Die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 schockierten die ganze Welt. Selbstmordattentäter hatten vier Verkehrsflugzeuge auf US-amerikanischen Inlandsflügen in ihre Gewalt genommen. Zwei Flugzeuge lenkten sie in die Türme des World Trade Centers in New York City, die kurz darauf einstürzten. Eine weitere Maschine flog in das Pentagon in Arlington (Virginia). Das vierte Flugzeug stürzte bei Shanksville (Pennsylvania) ab, nachdem sich die Entführer, Besatzung und Fluggäste an Bord Kämpfe geliefert hatten.
Die überwiegende Mehrheit der Deutschen stand zunächst hinter ihrem führenden Repräsentanten Gerhard Schröder, der seinerseits „uneingeschränkte Solidarität" gegenüber der schwer getroffenen Bündnismacht gelobt hatte. Fast die Hälfte der deutsche Bürger konnte sich, jedenfalls unmittelbar nach dem Attentat, mit Peter Strucks „Jetzt sind wir alle Amerikaner" identifizieren. 60 Prozent der Deutschen gaben gleichzeitig zu, Angst zu haben.
Gedenkminuten und große Anteilnahme in Deutschland
Die Anteilnahme war in Deutschland unmittelbar nach dem Terrorakt enorm groß und kam in vielen Aktionen zum Ausdruck. In nahezu allen Medien wurde ausführlich über den Anschlag berichtet. Unvergessen sind die Gedenkminuten am 13. und 14. September, bei denen das komplette öffentliche Leben stillstand – Autos, S-Bahnen, Fußgänger blieben plötzlich stehen und hielten inne. Hinzu kamen die vielen Blumenniederlegungen vor der amerikanischen Botschaft sowie die zahlreichen spontanen Demonstrationen in ganz Deutschland. Auch die am 23. September in der ARD live übertragene Trauerfeier im New Yorker Yankee-Stadion wurde von sehr vielen Deutschen gesehen. Die Religiosität nach dem 11. September hatte in Deutschland vorrübergehend zugenommen.
Gottesdienste und Trauer
Vor allem im September und November hielten die Kirchen in Deutschland zahlreiche Gottesdienste zum Andenken an die Terror-Opfer ab, die Gotteshäuser waren dabei oft restlos gefüllt. Dass diesen Veranstaltungen auch zahlreiche konfessionslose Menschen, vor allem in Berlin und Brandenburg, beiwohnten, gab den Trauerveranstaltungen eine überkonfessionelle, zivilreligiöse Dimension. Die Einstellung änderte sich dann mit der Zeit mehr und mehr, Differenzierungen waren nach der Überwindung des Schrecks an der Tagesordnung.
Solidarität mit den USA
„Solide solidarisch" so übertitelte der "Spiegel" am 8. Oktober 2001 eine Graphik, die die Ergebnisse einer vom 1. bis 4. Oktober geführten Umfrage zeigte. Danach sagten 71 Prozent der Deutschen „ja", als sie gefragt wurden, ob sie die uneingeschränkte Solidarität mit den USA befürworteten, wie sie Bundeskanzler Gerhard Schröder ausgerufen hatte. Es war von Anfang an klar, dass diese Übereinstimmung mit den USA weder hinsichtlich der Tiefe noch der Dauer überschätzt werden durfte. Das zeitweise dramatische Abbröckeln der Unterstützung des Kurses des Bundeskanzlers zeigt, dass das Erschrecken und die Trauer nicht sehr lange angehalten haben. Die Angst hatte sich innerhalb kurzer Zeit schon soweit abgebaut, dass Ende 2001 nur noch 19 Prozent angaben, Angst vor dem Jahr 2002 zu haben. Im September/Oktober hatte der Wert um über zehn Prozent höher gelegen.
