
- Aura Cover - Essah Entertainment (Groove Attack)
Mit seinem aktuellen Nummer 1 Album Aura, leitet Kool Savas vorzeitig das Ende eines erfolgreichen Deutschrap Jahres ein. Wir schauen zurück auf eine Zeit mit Höhen und Tiefen und einer Rekordanzahl an deutschen HipHop Alben, welche die Spitze der Charts erobern konnten.
Mehrere Top-Alben auf Platz 1
„Lieber toter Rapper, als lebender Singer/Songwriter“, tönt Savas auf seinem neuen Album und steht mit diesen Zeilen als einer der letzten Verfechter ursprünglichen HipHops – in einem Jahr, in dem die Verfremdung der einstigen Straßenkultur mit dem Album Xoxo von Casper ihren einstweiligen Höhepunkt fand. Auch Casper hat es an die Spitze der Charts geschafft, mit Gitarrenriffs, Röhrenjeans und Texten weitab vom sonstigen Themenfeld des Deutschraps. Samy Deluxe hingegen hat zurückgefunden zu harten Punchlines und lässigen Flows. Platz 1 erreichte auch er. Doch nun erstmal der Reihe nach.
Das Frühjahr mit Massiv, Prinz Pi und Farid Bang
Den Anfang macht Massiv mit seinem gewohnt martialischen Blut gegen Blut 2. So weit keine Überraschungen. Den Ausgleich zum harten Straßenrap macht Prinz Pi, der als Rebell ohne Grund zwar auch keine Überraschungen liefert, dafür aber richtig gute, tiefgründige Musik. Farid Bang schlägt mit Banger leben kürzer in diesselbe Kerbe wie Massiv und kann gegenüber seines Vorgängeralbums durchaus Verbesserungen aufweisen. Über das Partychaos der Atzen breiten wir lieber den Mantel des Schweigens und auch Pink Mafia von Kitty Kat kann unkommentiert bleiben.
Der Sommer mit Favorite und Bushido
In der ersten Maiwoche veröffentlichen dann Kaas und Favorite ihre Alben und gehen sogar gemeinsam auf Tour, auch wenn ihre Musik nicht unterschiedlicher sein könnte. Vor allem Christoph Alex von Favorite macht Spaß, mit seinen garstigen Punchlines und den Rundumschlägen gegen Freund und Feind.
Einen guten Monat später schlägt dann ein gewisser Bushido zu und landet mit Jenseits von Gut und Böse auf Platz eins. Wieso das so ist, wissen vermutlich nur seine Fans. Denn besonders innovativ klingt das Album nicht und Bushido wirkt an einigen Stellen seltsam deplatziert. Da wäre zum Beispiel der Track Gangster, denn hier entfalten die Scratches von Dj Premier ein grandioses Eastcoast Feeling, zu dem Bushidos Flow und Stimme nicht wirklich passen will. "Der Sound hier ist Brooklyn, Bronx und Paris mit einer kleinen Brise Beton aus Berlin ... Gangster- ich hab es tief in mir drin, ich bin für die Musik hier bestimmt." Nein mein lieber Anis, nicht du, sondern der Wu Tang Clan ist für solche Musik bestimmt.
Der goldene Herbst mit Casper, Samy Deluxe und Kool Savas
Nachdem dann KIZ ihre Gehirne in Urlaub schickten, Beirut ein paar Nackenklatscher verteilte und Basstard immer noch im Zwiespalt ist, kommt dann schließlich Xoxo auf den Markt, jenes Casper Album, dass die Rapwelt in zwei Hälften spaltete und trotzdem ganz an die Spitze der Charts stürmte. Und dann geht es auch schon Schlag auf Schlag mit den begehrten Pole-Positions. Erst Schwarz auf Weiß von Samy Deluxe und dann schließlich Aura von Kool Savas steigen auf Platz 1 ein; und 23 von den frisch versöhnten Ex-Aggrorappern Sido und Bushido schrammt knapp an der Spitzenposition vorbei. Aber für ein Album das so schnell zusammengeschustert wurde ist Platz 3 auch schon gut. Insgesamt war es ein also gutes Jahr für den deutschen HipHop, mit dem Fazit, dass Casper den Deutschrap rettete, Kool Savas aber zeigte, dass der Deutschrap gar nicht der Rettung bedurfte.
Hier findet sich eine Übersicht der Releases 2011
