Deutsche Wirtschaft schrumpft auch 2010

Ein Ende der tiefen Wirtschaftskrise ist noch nicht abzusehen

Konjunkturprognose - Gerd Altmann
Konjunkturprognose - Gerd Altmann
Nach Ansicht des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung schrumpft die deutsche Wirtschaft 2009 um 6,5 und 2010 um 0,4 Prozent.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) geht nach Ansicht des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans Böckler Stiftung in diesem Jahr im Jahresdurchschnitt um 6,5 Prozent zurück. Diese negative Grundtendenz wird - wenn auch in abgeschwächter Form - wohl noch eine Weile bestehen bleiben, sodass die deutsche Wirtschaft auch 2010 noch einmal leicht - um 0,4 Prozent - schrumpfen wird.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Maßnahmenpakete zur Bekämpfung der Auswirkungen der Finanzkrise und hier for alle die Regelungen zur Kurzarbeit dämpfen bisher die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Dennoch muss man damit rechnen, dass in der zweiten Jahreshälfte 2009 zunehmend mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren werden und die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt auf knapp 3,6 Millionen ansteigt. Das würde dann einer Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent entsprechen.

Im Jahr 2010 könnte die Krise dann voll auf den Arbeitsmarkt durchschlagen: Die Arbeitslosenzahl steigt auf rund 4,45 Millionen im Jahresdurchschnitt oder 10,3 Prozent. Ende 2010 dürften sogar etwa 4,7 Millionen Menschen ohne Beschäftigung sein.

Die Konjunkturforscher gehen davon aus, dass wir dank der staatlichen Stabilisierungspolitik 2010 eine Beruhigung erleben. Dabei handelt es sich aber noch nicht um eine Wende zum Besseren. Wenn nicht mehr für eine Stabilisierung der Wirtschaft getan wird, gehen die Forscher davon aus, dass die deutsche Wirtschaft längere Zeit auf der Talsohle verharren und die Arbeitslosigkeit weiter drastisch steigen wird.

Forderung nach drittem Konjunkturprogramm

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse halten die Konjunkturforscher ein drittes Konjunkturprogramm für dringend geboten, angesichts der aktuellen Debatten aber für nicht besonders wahrscheinlich. Vielmehr wird eine beunruhigende Sprunghaftigkeit und Widersprüchlichkeit bei vielen Politikern und manchen Wissenschaftlern gesehen. So zeigt das Institut beispielhaft auf, dass zeitgleich wachsende Staatsschulden beklagt und Steuererleichterungen gefordert werden oder über eine mögliche Inflation diskutiert wird, während Deutschland aktuell eher am Rande einer Deflation steht.

Außenhandel als Konjunkturbremse

Der Außenhandel, der lange Jahre Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft war, trägt in diesem Jahr maßgeblich zum Rückgang des Bruttoinlandsproduktes bei. Die Exporte gehen voraussichtlich um 17 bis 18 Prozent zurück.

Als Folge des Exporteinbruchs, aber auch wegen der schlechten Absatzperspektiven im Inland, gehen die Konjukturforscher von einem Rückgang der Investitionen in Ausrüstungen und in den Wirtschaftsbau aus. Insgesamt schrumpfen die Bruttoanlageinvestitionen 2009 um 10,7 Prozent und 2010 um 0,3 Prozent. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass nur die deutliche Ausweitung der öffentlichen Bauinvestitionen als Teil der Konjunkturprogramme in beiden Jahren einen noch stärkeren Rückgang verhindert hat.

Privater Konsum geht 2010 zurück

Durch diverse fiskalpolitische Maßnahmen (z. B. Abwrackprämie, Anhebung der Altersrenten, Reduzierung des Krankenversicherungsbeitragssatzes etc.) sind die privaten Konsumausgaben bisher stimuliert worden. Die Konjunkturforscher gehen aber davon aus, dass auch der private Konsum leiden wird, wenn zum Jahresende 2009 und im Verlauf des Jahres 2010 die Beschäftigung zurückgeht und die Arbeitslosigkeit ansteigt.

Auf den Seiten der Hans Böckler Stiftung steht die Konjunkturprognose als PDF-Datei zum Download zur Verfügung.

Michael Konetzny, Michael Konetzny

Michael Konetzny - Michael Konetzny, Porta Westfalica, ist seit etwa 20 Jahren vorwiegend in mittelständischen Unternehmen tätig und dort ...

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