Der Sozialdemokrat Harald Christ hat sich des Themas Bildung in Deutschland angenommen. Mit seinem im Herbst 2011 im Ambition Verlag Berlin erschienen Buch „Deutschlands ungenutzte Ressourcen“ setzt er sich intensiv mit dem Thema auseinander.

Die Thesen von Harald Christ

Der Autor stellt an den Anfang die Hypothese, das Deutschland im internationalen Wettbewerb nur bestehen kann, wenn es gelingt, die Menschen in Deutschland Land besser zu qualifizieren und ihnen neue Aufstiegsmöglichkeiten zu eröffnen. Weiter postuliert er, das die Schulen in Deutschland zu viele Bildungsverlierer verlassen.

In seinem Buch „Deutschlands ungenutzte Ressourcen“ fordert der auch als „sozialdemokratische Vordenker“ bezeichnete Politiker die deutsche Politik auf, endlich entschlossen gegenzusteuern. Und zwar durch eine breit angelegte Zuwanderungspolitik und durch eine Bildungsoffensive. „Wir brauchen einen nationalen Pakt für Exzellenz in der Bildung. Dies bedeutet ein Ende der föderalen Kleinstaaterei im Bildungssektor. Die Bundesländer sind überfordert und der Bund muss die Richtlinien der Bildungspolitik bestimmen. Nur so kann Deutschland seine ungenutzten Ressourcen ausschöpfen“, so Harald Christ selbst.

Er spricht deutlich aus, was noch immer viele Akteure der Politik lieber verdrängen würden. Die sich abzeichnende demografische Entwicklung wird schon bald zu einem dramatischen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in Deutschland führen. Zukunftsfähig kann Deutschland nur sein, wenn es reale Chancen für sozialen Aufstieg gibt.

Harald Christ macht deutlich, dass es nach seiner Überzeugung für Deutschlands Bildungspolitik 5 nach 12 ist. Doch er bleibt nicht bei der Analyse stehen. Denn er zeigt auch konkrete Wege auf, wie eine langfristig orientierte Wirtschaftspolitik Deutschland zukunftsfähig macht. So empfiehlt er eine breit angelegte Einwanderung von Fachkräften oder die Erhöhung der Wochenarbeitszeit. Eine Empfehlungen, die für Gewerkschaften eher nicht akzeptabel sind. Doch angesichts der aktuellen Lage plädiert der Autor für einen Verzicht auf Denkverbote. Denn nach seiner Überzeugung stehen unser Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf dem Spiel. Und das unterstreicht er mit der Aussage, das „wer unter diesen Bedingungen noch immer meint, eine Bildungsoffensive wäre nicht notwendig, handelt nicht nur gegen das Gemeinwohl, sondern letztlich auch gegen sein eigenes Interesse.“

Das Ergebnis

In der Bildungspolitik Deutschlands fechten konservative und eher fortschrittlich genannte Politiker einen kaum lösbaren Konflikt aus. Traditionelle Bildungsinhalte stehen gegen beruflich nutzbare Qualifikation. Dazu ist die Bildungspolitik das letzte uneingeschränkte Feld der Bundesländer. Die den Föderalismus mit ihrer Bildungspolitik leben lassen.

Harald Christ hat umfassend die Schwächen dieses Bildungssystems aufgezeigt. Und Lösungen präsentiert, die vielen Landes- wie Bildungspolitkern nicht wirklich schmecken. Von daher ein lesenswerter Beitrag zu einer der zentralen Problemfelder der Zukunft Deutschlands.

Zum Autor

Harald Christ, Jahrgang 1972, ist ein deutscher Geschäftsmann. Zur Bundestagswahl 2009 war er im Schattenkabinett des Kanzlerkandidaten Frank Walter Steinmeier als zukünftiger Bundeswirtschaftsminister vorgesehen. Der gelernte Industriekaufmann leitet sein eigenes Unternehmen, die Conomus Treuhand AG. 2010 wurde er zum Schatzmeister des Landesverbandes Berlin der SPD gewählt.

Das Buch

Harald Christ: Deutschlands ungenutzte Ressourcen. Aufstieg, Bildung und Chancen für alle. Mit einem Grußwort von Helmut Schmidt. Hardcover, 248 Seiten, Ambition Verlag Berlin 2011, ISBN 978-3-942821-07-0, 24,99 Euro in Deutschland