In Deutschland sind 39 Regenwurmarten bekannt. Lumbricus badensis ist eine davon, die im Südschwarzwald lebt, und deren Vertreter als die längsten in unserer Heimat gelten. Wer eines dieser Geschöpfe zu Gesicht bekommt, kann es für eine Schlange halten. Denn mit seinen 25 bis 40 Gramm Körpergewicht, die der Wurm auf bis zu 60 Zentimetern Länge verteilt, ist er schon ein ganz stattliches Tier. Zum Vergleich: Der in unseren Breiten häufig vorkommende Tauwurm, den wir als „den Regenwurm“ kennen, wird mit seinen 12 bis 30 Zentimetern nur etwa halb so lang.
Lumbricus badensis lebt tief in der Erde
Der Badische Regenwurm gehört zu den tiefgrabenden Arten. Kurz nach dem Schlüpfen lebt er noch oberflächennah in horizontalen Röhren. In seinem ersten Lebensjahr legt er dann U-förmige Gänge an, die er an beiden Enden verlassen kann. Mit der Zeit baut er die Röhren V-förmig weiter nach unten aus und legt Verzweigungen an. Als erwachsenes Tier bewohnt er dann ein Gangsystem, das bis zu 2,50 Meter senkrecht in die Tiefe reichen kann.
Sehen läßt sich nur selten. Zur Nahrungssuche verläßt er seine Höhle nur zu zwei Dritteln seiner Körperlänge. Der Rest bleibt drinnen. Droht Gefahr wie etwa von einem Dachs oder Fuchs, die ihn sich gern schmecken lassen, kann er sich schnell wieder in seine Wohnröhre zurückziehen. Zur Sicherheit besitzt sein Vorderkörper auch noch eine Tarnfarbe. Sein Hinterleib ist dagegen fast farblos.
Wie der Regenwurm zu seinem Namen kam
Im Gegensatz zu seinen Feinden liebt der Badische Regenwurm vegetarische Kost. Er frißt kleine Wurzeln, Erde und Blätter, die bereits von Mikroorganismen etwas zerkleinert sind. Seinen Kot setzt er dann in seinen Gängen ab und düngt damit den Boden. Das ist einer der Gründe, warum er so ein nützliches Tier ist. Ein anderer ist sein schier unermüdliches Graben. Mit jeder Abzweigung, um die er sein Röhrensystem vergrößert, lockert er den Boden auf. Wegen dieser fleißigen Buddlei wurde das Tierchen und seine Verwandten im 17. Jahrhundert als „reger Wurm“ bezeichnet, was im Lauf der Zeit zu „Regenwurm“ zusammenwuchs.
Ein Tier, das so viel anders ist als wir
Fortbewegen kann sich Lumbricus badensis mit Hilfe seiner Körperringe. Muskeln helfen ihm dabei, diese sogenannten Segmente zu dehnen und wieder zusammenzuziehen. So entsteht eine robbende Bewegung, die von feinen Borsten unterstützt wird, die er ausfahren und wieder einziehen kann. Wie alle Regenwürmer, hat auch der badische keine Sinnesorgane. Trotzdem kann er durch eine besondere Art des Nervensystems Temperaturunterschiede spüren, schmecken und riechen sowie Licht und Berührungen wahrnehmen. Blaues Licht regt ihn zum Bewegen an, UV-Licht ist für ihn tödlich. Atmen kann er durch die Haut.
Zur Fortpflanzung braucht der Wurm einen Artgenossen, obwohl er Zwitter ist und sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane besitzt. Er kann sich nicht selbst befruchten. Bei der Vereinigung kuscheln sich zwei Tiere quasi aneinander und tauschen Spermien aus. Es bildet sich an dem deutlich sichtbaren Gürtel in der Körpermitte eine Art Kokon, aus dem nach wenigen Wochen die Jungen schlüpfen.
Quellen
„Der Belchen im Schwarzwald“, Herausgeber: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Institut für Ökologie und Naturschutz, Karlsruhe 1989.
Ministerium für ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden Württemberg, Seitenaufruf vom 01.09.10
