
- Weinberg an der Mosel - Sylvia Schöbe
Es gibt, sage und schreibe, fast 10.000 verschiedene Rebsorten. Freilich sind nur die wenigsten, nämlich ca. 2500, auch für den Weinbau geeignet. Davon wiederum spielt der größte Teil eine untergeordnete Rolle. Nur etwa 50 Rebsorten haben eine umfangreichere Bedeutung und sind auf der gesamten Welt bekannt.
Deutsche Weißweine
Bei den gemäßigten Temperaturen in Deutschland wird vor allem Weißwein erzeugt. Rund 63% der Rebflächen werden zu gleichen Teilen unter den Sorten Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau, aufgeteilt.
Die Silvaner-Rebe
Die Silvaner-Rebe stammt ursprünglich aus Transsilvanien. Über Österreich erreichte sie schließlich den Main und fand in den Anbaugebieten Rheinhessen und Rheinpfalz eine neue Heimat. Der Name geht eher auf das lateinische Wort "silva" für Wald zurück und nicht, wie oft angenommen, auf die anfängliche Heimat.
Der Wein, der aus dieser Rebe erzeugt wird, hat einen milden Geschmack. Seine Farbe reicht von gelblich bis zartgrün. Silvaner passt vor allem zu Spargel, Süßwasserfisch und Huhn.
Die Riesling-Rebe
Aus der Riesling-Rebe lässt sich ausgezeichneter Weißwein gewinnen, der auch deutschen Erzeugnissen Weltruhm beschert hat. Im Ausland ist der Riesling vor allem in Großbritannien und den USA beliebt.
Die Riesling-Rebe ist deutschlandweit verbreitet. Optimale Bedingungen bieten vor allem die steinigen Steillagen entlang der Flusstäler, da sie Sonnenlicht und Wärme besser speichern können. Zu den wichtigsten Produzenten gehören deshalb die Anbaugebiete Mosel, Pfalz, Rheinhessen, Württemberg, Baden sowie die Nahe.
Der Riesling hat eine gelbgrüne Farbe. Der Geschmack variiert von herb bis mild und harmonisch. Meist wird er trocken ausgebaut. Es gibt ihn aber auch halbtrocken oder als Dessertwein (Trockenbeerenauslese und Eiswein.) Er schmeckt besonders gut zu Vorspeisen, Salaten, Käse, Geflügel, Fisch und Meeresfrüchten.
Müller-Thurgau-Rebe
Die Müller-Thurgau-Rebe entstand aus einer Kreuzung zwischen Silvaner und Riesling. Deshalb wird sie auch Rivaner genannt. Der Schweizer Herrmann Müller aus Thurgau züchtete sie, um einfache, liebliche und milde Weine erzeugen zu können.
Die Reben stellen keine großen Ansprüche an den Standort und gelten als ertragssicher. Deshalb haben sie ein großes Gewicht im deutschen Weinbau. Bedeutende Anbaugebiete sind Rheinhessen, Baden, Pfalz, Franken und die Mosel.
Die Farbe des Weines ist von einem hellen gelb. Aufgrund seines milden Charakters passt er eher zu weniger deftigen Speisen. Auch wird er wegen seines leicht zugänglichen Geschmacks gern „pur" getrunken.
Deutsche Rotweine
Deutsche Rotweine brauchen den Vergleich mit Erzeugnissen aus Frankreich und Italien nicht mehr zu scheuen. Die Produktpalette reicht dabei von fruchtig-süffig (z. B. Trollinger), über saftig vollmundig (z. B. Dornfelder) bis hin zu elegant-samtig (z. B. Spätburgunder).
Die drei beliebtesten roten Rebsorten sind Spätburgunder, Dornfelder und Portugieser.
Spätburgunder-Rebe
Der Spätburgunder ist auch unter den Namen Pinot Noir oder Blauer Burgunder bekannt. Diese Rotweinrebe ist edel und anspruchsvoll. Ihren Namen erhielt sie, da sie Mönche im Mittelalter von Burgund nach Deutschland brachten. Heutzutage wird sie vor allem in Baden, im Rheingau, in Württemberg, in der Pfalz sowie an der Ahr angebaut.
Der Geschmack des Weines reicht von herb bis mild. Brombeere, Himbeere oder Kirschen sind die häufigsten Aromen dieser Sorte. Die Farbe ist ziegelrot und nicht sehr dunkel. Spätburgunder passt zu vielen verschiedenen Gerichten, vor allem jedoch zu Wild, Braten, Käse oder leichten Vorspeisen.
Die Dornfelder-Rebe
Die Dornfelder-Rebe gilt als die bedeutendeste deutsche Kreuzung roter Rebsorten. (Entstand aus Helfensteiner und Heroldrebe) Sie ist wenig anspruchslos, was die Bodenbeschaffenheit betrifft, robust gegen Widrigkeiten und bringt gute Erträge. Benannt wurde sie von Immanuel Dornfeld, dem Gründer der Weinbauschule, an der sie gezüchtet wurde. Heutzutage wird sie vor allem in der Pfalz, in Württemberg und in Rheinhessen angebaut, hat jedoch auch in den meisten anderen deutschen Weinbaugebieten einen festen Platz gefunden.
Der Dornfelder Rotwein ist vor allem trocken. Zum Teil wird er auch halbtrocken oder lieblich ausgebaut. Die Farbe ist sehr dunkel und schimmert violett. Der Geschmack ist meist kräftig und gehaltvoll. Braten, Wild oder Käse passen besonders gut zu diesem Wein.
Die Portugieser-Rebe
Man vermutet, dass die Portugieser-Rebe aus Portugal stammt. Bewiesen ist dies jedoch nicht. Wegen der tiefblauen Farbe wird sie auch als Blauer Portugieser bezeichnet. Aus ihr lassen sich einfache Rotweine erzeugen. Dass sie trotzdem so beliebt ist, liegt vor allem an der milden Fruchtsäure und der einladend süffigen Art.
Die Hauptanbaugebiete liegen in der Pfalz, in Rheinhessen und an der Ahr. Portugieser trinkt man vor allem zur mediterranen Küche, zum Beispiel zu Muscheln. Als typischer Sommerwein lässt er sich auch in geselliger Runde genießen.
Deutsche Rebsorten zur Herstellung von erstklassigen und einfachen Weinen
Die Rebsorte ist entscheidend für die Qualität des erzeugten Weines. Allerdings ist es auch möglich, zum Beispiel durch Lagerung im Holzfass, durch eine strenge Weinlese und Ertragsbegrenzung von einfachen Rebsorten bemerkenswert gute Weine zu keltern.
Die folgende Übersicht zeigt, welche deutschen Reben zur Erzeugung von erstklassigen oder einfachen Weinen stehen.
- Weiße Reben für erstklassige Weine: Riesling, Ruländer, Traminer, Weißburgunder
- Weiße Reben für einfache Weine: Bacchus, Ehrenfels, Faber, Gutedel, Müller-Thurgau, Scheurebe, Silvaner
- Rote Reben für erstklassige Weine: Blauburgunder (auch Spätburgunder genannt)
- Rote Reben für einfache Weine: Herold, Kerner, Limberger, Portugieser, Rothberger, Scheurebe, Trollinger
Literaturhinweis:
Kleines Weinlexikon von A-Z, Compact Verlag, München 2000
