Deutscher Buchpreis 2011 für Eugen Ruge

Der Schriftsteller Eugen Ruge - Tobias Bohm /Rowohlt Verlag
Der Schriftsteller Eugen Ruge - Tobias Bohm /Rowohlt Verlag
Für den Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" erhielt der Schriftsteller Eugen Ruge den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis 2011.

Der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2011 steht fest. Die Jury entschied sich unter den sechs Finalisten für Eugen Ruge und seinen Familienroman "In Zeiten des abnehmenden Lichts". Im Kaisersaal des Frankfurter Römer erfuhr der Autor am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von der Auszeichnung. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wurde vom Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, übergeben. Die Finalisten erfahren immer erst am Abend der Preisverleihung von ihrem Sieg oder von ihrer Zweitplatzierung.

Eugen Ruge – "In Zeiten des abnehmenden Lichts"

Der Debütroman des 57-jährigen Theaterregisseurs, Übersetzers und studierten Mathematikers Eugen Ruge erzählt die autobiografisch geprägte Geschichte und den Verfall einer Familie. Der Roman handelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und berichtet aus unterschiedlichen Perspektiven über vier Generationen, deren Handeln und Leiden erheblich von den politischen Umständen geleitet wird. Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen: "Eugen Ruge spiegelt ostdeutsche Geschichte in einem Familienroman. Es gelingt ihm, die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen. Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen. Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus."

Die Story des Familienromans von Eugen Ruge

Die kommunistischen Urgroßeltern Kurt und Charlotte mussten vor den Nationalsozialisten fließen und erlebten das Kriegsende in Mexiko. Später kehren sie in die DDR zurück und arbeiten als treue, geradezu fanatische SED-Funktionäre an deren Aufbau mit. Ihr Sohn Kurt, der erst viele Jahre nach dem Krieg aus der russischen Gefangenschaft heimkehrt, macht Karriere als DDR-Historiker und als nicht unkritischer, jedoch letztlich parteikonformer Journalist. Enkel Alexander, das Alter ego des Autors selbst, beginnt am System zu zweifeln und setzt sich kurz vor der Wende in den Westen ab ; seine Frau schließt sich den kirchlichen Protestgruppen an. Der Urenkel schließlich bringt gar kein Verständnis mehr für die Vergangenheit seiner Familie auf, seine Interessen konzentrieren sich auf Konsumbedürfnisse.

Trostpreise für Jan Brandt, Michael Buselmeier, Angelika Klüssendorf, Sibylle Lewitscharoff und Marlene Streeruwitz

Alle Autoren, die auf der Shortlist 2011 stehen, können mit hohen Auflagen und vielen Lesern ihrer Romane rechnen und bekommen einen Trostpreis von 2.500 Euro. Auch die Aufnahme in die Longlist gilt bereits als erster Schritt einer literarischen Adelung. Folgende Titel waren für die Endrunde 2011 nominiert worden:

  • Jan Brandt: Gegen die Welt (DuMont)
  • Michael Buselmeier: Wunsiedel (Das Wunderhorn)
  • Angelika Klüssendorf: Das Mädchen (Kiepenheuer & Witsch)
  • Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg (Suhrkamp)
  • Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts (Rowohlt)
  • Marlene Streeruwitz: Die Schmerzmacherin (S. Fischer)

20 hervorragende Romane stehen auf der Longlist 2011

Für die Longlist 2011 hatte die Jury des Deutschen Buchpreises 20 Romane aus 198 deutschsprachigen Titeln ausgewählt, deren Erscheinungstermin zwischen Oktober 2010 und September 2011 liegt. Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2011 gehören neben Maike Albath an: Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Ulrike Draesner (Autorin), Clemens-Peter Haase (vor kurzem verstorben, Goethe-Institut), Ina Hartwig (freie Kritikerin), Christine Westermann (Westdeutscher Rundfunk) und Uwe Wittstock (Focus).

Siebte Verleihung des Deutschen Buchpreises

Der Deutsche Buchpreis wurde 2011 zum siebten Mal von der Börsenverein-des-Deutschen Buchhandels-Stiftung vergeben. Die Resonanz und die Erfolgsgeschichte dieses Literaturpreises für den "besten deutschsprachigen Roman des Jahres" sucht ihresgleichen. Nicht nur die diskussionsfreudigen Leser, vor allem auch die Verlagsbranche profitierte von dieser Initiative.

Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts. Roman einer Familie. Rowohlt 2011. Gebunden. 432 Seiten. 19,95 Euro.

Quellen:

Andrea Reidt, Freie Journalistin, Foto Monika Werneke

Andrea Reidt - Die Freie Journalistin Andrea Reidt sammelte vielfältige Erfahrungen in ihrem Beruf. Am allerliebsten schreibt sie ...

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