
- Astronomische Weltuhr von August Noll - Lara Beck
Im Schwarzwaldort Furtwangen kommen Uhrenliebhaber voll auf ihre Kosten. Dort befindet sich das Deutsche Uhrenmuseum. Dieses Museum ist Eigentum des Landes Baden-Württemberg und ist das bestbesuchte Uhrenmuseum der Welt. Verwundert blicken die jährlich etwa 80.000 Besucher auf die einzigartige Sammlung von etwa 1.500 wertvollen Zeitmessern die ausgestellt sind, weitere 6.000 Objekte sind aber zudem im Besitz des Deutschen Uhrenmuseums. Damit der Besucher möglichst viel Wissen über diese Uhren mit nach Hause nehmen kann, lohnt es sich eine Führung in Anspruch zu nehmen.
Die Kuckucksuhr ist das Markenzeichen der Schwarzwälder Uhrenindustrie
Sie ist die bekannteste Schwarzwälder Uhr. Auch heute noch werden Schwarzwälder Kuckusuhren hergestellt und in die ganze Welt exportiert. Bei einer Führung im Deutschen Uhrenmuseum wird den Besuchern gezeigt, wie der Kuckuck in die Uhr kommt. Es ist ungeklärt, wer im Schwarzwald mit der Herstellung von Kuckucksuhren begonnen hat. Zwei Schwarzwälder Geschichtsschreiber widersprechen sich in ihren Aussagen. Doch es scheint sicher zu sein, dass zwischen 1730 und 1742 Uhrmacher im Schwarzwald mit dem Bau der Schwarzwälder Kuckucksuhren anfingen. Bereits 1629 aber erwähnte ein Augsburger Bürger in seinen Aufzeichnungen über eine Reise nach Dresden eine Kuckucksuhr. Somit wurde diese Uhr nicht im Schwarzwald erfunden, doch den Schwarzwälder Uhrmachern ist es gelungen, sie bis heute zu einem Exportschlager zu machen.
Die ersten Schwarzwälder Uhren waren ganz aus Holz gebaut
In den Anfängen der Schwarzwälder Uhrenherstellung war Holz der alleinige Werkstoff für die Uhren. Holz war im Schwarzwald reichlich vorhanden und aus den Holzschnitzern und Drechslern waren richtige Schnitzkünstler geworden. Der Beruf des Holzuhrmachers ist aus dem Drechslerberuf entstanden. Kostbare Uhren mit Holzzeigern, kunstvoll bemalten Schildern und Zifferblättern sind im Deutschen Uhrenmuseum ausgestellt. Die Schwarzwälder Uhrmacher produzierten ihre Uhren nach Kundenwunsch. Jedes Land, das Schwarzwälder Uhren kaufte, hatte einen bestimmten Geschmack. Die Schwarzwälder Uhrmacher bemalten die Uhrschilder entsprechend und so entwickelten sich landestypische Uhren. Da die Farben aber oft verblassten, forschten die Schwarzwälder fast dreißig Jahre lang, bis sie ein Verfahren entwickelt hatten, mit dem sie die Uhrenschilder dauerhaft versiegeln konnten. Die Malerei auf den Schildern wurde einfach mit einem Klarlack überzogen, der die Schildmalerei haltbar machte. Dies waren die sogenannten Lackschilduhren. Als sie auf den Markt kamen, fanden sie reißenden Absatz.
Federgetriebene Tisch- und Taschenuhren modernisierten die herkömmliche Schwarzwalduhr
Die Uhrmacherei im Schwarzwald befand sich Mitte des 19. Jahrhunderts in einer Krise. Die Lackschilduhr war nicht mehr "in", den Schwarzwäldern musste etwas neues einfallen. Sie hatten den Anschluss an die bereits anderswo erreichte Technik verpasst, dies musste nun dringend nachgeholt werden. Um 1890 ließ sich die Firma Furtwängler aus Furtwangen eine Tischuhr mit Weckeinrichtung patentieren.
Die fabrikmäßige Uhrenproduktion löste den Einzelunternehmer ab
Um überleben zu können, musste die Uhrenproduktion umgestellt werden. Eine Anfertigung der Uhren im hauseigenen Zimmer war für die Uhrmacher unrentabel geworden. Uhrenfabriken entstanden, aber auch Betriebe, die nur Teile für Uhren herstellten, schossen jetzt aus dem Boden. Die Schwarzwälder Uhrenindustrie war geboren. Es entstand nun eine Massenproduktion, die sich vom badischen in den württembergischen Teil des Schwarzwaldes verlagerte. Amerikanische Technologie kam jetzt in den Schwarzwald und wurde auch hier produziert. Die letzte klassische Schwarzwalduhr, der Schottenwecker, wurde vom Markt verdrängt.
Aus allen Epochen sind im Deutschen Uhrenmuseum wertvolle Zeitmesser vorhanden
Die Besichtigung der Uhren ist wie ein Gang durch die Jahrhunderte der Uhrengeschichte. Von den ersten Uhren, zum Beispiel der Sonnenuhr, bis zur heutigen Quarzuhr ist alles zu sehen, was die Zeit messen kann. Sogar Musikuhren oder eine Drehorgel fesseln die Ohren und Augen der Besucher. Eine Kunstuhr der Superlative ist die Hans-Lang Uhr. Sie ist eine astronomische Uhr und wurde zwischen 1982 bis 1986 vom Uhrmachermeister Hans Lang gebaut. Aus dem Jahr 1774 stammt ein Kopernikanisches Planetarium von Philipp Matthäus Hahn. Ein besonderes Highlight im Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen ist die Astronomische Weltuhr, fertiggestellt im Jahr 1888 von August Noll. Die Zeitung Münchener Neueste Nachrichten schrieb am 09. August 1888 über diese einmalige Kostbarkeit, die der Erfinder an unzähligen Orten ausgestellt hatte, folgendes: "Ein Kunstwerk ersten Ranges ist zur Zeit in dem Parterrelokal der Zentralsäle ausgestellt. Es ist dies eine Uhr nach dem Muster der berühmten Uhr im Straßburger Münster, nur mit dem Unterschiede, daß die hier ausgestellte jene sowohl hinsichtlich des Figurenreichtums wie des komplizierten Mechanismus weit übertrifft. Wer wirklich etwas Schönes, Kunstvolles sehen will, möge das kleine Entree nicht ansehen und sich von dem schönen Werke durch persönliche Besichtigung ein Bild davon gewähren, was richtiger Fleiß und staunenswerte Ausdauer bei strebsamen Händen vermögen."
Die Besucher im Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen können sich persönlich davon überzeugen, dass dieser Zeitungsartikel, der vor so vielen Jahren geschrieben wurde, immer noch zutrifft.
