Deutsche Tafeln - Rückblick auf 18 Jahre

Lebensmittel zum Selbstkostenpreis für Bedürftige

Tafellogo - Tafelinitiative
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Es wird ein funktionierendes, ehrenamtliches System für Männer, Frauen, Kinder und Babys, zur sozial verträglichen Verteilung von Lebensmitteln vorgestellt.

"Nicht alle Menschen haben ihr täglich Brot – und dennoch gibt es Lebensmittel im Überfluss", berichtet Konstantin von Normann, Diplom-Oecotrophologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftssoziologie des Instituts für Agrarpolitik, Marktforschung und Wirtschaftssozilogie der Universität Bonn. Im Rahmen seiner Dissertation (Die Deutsche Tafeln – Lebensmittelhilfe als innovative soziale Dienstleistung im Non-Profit-Sektor) forscht er über die Arbeit der Tafeln.

Deutschland von „unten“

„In Deutschland leben zwischen fünf und acht Millionen Menschen, meist unverschuldet, in Armut. Sie benötigen den überwiegenden Teil ihre Einnahmen für die Absicherung elementarer Lebensbedürfnisse. Hier ein Beitrag zum Thema: Obtachlos trotz Sozialstaat.

Bei einem ohnehin beschränkten Budget können dringend notwendige Anschaffungen meist nur „vom Mund abgespart“ werden. Nach Meinung von Sozialarbeitern vor Ort sind es besonders Haushalte mit geringem Einkommen die auf den Kauf dringend erforderlicher Nahrungsmittel verzichten. Viele Betroffene leben pro Tag von circa 4,50 Euro, die für die Zubereitung von Frühstück, Mittag- und Abendessen ausreichen müssen. Als Luxus gilt unter Armen oft schon das, was für die Mehrheitsgesellschaft als Alltagskost gesehen wird. Auf Fleisch wird meist ganz verzichtet. Frisches Obst ist selbst im Sommer noch zu teuer und auch Grundnahrungsmittel, wie Milch, gehören oft zu den Luxusgütern.

Spricht man von „materieller“ Ernährungsarmut ist die Situation noch schwieriger. Dann reicht allein die Menge nicht aus und/oder Qualität und Hygiene der Lebensmittel sind unzureichend. Besonders im letzten Monatsdrittel fällt es vielen schwer, eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen. Die negativen Folgen für die Betroffenen liegen auf der Hand: Hunger, Fehlernährung sowie die Konkurrenz von Nahrungsmitteln zu Genussmitteln wie Alkohol, Zigaretten und Drogen ist groß. Viele Sozialhilfeempfänger schaffen es nur durch extremen Verzicht bis zum Monatsende durchzuhalten. Vielen gelingt es nicht. Sie sind auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen oder hungern. Dies bestätigt, was der Volksmund formuliert: "Wer arm ist, lebt mehr oder minder von der Hand in den Mund."

Die Arbeit der Tafeln in Deutschland

"Die Tafeln" in Deutschland, sorgen mit der Unterstützung des Roten Kreuzes, dem Diakonischen Werk, dem Caritasverband und anderen sozialen Organisationen für einen Ausgleich. Ehrenamtliche Helfer sammeln täglich qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können ein und verteilen sie. Hungrige können in vielen Städten bei der Bahnhofsmission oder örtlich zu erfragenden Armenküchen zu bestimmten Zeiten eine warme Mahlzeit erhalten. Die Tafelidee in Deutschland setzt sich durch.

Woher kommt die Tafelidee?

1963 wurde in Phoenix/Arizona, USA von John van Hengel die erste Tafel gegründet. Ihr folgte 1983 der „City Harvest“ in New York USA.

Die erste Tafel in Deutschland wurde 1993 in Berlin von der Initiativgruppe Berliner Frauen e.V. gegründet. Da sich im Lauf der Arbeit eine bundesweite Bedürftigkeit nach kostenlosen oder Lebensmittel mit sozialverträglichen Preisen herausstellte, entwickelte sich 1995 der „Dachverband Deutsche Tafelrunde“ mit Sabine Werth und für die nächsten fünf Jahre mit Jürgen Gessner als Vorsitzenden.

Seit dieser Zeit entwickelten sich die Tafeln sprunghaft sodass es im Jahr 2003, beim zehnten Geburtstag der Initiative, 320 Tafeln in Deutschland gab. Heute, im Jahr 2008, gibt es deutschlandweit 795 Tafeln.

Suite101.de befragt ehrenamtliche Helfer im „ Laden unter den Linden“, des Diakonieverbandes Reutlingen und die Gründer der Tafelinitiative in Sigmaringen.

Suite 101.de: Wer hilft im Tafelladen

Unsere Helferinnen und Helfer sind bei uns langjährig ehrenamtlich als Fahrer, Sortierer oder im Verkauf- und Verteilerdienst tätig. In einigen Tafeln arbeiten 1-Euro-Kräfte.

Suite 101.de: Wer kauft im Tafelladen ein?

Zu den Einkaufsberechtigten gehören Sozialhilfeempfänger, Geringverdiener, Arbeitslose, Rentner, Studenten und Alleinerziehende, deren finanzielle Möglichkeiten so begrenzt sind, das sie ohne die Tafel schlicht weg öfter einmal nichts zu essen hätten. Wer in einem Tafelladen Salat, Tomaten, Kartoffel und Brot und andere Lebensmittel zu einem Bruchteil des Einkaufspreises eines örtlichen Supermarkt einkaufen darf, kann auch mal ins Kino oder zum Frisör gehen oder andere Anschaffungen tätigen, die er sich beim Einkauf zu normalen Ladenpreisen nicht leisten kann.

Bedürftige weisen sich bei uns durch einen Berechtigungsschein aus, den sie bei der ARGE bekommen können. Dieses Konzept ist nicht für alle Tafeln gültig. Einige Tafeln teilen an alle aus die erklären, dass sie bedürftig sind.

Suite 101.de: Wer unterstützt in Deutschland die Tafeln?

Mit berechtigtem Stolz können sich die Tafeln, wie „Der Spiegel“ im letzten Jahr schrieb, als „die größte soziale Bewegung der 90er Jahre“ bezeichnen.

Nach Auskunft des Dachverbandes der Tafeln konnten 1996 als erste überregionale Unterstützer der Tafelidee die REWE Handelsgruppe, die DaimlerChrysler AG und die Sat1Pro7Media AG gewonnen werden.

Doch um helfen zu können sind die Tafeln auf die Gutwilligkeit Anderer angewiesen. 20.000 Menschen unterstützen bisher deutschlandweit die Tafelidee mit Spenden oder ehrenamtlicher Hilfe. Ortsnahe Tafelinitiativen können beim Bundesverband Deutsche Tafel 04342-3098 70 oder auf der Homepage www.Tafel.de erfragt werden.

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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