Deutschsprachige Krimis: Neue Fälle für Privat-Ermittler

Denglers sechster Fall - Kiepenheuer & Witsch
Denglers sechster Fall - Kiepenheuer & Witsch
Die Bücher aus den Herbstprogrammen der Verlage erobern den Buchhandel, darunter auch zahlreiche Krimis und nicht immer sind die Ermittler Polizisten.

Die Bücher aus dem Herbstprogramm erobern die Buchhandlungen, und natürlich werden auch wieder zahlreiche Krimis dabei sein, damit die Krimifreunde auch in den trüben Tagen genügend Lesefutter haben. Viele Kommissarinnen und Kommissare werden ihrer Arbeit nachgehen, aber auch Georg Dengler, der Private Ermittler aus Stuttgart wird wieder einen brisanten Fall recherchieren. Außerdem kehrt ein alter Bekannter zurück: Hans Berndorf, der seit längerem pensionierte Kommissar, der einst in Ulm ermittelte, wird nun in Berlin tätig – ebenfalls als Privater Ermittler und das, wo doch laut Dengler-Erfinder Wolfgang Schorlau die Deutschen Leser lieber richtige Kommissare mögen.

Ex-BKA-Mann Georg Dengler

Wolfgang Schorlau, der Erfinder des Privat-Ermittlers Georg Dengler, berichtete einmal in der SWR1-Sendung „Leute“, wie ihm mitten in der Arbeit an seinem ersten Dengler-Krimi ein Schriftstellerkollege sagte, ein Krimi mit einem Privatdetektiv werde in Deutschland nicht gelesen. Das verwundert zunächst, denn nicht nur Hercule Poirot oder Sherlock Holmes erfreuen sich auch hierzulande großer Beliebtheit. Freilich ermitteln diese Herren Detektive ja nicht in Deutschland, denn, so Schorlau weiter: Hierzulande müssten Fälle von richtigen Polizisten gelöst werden, wie das die Bürger in einem obrigkeitshörigen Land eben erwarteten. Nun hatte Schorlau aber schon erhebliche Arbeit geleistet und überlegte, wie sein Dengler zu retten sei und so nannte er ihn nicht Privatdetektiv sondern Privater Ermittler, weil das vornehmer klingt und gab ihm eine Vergangenheit als Polizist mit.

Letzteres sollte sich bald auch insofern als Vorteil erweisen, als Dengler, einst Hauptkommissar beim BKA und, nachdem er dort den Dienst quittiert hat, nun Privater Ermittler in Stuttgart, alte Kontakte nutzen kann, was er bereits in seinem 2005 erschienenen ersten Fall „Die Blaue Liste“, tut. Den Plot konstruiert Schorlau aus drei realen Vorfällen, nämlich der Ermordung des Treuhandchefs Detlef Karsten Rohwedder, dem Absturz der Lauda Air über Thailand und der Erschießung des RAF-Mitglieds Wolfgang Grams auf dem Bahnhof von Bad Kleinen.

Alles beginnt damit, dass sich ein junger Mann bei Dengler meldet und bittet ihn nachzuforschen, ob der Vater seiner Freundin Christiane beim Absturz der Lauda Air ums Leben kam. Der junge Mann scheint überzeugt davon zu sein, er möchte eigentlich nur, dass der Detektiv ein wenig forscht und dann einen Bericht schreibt, der seine Freundin beruhigt. So wie es aussieht, ist der erste Fall des frischgebackenen Privatdetektivs also recht unkompliziert, doch es sieht nur so aus, denn der Vermisste Paul Stein hat bei der Treuhand gearbeitet und war Verfasser der Blauen Liste, die im Zuge der Wiedervereinigung einen Erhalt der Selbstständigkeit ostdeutscher Unternehmen vorsah.

Der Erfolg des Georg Dengler

Im Rahmen der Ermittlungen recherchiert Dengler an der Cote d’Azur und in der Toskana und gerät dabei in Lebensgefahr. Doch Ermittler, die das Zeug zur Serienfigur haben sterben nicht so schnell, wobei die Sache mit der Serienfigur so sicher dann doch nicht war. Der Kiepenheuer & Witsch Verlag hatte die Geschichte Georg Denglers, der seine Stuttgarter Wohnung über dem italienischen Lokal „Basta“ hat, wo er auch seine spätere Freundin Olga kennenlernte, als Hardcover aufgelegt, die gebundenen Bücher lagen dann jedoch, so der Autor „wie Blei in den Regalen“. Der Erfolg kam erst mit der Taschenbuchausgabe, so ermittelt Dengler seither im Taschenbuchformat und das in seinem mittlerweile sechsten Fall. In „Die letzte Flucht“ lässt Schorlau, inzwischen krimipreisgekrönt, Dengler in Berlin den Machenschaften der Pharmaindustrie nachspüren.

Wolfgang Schorlau: Die letzte Flucht, Kiepenheuer & Witsch, 368 Seiten, 8,99 Euro. Erscheint am 15. September 2011.

Hans Berndorf kehrt zurück

Was Hans Berndorf, der im November aus dem Ruhestand zurückkehren wird, von Georg Dengler unterscheidet ist, dass er in den früheren Büchern von Ulrich Ritzel tatsächlich als Kommissar ermittelte, erst jetzt, mittlerweile pensioniert, recherchiert Berndorf in „Schlangenkopf“ erstmals als Privater Ermittler in Berlin. Neu ist nicht nur der Job, sondern auch der Ort, denn als Hans Berndorf 1999 mit Ritzels erstem Kriminalroman „Der Schatten des Schwans“ die Bühne der Kriminaler betrat, war er Kommissar in Ulm und mag Ulm auch Provinz sein, so handelte es sich doch bei Ritzels Erstling um alles andere als einen betulichen Regionalkrimi.

Das Buch beginnt mit einer Szene Ende April 1945, als der NS-Mediziner Hendrik Hendriksen seinen Chauffeur erschießt, der Grund dafür ist nicht klar, er erschließt sich erst gegen Ende des Buches. Nach dieser kurzen Eingangsszene setzt die Handlung im Januar 1998 ein, als in einem Steinbruch bei Ulm die Leiche eines arbeitslosen Mannes aus Görlitz, der mit Psychopharmaka vollgepumpt war, gefunden wird. Zur gleichen Zeit bricht ein zu lebenslanger Haft Verurteilter auf spektakuläre Weise aus dem Gefängnis aus, um sich an jenen zu rächen, die ihn dort hinein gebracht haben. Kommissar Berndorf und seine junge Assistentin Tamar Wegenast ermitteln in beiden Fällen und nach und nach ergeben diese und die Szene vom Anfang ein Ganzes. Der Fall wird gelöst und Hans Berndorf, der Kommissar der Montaigne und Lichtenberg liebt, ermittelt weiter, bis er schließlich in den Ruhestand geht und endlich zu seiner Geliebten, der Literaturprofessorin Barbara, ziehen kann.

In den darauf folgenden Krimis lässt der inzwischen ebenfalls krimipreisgekrönte Ritzel Tamar Wegenast und ihren Kollegen Markus Kuttler auf Mördersuche gehen, Berndorf aber kommt nur noch sporadisch zum Einsatz, etwa als Ratgeber oder stiller Helfer im Hintergrund. Nun kehrt er jedoch als Privat-Ermittler in Berlin zurück. Es geht, soviel verrät der btb Verlag schon, um lukrative Geschäfte im Zusammenhang mit dem zurückliegenden jugoslawischen Bürgerkrieg.

Ulrich Ritzel: Schlangenkopf, btb, 448 Seiten, 19,99 Euro. Erscheint am 9. November 2011.

Da Berndorf eine bei den Ritzel-Fans bereits etablierte und beliebte Figur ist, werden sie wohl auch den neuen Ritzel erstehen, egal in welcher Funktion der Pensionär nun tätig ist. Ohnehin ist Hans Berndorf nicht alleine als Privat-Ermittler, der in den vorherigen Büchern ein Kommissars-Dasein führte. Auch Friedrich Anis Kommissar Tabor Süden quittierte im eigentlich letzten Süden-Band vor einigen Jahren den Dienst, dieses Frühjahr kehrte er zurück und arbeitet nun in „Süden“ ebenfalls als Privater Ermittler.

Angela Fehr - Geboren und aufgewachsen im "Ländle", zog ich später nach München, wo ich eine schöne Zeit verbrachte und an der LMU ...

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