Deutsche Präsidenten des direkt gewählten Europäischen Parlaments

Das Europäische Parlament - pixelio.de - rudolf ortner
Das Europäische Parlament - pixelio.de - rudolf ortner
Drei deutsche Politiker waren bisher Präsidenten des Europaparlaments. In diesem Jahr wurde Martin Schulz als vierter Deutscher an die Spitze gewählt.

Im Jahre 1979 wurde das Europäische Parlament zum ersten Mal direkt von den Bürgerinnen und Bürgern der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gewählt. Zuvor - seit 1952 - entsandten die nationalen Parlamente die Abgeordneten aus ihrer Mitte "nach Europa". Nach der ersten Direktwahl übernahm die französische Politikerin Simone Veil die Präsidentschaft. Sie war Abgeordnete der "Union pur la démocratie francaise" (UDF), die zur Fraktion der "Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa" (ALDE) gehörte. Als erster Deutscher wurde Egon Klepsch Präsident. Er war Mitglied der Christlich Demokratische Union (CDU) und damit der Fraktion der "Europäischen Volkspartei" (EVP).

Egon Klepsch, CDU, Präsident von 1992 bis 1994

Egon Klepsch wurde am 30. Januar 1930 in Bodenbach an der Elbe, dem heutigen D??ín, im Sudetenland, ehemalige Tschechoslowakei, geboren. Durch die Kriegswirren kam er 1945 mit seiner Familie nach Lostau/Sachsen-Anhalt. Nach dem Abitur 1949 in Burg bei Magdeburg begann Klepsch ein Studium der Geschichte, Politikwissenschaften und Geographie in Rostock. 1950 musste er - aufgrund seiner politischen Einstellung - nach West-Berlin flüchten und setzte sein Studium im hessischen Marburg fort. Die Mitglieder der Jungen Union haben ihn 1963 zu ihrem Bundesvorsitzenden gewählt; er blieb dies bis 1969. Von 1965 bis 1980 war Egon Klepsch Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 1973 auch Abgeordneter des Europäischen Parlaments. Zwei Mal wurde er zum Vorsitzenden der EVP-Fraktion im Europaparlament gewählt: 1977 (bis 1982) und 1984 (bis 1992). Am 14. Januar 1992 wählte ihn das Europaparlament zu ihrem Präsidenten. Für ihn waren die Erweiterung der Europäischen Union von bisher zwölf auf fünfzehn Mitglieder sowie die Osterweiterung von großer Wichtigkeit. Wie dies seit vielen Jahren üblich war, blieb er an der Spitze des Parlaments zweieinhalb Jahre, um danach von einem Abgeordneten der sozialdemokratischen Fraktion abgelöst zu werden. 1994 schied der freiwillig aus dem Parlament aus und ging in die freie Wirtschaft. - Egon Klepsch starb am 18. September 2010 im rheinland-pfälzischen Koblenz.

Klaus Hänsch, SPD, Präsident von 1994 bis 1997

Klaus Hänsch, geboren am 15. Dezember 1938 in Sprottau, Schlesien, dem heutigen Szprotawa, flüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg nach Flensburg in Schleswig-Holstein. Er absolvierte erfolgreich sein Abitur und studierte anschließend Politologie, Geschichte und Soziologie. Dazu besuchte er die Hochschulen in Köln, Paris und Berlin. Im Jahre 1964 trat er in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein. Nach seinem Studium arbeitete er zunächst von 1968 bis 1970 als Redakteur und als Referent beim Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Er war Beauftragter der Bundesrepublik für die kulturellen Angelegenheiten des deutsch-französischen Vertrags. 1979 wechselte Hänsch ins nordrhein-westfälische Ministerium für Wissenschaft und Forschung. Im Europäischen Parlament war Klaus Hänsch seit der ersten Direktwahl als Abgeordneter der "Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten" (PASD) dabei. 1994 wählten ihn die Parlamentarier zu ihrem Präsidenten und damit zum Nachfolger seines Landsmanns Egon Klepsch. Wichtige Themen für ihn waren straffere Entscheidungsabläufe, mehr Mitentscheidungsrechte des Parlaments in der Gesetzgebung, größere Nähe zu den Medien. Seine Idee der öffentlichen Anhörung von designierten Kommissaren vor der Vertrauensabstimmung, die er 1995 entwickelte, ist bis heute erhalten geblieben. Im Jahre 2009 endete die Mitgliedschaft von Klaus Hänsch im Europäischen Parlament.

Hans-Gert Pöttering, CDU, Präsident von 2007 bis 2009

Der CDU-Politiker Hans-Gert Pöttering wurde am 15. September 1945 im niedersächsischen Bersenbrück geboren. Nach erfolgreichem Abitur 1966 und seinem Wehrdienst studierte er Rechtswissenschaften, Politik und Geschichte. Er besuchte die Universitäten in Bonn und Genf/Schweiz sowie das dortige Institut des Hautes Études Internationales. 1973 legte er sein erstes, 1976 sein zweites juristisches Staatsexamen ab. Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Angestellter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bis zu seiner Wahl ins Europäische Parlament 1979. Dort war Pöttering Mitglied der Fraktion der EVP; von 1999 bis 2007 ihr Vorsitzender. Das Europäische Parlament wählte ihn am 16.01.2007 zu seinem Präsidenten. Als überzeugter Europäer war sein Hauptanliegen die Verabschiedung eines europäischen Verfassungsvertrags. Hans-Gert Pöttering blieb in diesem Amt bis Mitte 2009. Er ist weiterhin Abgeordneter im Europaparlament. Seit 2010 ist Hans-Gert Pöttering auch Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bonn.

Martin Schulz, SPD, Präsident seit 2012

Martin Schulz wurde am 20. Dezember 1955 in Eschweiler-Hehlrath, Kreis Aachen, geboren. Nach seinem Abitur 1974 am Gymnasium in Würselen - und dem Eintritt in die SPD - absolvierte er eine dreijährige Ausbildung als Buchhändler. Schulz arbeitete in diesem Beruf bis 1994. In diesem Jahr wurde er ins Europäische Parlament gewählt und gehört dort der "Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten" (PASD) an. Im Juli 2004 wählten ihn seine Kolleginnen und Kollegen zum Vorsitzenden. Er blieb dies, bis er am 17. Januar 2012 zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt wurde. Er setzte sich gegen die britischen Abgeordneten Diana Wallis und Nirj Deva mit der absoluten Mehrheit von dreihundertsiebenundachtzig der sechshundertsiebzig Stimmen durch. Martin Schulz gilt als streitbarer Europäer, der sich schon mal mit einem Regierungschef anlegt oder die amerikanischen Ratingagenturen kritisiert. In seiner Antrittsrede versprach er, dem Europaparlament "eine starke Stimme" zu geben. Schulz bleibt bis zur nächsten Europawahl 2014 im Amt. Mit Martin Schulz ist der dritte Deutsche Präsident des Europäischen Parlaments seit der Direktwahl im Jahre 1979.

Bildnachweis: pixelio.de - rudolf ortner

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Martin Leister, Martin Leister

Martin Leister - Ich gehöre zum Jahrgang 1955 und wohne im Rheingau. Von Beruf bin ich Dipl.-Finanzwirt und damit Beamter des Landes Hessen beim ...

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