
- Magelnde Hygiene ist eine Gefahr für Menschen. - Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com
Neusten Approximationen zur Folge verleben bis zu fünfzig Tausend Menschen jedes Jahr an Infektionskrankheiten, die durch defizitäre Hygiene in Krankenhäusern verursacht werden. Nach einer umfassenden Studie der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und der Versicherung Allianz werden jährlich bis zu 1,5 Millionen Patienten mit Krankheitserregern in deutschen Kliniken infiziert.
Nachlässigkeit und Verantwortungslosigkeit als primäre Ursache von Infektionserkrankungen
Als primäre und die wesentlichste Ursache für mangelhafte Hygiene werden Nachlässigkeit und Verantwortungslosigkeit des Krankenhaus-Personals erachtet. Betroffene Pateinten berichten von grausigen Zuständen: Auf den Boden gefallene Nadeln werden ohne Desinfektion den Patienten zugeführt, Pfleger wechseln ohne Desinfizierung der Hände von einem Patienten zum Anderen, Ärzte säubern nicht die gängigen Untersuchungsgegenstände. In schlimmen Fällen muss eine Station evakuiert und entkeimt werden. Ein prägnantes Beispiel ist die Uniklinik in Münster. Im Jahre 2003 schlägt das dortige Blutkulturgerät Alarm, denn zwei der Blutproben weisen tausende von Bakterien auf. Eine derartig hohe Zahl an lebenden, bakteriellen Organismen ist ein Zeichen für einen Alarmzustand. Weitere Untersuchungen ergeben die Infizierung des Blutes mit Antibiotika resistenten Staphylokokken. Als sich zu einem späteren Zeitpunkt ein weiterer Patient infiziert, wird nach der Ursache im Krankenhaus gefahndet. Die Verantwortlichen stellen die Kontaminierung zahlreicher Utensilieren fest und sperren die Intensivstation. Folgerichtig werden die Richtlinien umgearbeitet, so dass neu eintreffende Patienten einer Blutuntersuchung unterzogen werden müssen.
Deutschland gilt bei Nachbarstaaten als „Hochrisiko-Land“
Ein gänzlich differentes System in Frage der Hygiene offenbaren die Niederlanden. Jedes Krankenhaus ist in den Niederlanden mit einem Molekularbiologen besetzt, so dass jeder Patient ein passendes Antibiotikum in Infektionsfällen rezipiert. In der Bundesrepublik werden hingegen approximativ vierzig Prozent der Antibiotika falsch verschrieben, über falschen Zeitraum eingenommen und falsch dosiert. Patienten, die in den letzten drei Monaten in einem deutschen Krankenhaus sich aufhielten, werden bei Ankunft in einem niederländischen Hospital in Quarantäne gebracht. Des Weiteren findet in den niederländischen Krankenhäusern eine regelmäßige Gesundheitsberatung für Ärzte und Pflegekräfte durch einen Spezialisten statt. In Deutschland sind im Kontrast nur ungefähr fünf Prozent der Krankenhäuser mit Hygiene-Spezialisten besetzt.
Fehlende politische Interventionen bewirken keine Veränderung
Eine große Problematik bei der Bekämpfung der Krankenhaus-Infektionen besteht in der fehlenden Verankerung dieses Phänomens in der Gesetzgebung. Die Krankenhaus-Infektion erscheint in keiner Statistik des Statistischen Bundesamtes und es existiert keine Meldepflicht. In dieser Fragestellung schieben die einzelnen Institutionen die Verantwortung stets weiter: Bund auf das Land, das Land auf den Bund. Dabei ist diese Infektion von besonderer Gefahr, denn jährlich sterben approximativ fünfzig Tausend Menschen. Die Zahl der Toten durch AIDS beläuft sich auf etwa sechshundert Menschen im Jahr. Ungefähr fünf Tausend Menschen sterben an meldepflichtigen Infektionskrankheiten, während durch die Krankenhaus-Infektion zehn Mal mehr Tote verzeichnet werden. Es bestehen nur Richtlinien, aber keine festen Gesetze, die das Krankenhaus-Personal zur Verantwortung ziehen. In Addition besteht ein geringes Bewusstsein des verantwortlichen Personals für Hygiene.
Quelle:
Killerblut-Die verschwiegene Katastrophe
