Deutschlands schönste Burgen: Die Wartburg in Eisenach

Blick auf die Vogtei der Wartburg - Lou Avers
Blick auf die Vogtei der Wartburg - Lou Avers
Kaum eine andere Burg war Kulisse so vieler bedeutender Ereignisse deutscher Geschichte wie die Wartburg im thüringischen Eisenach.

Mittelalterliche Minnesänger wie Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide, die Volksheilige Elisabeth von Ungarn, Johann Wolfgang von Goethe oder der Reformator Martin Luther sind nur einige der illustren Persönlichkeiten, die mit der Wartburg in Eisenach verbunden sind. Aufgrund ihrer historischen Bedeutung und ihrer fast 1.000-jährigen Geschichte erhielt die Burg 1999 den UNESCO-Welterbe-Titel.

Kurzportrait der Wartburg in Eisenach

Die Wartburg ist eine der besterhaltenen Burgen des deutschen Mittelalters und eine Zeitzeugin deutsch-deutscher Biografie. Ludwig der Springer des Adelsgeschlechts der Ludowinger gründete die Burg im Jahr 1067. Einer Legende nach soll er beim Anblick des Felsplateaus ausgerufen haben: „Wart Berg, du sollst mir eine Burg werden!“ Der Name leitet sich allerdings von dem Wort Warte (Wachburg) ab. Bis ins 19. Jahrhundert und bis heute wurde die Wartburg immer wieder erweitert, umgebaut und repariert. Die Wartburg ist ein architektonisches Gemisch aus Romanik und Gotik. Das heutige Aussehen geht weitgehend auf Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach zurück. Wie eine Zeitreise durch die deutsche und europäische Geschichte scheint eine geführte Besichtigung der Wartburg. Die mehrsprachigen Burgführer geben einen Einblick in die architektonischen und historischen Details und bringen die Besucher mit so mancher Anekdote zum Lachen. Täglich sind an die 20 Führer mit je 5-6 Gruppen unterwegs. Da kann man sich ausrechnen, dass die Wartburg im Jahr leicht auf eine stattliche Besucherzahl kommt. Die Touristengruppen geben sich sozusagen die Türklinken in die Hand.

Sehenswertes in der Wartburg

Eine Besichtigung der Wartburg beginnt mit dem Palas. Dieser älteste Teil der Burg kann nur im Rahmen einer Führung erkundet werden. Architektonisch gesehen beginnt eine Burg-Tour mit der Romanik. Besonders die romanischen Kapitelle, von denen einige im Original, andere als Kopie zu sehen sind, beeindrucken Kunstinteressierte. Fantasievolle Figuren, Tiere und symbolhafte Mythosgestalten schmücken diese Steinmetzwerke des 12. Jahrhunderts. Eine der Hauptattraktionen ist zweifellos die Elisabethenkemenate. Das einstige Schlafgemach der Landgräfin und später heilig gesprochenen Elisabeth von Ungarn wurde im 20. Jahrhundert über und über mit kleinen Mosaiksteinchen ausgekleidet. Über zwei Millionen bunter Steinchen aus Gold, Glas und Perlmutt zeigen Szenen aus dem Leben der sehr verehrten Volksheiligen, die hier im 13. Jahrhundert wohltätig wirkte. Die kunstvolle Ausstattung des Saales war ein Geschenk Kaiser Wilhelms an Großherzog Carl-Alexander von Sachsen-Weimar. Letzterer prägte die Wartburg weitgehend mit Um- und Anbauten.

Der „Sängerkrieg“ auf der Wartburg

Ein ebenso beeindruckender Saal ist der Sängersaal des Palas. Dort zieht das Wandgemälde des "Sängerkriegs" des spätromanischen Malers Moritz von Schwind die Aufmerksamkeit auf sich. Das Bild zeigt die wichtigsten Minnesänger der Zeit in einem Disput. Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide oder andere "Stars" der mittelalterlichen Kunstwelt gingen unter dem kulturell aktiven Landgraf Herman I. auf der Wartburg ein und aus. Daraus entstand die Sage über den angeblichen "Sängerkrieg" um den Titel des besten Minnesängers. Der legendäre Disput hat zwar nie stattgefunden, doch bekannt wurde er mit Richard Wagner, der das Thema in seinem Tannhäuser aufgriff und weltberühmt machte.

Martin Luther auf der Wartburg

Ein anderer sehr begehrter Anlaufpunkt der Wartburgbesucher und vor allem protestantischer Pilger ist die Lutherstube im neueren Teil der Burg. Reformator Martin Luther lebte und arbeitete hier als Junker Jörg von Mai 1521 bis März 1522. Hier übersetzte er das Neue Testament in nur elf Wochen erstmals ins Hochdeutsche. Die sogenannte Lutherbibel entstand also hier in Rekordzeit. Luther soll hier einer Legende nach mit dem Teufel in Disput geraten sein und nach dessen auf der Wand erscheinendem Antlitz ein Tintenfass geworfen haben. Der berühmte "Tintenfleck" ging in die Geschichte ein und viele Besucher könnten schwören, den Fleck an der Wand gesehen zu haben, obwohl er da nicht (oder nicht mehr?) existiert. Glaube versetzt wohl doch Berge. Weiteres zum Leben des berühmten Theologen können Besucher im angeschlossenen Museum erfahren. Dort sind auch Bilder seiner Eltern und Ehefrau und ihm selbst in unterschiedlichen Lebensabschnitten zu sehen.

Goethe und die Wartburg

Auch Johann Wolfgang von Goethe verweilte mehrfach auf der Wartburg und war angetan von der Landschaft und historischen Bedeutung der Burg. Als Kultusminister setzte er sich für die Gründung eines Wartburg-Museums ein. Er selbst hinterließ Zeichnungen der Burg, die bei Restaurierungsarbeiten hilfreich waren und einen Eindruck der Burg im 18. Jahrhundert geben.

Die Burschenschaften und das Wartburgfest

Noch ein wichtiges Ereignis deutscher Geschichte spielte sich in der Wartburg ab. Im Großen Festsaal fanden sich 1817 fünfhundert Studenten unterschiedlicher Burschenschaften und legten den Grundstein für die erste bürgerlich-demokratische Versammlung in Deutschland. Sie benutzten erstmals Flaggen mit den Farben Schwarz-Rot-Gold, woraus sich später die Deutsche Fahne entwickelte.

Die Wartburg aktuell

Die Wartburg war immer eine Aristokratenresidenz, erst der Ludowinger, dann des Adelsgeschlechts Sachsen-Weimar. Kurz nach Ausrufung der Republik 1918 wurde die Wartburg-Stiftung gegründet, die bis heute für alle Belange rund um die Burg verantwortlich zeichnet.

Seit 1999 ist die Burg Teil des Unesco-Weltkulturerbes.

Quelle:

Wartburg-Stiftung

Silvia E. Baumann, Lou Avers

Silvia Baumann - Herzlich Willkommen auf meiner Profil-Seite! Seit 18 Jahren nimmt mich meine Leidenschaft - das Reisen - voll und ganz in Anspruch. Als ...

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