und die deutsche Sprache, die noch heute in der Gemeinde gesprochen und gelehrt wird.

Dr. Hermann Bruno Otto Blumenau

Das Jahr 2009 ist in doppelter Hinsicht ein wichtiges Gedenkjahr für die Stadt Blumenau: Vor 190 Jahren, am 26. Dezember 1919, wurde Stadtgründer Dr. Hermann Bruno Otto Blumenau in Hasselfelde im Harz geboren; vor 110 Jahren, am 30. Oktober 1899, starb er. Bereits als 17-Jähriger beschäftigte sich der gelernte Apotheker mit der Auswanderung nach Brasilien. Nach dem Kontakt mit Alexander von Humboldt reiste Blumenau im Jahre 1846 als 27-Jähriger zum ersten Mal nach Brasilien. Sein Ziel: Er wollte die harten Lebensbedingungen für deutsche Auswanderer verbessern.

Mit 16 weiteren Auswanderern aus Deutschland begann Dr. Blumenau ab 1850 den Urwald in Brasiliens Süden zu erschließen und die Privatkolonie Blumenau aufzubauen. Trotz verschiedener Rückschlägen und eines schweren Hochwassers, das fast alle Ernte vernichtete, galt Blumenau bereits 1860 als Musterort und die best verwaltete Kolonie Brasiliens. Heute ist der Ort vor allem bekannt für das zweitgrößte Oktoberfest der Welt.