Deutsches Pinsel- und Bürstenmuseum in Bechhofen

Europaweit einmalige Chronik über das Pinsel- und Bürstenhandwerk

Besteckungsmaterial Museum Bechhofen - Christine Rödel
Besteckungsmaterial Museum Bechhofen - Christine Rödel
Die führende Pinsel- und Bürstenherstellung ist seit 1790 in Bayern zu Hause. Das Museum erzählt die Geschichte und stellt die Zunft des Handwerks vor.

Das Deutsche Pinsel- und Bürstenmuseum in Bechhofen zeigt auf 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche eine akribisch zusammengetragene Sammlung des Pinselhandwerks. Neben den unterschiedlichen Bürsten und Pinseln sind die Herstellungsvarianten vom Handwerk bis zur industriellen zu sehen.

Das Pinselhandwerk kam um 1790 nach Bechhofen

Noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts mussten Künstler ihre Pinsel selber herstellen, bevor sie den ersten Pinselstrich machen konnten. Der erste deutsche Pinselmacher ist um 1764 in Augsburg eingetragen. Kurz danach erscheinen erste Eintragungen im Kirchenbuch eines Ortsteils von Bechhofen. Johann Casper Bühler ist hier als Schreinermeister und erster Pinselmacher ausgewiesen. Mit ihm kam das Pinselhandwerk um 1790 in die Bechhofener Region. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte der Bechhofener Feinhaarpinsel direkt auf den Weltmarkt. Einer florierenden Entwicklung der Pinsel- und Bürstenherstellung stand nun nichts mehr im Wege.

Pinselfund in der Höhle Altamira bei Santander in Nordspanien

Pinsel und Bürsten zählen zu den ältesten Handwerkzeugen. In Altamira bei Santander, in Nordspanien, entdeckten im Jahre 1879 Forscher die erste Höhle mit Malereien aus der Steinzeit. Hier fanden sie außerdem ein komplettes Atelier mit verschieden großen Pinseln vor. Diese wurden auf ein Alter von 22.000 Jahren geschätzt. Heute gilt die Höhle mit ihren Malereien zum UNESCO Welterbe.

Der Pinsel an sich hat sich seit diesem prähistorischen Fund nur unwesentlich verändert. Die Urmenschen stellten die Stiele der Pinsel aus Knochen her, heute werden in Europa Holz und Kunststoff, in Asien auch Bambusgehölze, verwandt.

Art der Pinsel und Bürsten in Abhängigkeit vom Verwendungszweck

In Abhängigkeit von der Verwendung und den Einsatzgebieten der Pinsel oder Bürsten wird das Besteckungsmaterial ausgewählt. Im Groben unterscheiden sich die Stoffe zwischen tierischen, pflanzlichen und synthetischen Materialien. Die Borsten und Haare der Tiere finden überwiegend ihren Einsatz in der Pinselherstellung. Pflanzliches Besteckungsmaterial, welches oftmals von tropischen Pflanzen gewonnen werden, wie Reisstroh oder Kokosfasern, finden aufgrund ihrer Strapazierfähigkeit Einsatz in der Bürsten- und Besenherstellung. Synthetische Materialien werden in der Massenindustrie verwandt und sind vielseitig einsetzbar, sowohl bei der Pinsel- wie auch Bürstenherstellung.

Haare und Borsten in der Pinselherstellung

Der Einsatzbereich der tierischen Besteckungsmaterialien steht in Abhängigkeit zu der Stärke des Haares. Beim Ross ist das Haar des Schweifs härter als das der Mähne. Aus dem Schweif werden Besen, Bürsten und Handfeger hergestellt.

Die Borste des Wildschweins hatte lediglich bis zum ersten Weltkrieg eine erhebliche Bedeutung. Russland war bis dahin der weltweit wichtigste Borstenexporteur. Danach wurde das Tier für die Mastzucht gehalten und bereits vor der vollen Ausbildung des Fells geschlachtet. Somit war die Borste für den Weltmarkt uninteressant geworden. Heute ist China mit seiner hochwertigen Borstenqualität führend, was der Freilandlaufzucht zu verdanken ist.

Ziegenhaare finden ihren Einsatz in der Herstellung von Kosmetikpinsel und Schulmalpinsel. Aus den Haaren des Iltis werden Feinhaar-, Aquarell- und Ölmalpinsel hergestellt. Das Haar des Dachses wandert in die Rasierpinsel.

Unterschied zwischen asiatischen und europäischen Pinseln

Asiatischen Pinsel unterscheiden sich von den europäischen zum einen im Aufbau und zum anderen in der Materialzusammensetzung. Hier werden unterschiedlich lange Haar verschiedener Arten werden hier zusammengenommen.Sie werden reihenweise in Bündeln übereinandergelegt und nicht direkt miteinander vermischt. Die Haarenden kleben die asiatischen Pinselhersteller direkt zusammen, verzichten dabei auf die Metallzwinge und wird direkt in den Bambusstiehl eingesetzt.

Mehr Stabilität weisen die asiatischen Besen auf, deren Borsten kunstvoll ineinander geflochten sind. Die Enden bilden oftmals direkt den Griff.

Der Besen in der Mythologie und Religion

Insbesondere der Besen findet in der Mythologie große Bedeutung. Der Besen galt als Symbol welches vor Ungeziefer schützt und Unheil fernhält. Ebenso ist er als Transportmittel der Hexen bekannt, mit denen sie sich in die Lüfte begaben. Vielerorts gilt die Hexe auf dem Besen als Unglück bringendes Symbol. In Spanien werden sie als Glücksbringer zu Geschäftseröffnungen und dergleichen verschenkt.

In Indien lebende Mönche trugen bei ihren Wanderungen Besen mit sich. Mit ihnen kehrten sie Lebewesen wie Insekten aus dem Weg, um sie nicht zu töten und sich kein schlechtes Karma aufzuladen.

Das Deutsche Pinsel- und Bürstenmuseum in Bechhofen

Leidenschaftliche Pinsel- und Bürstenmacher gründeten 1985 den Verein „Deutsches Pinsel- und Bürstenmuseum e. V.“. Mit dem schnellen Anwachsen der Sammlung wechselte die Ausstellung von einer ehemaligen Pinselfabrik in das Gebäude eines Gasthofes aus dem 17. Jahrhundert. Hier finden die über 2.500 Ausstellungsstücke in 16 Räumen ausreichend Platz.

Bechhofen, in Mittelfranken, hat an der Bedeutung für die Pinsel- und Bürstenherstellung kaum an Bedeutung verloren. Trotz Industrialisierung sind noch immer an die 2.500 Arbeiter beschäftigt (Stand 2009).

Christine Rödel, Christine Rödel

Christine Rödel - Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen. Mitte der achtziger Jahre genügte der sich immer mehr verengende Radius nicht ...

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