Deutschland bezwingt Mazedonien im Handballkrimi mit 24:23

Deutschland hat den Charaktertest gegen Mazedonien vor über 3.000 heißblütigen Mazedoniern mit 24:23 gewonnen. Es war ein Handballkrimi bis zum Ende.

Es war die erwartet schwere Partie im zweiten Gruppenspiel der Deutschen Handballnationalmannschaft bei der Handballeuropameisterschaft 2012 in Serbien. Nach der Auftaktniederlage gegen Tschechien stand das Team von Bundestrainer Martin Heuberger unter Druck. Gegen Mazedonien kämpften sie nicht nur gegen die Mannen um Superstar Kiril Lazarov, sondern auch gegen über 3.000 heißblütige mazedonische Anhänger, die ihr Team nicht immer nur fair unterstützten. Am Ende bestand Deutschland den Charaktertest und konnte Mazedonien knapp aber verdient mit 24:23 besiegen. Die besten Spieler auf deutscher Seite waren Lars Kaufmann und Uwe Gensheimer, aber am Ende war es ein Sieg des gesamten Teams.

Deutschland - Mazedonien: Enge erste Halbzeit unter skandalösen Bedingungen

Bundestrainer Martin Heuberger (47) präsentierte in der deutschen Startaufstellung zwei Überraschungen im Gegensatz zur Auftaktniederlage gegen Tschechien. Zwischen den Pfosten ersetzte Carsten Lichtlein die eigentliche Nummer Eins Silvio Heinevetter. Für den zunächst auf der Bank platzierten Pascal Hens spielte Lars Kaufmann, der nach 25 Sekunden das 1:0 für die DHB-Auswahl erzielen konnte. Besonders in der Defensive waren die Männer von Martin Heuberger zu Beginn richtig stark und führten somit nach vier Minuten mit 3:0. Es war Kiril Lazarov, dem Superstar der Mazedonier vorbehalten, den ersten Treffer für sein Team zu erzielen. Die mazedonischen Fans nahmen dies zum Anlass, um Gegenstände auf das Spielfeld zu werfen, obwohl zuvor starke Sicherheitskontrollen von den Ordnern vorgenommen wurden. Der Pfad zwischen schöner Atmosphäre im Hexenkessel und krankem Fanatismus wurde schmaler. Deutschland zeigte sich geschockt und schon stand es 3:3. Nach 12 Minuten setzte Lichtlein im deutschen Tor erstmals ein Zeichen, als er einen Siebenmeter gegen Lazarov halten konnte. Doch direkt danach konnte Lazarov zum 5:5 ausgleichen. Nach der schnellen Drei-Tore-Führung für Deutschland war es nun eine Partie auf Augenhöhe und vor allem Lazarov machte der deutschen Abwehr nunmehr zu schaffen. Drei Stürmerfouls nach 15 Minuten waren jedoch auch eindeutig zuviel auf deutscher Seite.

Nunmehr flogen das dritte Mal Gegenstände auf das Spielfeld, unter anderem Feuerzeuge und Münzen, doch unverständlicherweise reagierte seitens der Offiziellen niemand darauf. Skandalöse Bedingungen herrschten zu diesem Zeitpunkt vor und Deutschland zeigte sich beeindruckt. Selbst als die Schiedsrichter von Gegenständen getroffen wurden, reagierten sie nicht und die beiden Unparteiischen aus Island ließen unbeirrt weiterspielen. Carsten Lichtlein hielt die Deutschen mit drei tollen Paraden in Folge in der Partie. Sechs Minuten vor dem Ende nahm Bundestrainer Heuberger seine Auszeit und schwörte die DHB-Adler auf die letzten Sequenzen der ersten Halbzeit ein - 9:9. Adrian Pfahl und Christoph Theuerkauf brachten die Deutschen wieder mit zwei Toren in Front, doch Mazedonien glich erneut aus. Sven-Sören Christophers von den Füchsen aus Berlin brachte Deutschland eine Minute vor Schluss der ersten Halbzeit mit einem Tor in Front und Mazedonien nahm die Auszeit. Martin Heuberger gab die Anweisung, Kiril Lazarov mit straffer Manndeckung aus dem Spiel zu nehmen. Doch eben jener Lazarov und sein klasse Anspiel an den Kreis brachten den 12:12-Halbzeitstand.

Deutschland - Mazedonien: Deutschland bewahrt die Nerven und zeigt Charakter in Hälfte Zwei

Die zweite Hälfte begann genauo eng wie die erste Halbzeit endete, nach acht Minuten der zweiten Halbzeit stand es 15:15. Mazedonien nutzte eine Zeitstrafe und zog auf zwei Tore davon. Theuerkauf und Kaufmann brachten die Deutsche Handballnationalmannschaft zurück in die Partie. Deutschland stand eine Viertelstunde vor Schluss vor dem Aus, denn die Mannschaft vermochte es nicht, das ausrechenbare Spiel der Mazedonier in dieser Phase zu unterbinden. Wenigstens behielt Uwe Gensheimer die Nerven am Punkt und glich zum 18:18 aus (47. Spielminute). Direkt danach kam es eine unverständliche Zwei-Minuten-Strafe gegen Lars Kaufmann und Mazedonien war zahlenmäßig wieder in der Vorhand. Diese konnte Deutschland zwar mit 2:1 für sich entscheiden, aber Oliver Roggisch holte sich anschließend die Rote Karte mit seiner dritten Zeitstrafe ab, zehn Minuten vor dem Ende stand es 20:20.

Die Schiedsrichter taten nun ihr Übriges und gaben einen strittigen Siebenmeter plus Zeitstrafe für Michael Haaß - war das der Dank für das geschenkte Feuerzeug der mazedonischen Fans aus der ersten Halbzeit? Silvio Heinevetter konnte den Siebenmeter jedoch halten. Lars Kaufmann packte im Angriff den Hammer aus und glich erneut aus - 22:22 (57. Spielminute). Heuberger nahm drei Minuten vor dem Ende bei Ein-Tore-Führung für Mazedonien die Auszeit und schwor seine Mannen auf die Schlusssequenz ein. Die Anspannung beim Bundestrainer war klar zu sehen und bis in die heimischen Wohnzimmer spürbar und Wiencek konnte für Deutschland vom Kreis aus ausgleichen. Heinevetter hielt zwei Bälle in Folge und Deutschland hatte 90 Sekunden vor dem Ende die Chance auf die Führung. Uwe Gensheimer fasste sich ein Herz und traf von Linksaußen zum 24:23, Mazedonien nahm 50 Sekunden vor dem Ende die Auszeit. Kiril Lazarov verwarf acht Sekunden vor dem Ende den letzten Wurf und Deutschland gewann tatsächlich den Charaktertest gegen Mazedonien mit 24:23. Im Regen der Feuerzeuge und Münzen aus dem mazedonischen Fanblock feierten die deutschen Spieler ausgelassen diesen Sieg im Handballkrimi.

Quellen:

ARD TV

handballem.net

Offizielle Seite der Handball-EM 2012

Stephan Schulz, (c) Stephan Schulz

Stephan Schulz - Stephan Schulz schreibt seit Jahren erfolgreich für diverse Printmedien (unter anderem die Fachzeitschrift "Computer" und die ...

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