Dexter, die Sopranos und The Shield

Antihelden als Serienstars

Icon des Autoren - Illustration: Friederike Rave
Icon des Autoren - Illustration: Friederike Rave
Immer mehr Antihelden stehen im Mittelpunkt von Dramaserien amerikanischer Kabelsender und erfreuen sich dabei einer großen Beliebtheit bei Publikum und Kritikern

Seit kurzem läuft mit Dexter eine der kontroversesten US-Serien der letzten Zeit auch in Deutschland im Free-TV. Der Titelheld der Serie, die auf den Büchern von Jeff Lindsay basiert, arbeitet tagsüber als Forensiker bei der Polizei von Miami. Nachts ist er als Serienkiller unterwegs, um Jagd auf die Verbrecher zu machen, die dem Gesetz entkommen sind.

Dexter ist die bis jetzt radikalste Version eines Antihelden, der im Mittelpunkt einer amerikanischen Fernsehserie steht.

The Sopranos: Mafiaboss Tony Soprano ist der erste Serien-Antiheld

Tony Soprano aus der HBO-Serie "Die Sopranos" machte den Anfang. Einerseits ist er ein eiskalter Mafiakiller, der skrupellos mordet. Anderseits sieht der Zuschauer ihn auch als liebenden Familienvater und Ehemann. In fast jeder Episode werden diese beiden gegensätzlichen Seiten von Tony Soprano gezeigt, wodurch eine Identifikation mit ihm seitens des Zuschauers immer wieder gebrochen wird.

The Shield: Vic Mackey ist ein Polizist mit ungewöhnlichen Methoden

2002 trat Vic Mackey, Mittelpunkt der Serie "The Shield", der Anführer einer Polizeielitetruppe in Los Angeles ist, in Erscheinung. Vic ein Polizist mit unkonventionellen Methoden. So fälscht er Beweise, um einen Verbrecher zu verhaften. Als sein Vorgesetzter ihn einen Maulwurf ins Team schleust, bringt er diesen um und tarnt den Mord später als Arbeitsunfall. Doch dann gibt es auch bei Vic eine ganz andere Seite: Die des fürsorglichen Familienvaters, der sich aufopfernd um seinen verhaltensauffälligen Sohn kümmert.

Dexter: Hauptfigur ist Forensiker und Serienkiller zugleich

Dexter ist zweifelsohne ein pathologischer Triebtäter, dessen Drang zu Töten von seinem Stiefvater erfolgreich in die richtigen Bahnen gelenkt wurde. Mittels eines voice-overs erhält der Zuschauer einen unmittelbaren Einblick in Dexters Gefühlswelt. Wir erleben mit, dass er alle sozialen Rollen nur spielt, weil er innerlich vollkommen leer ist. Seiner Schwester Deb gegenüber gibt er den fürsorglichen Bruder, der ihr immer wieder aus Schwierigkeiten hilft und stückweise ihr Selbstbewusstsein als Polizistin aufbaut.

Durchdachtes Casting sichert das Interesse der Zuschauer an den Antihelden

Für Antihelden gilt letztendlich das gleiche wie für normale Serienhelden, der Zuschauer muss ein dauerhaftes Interesse für sie aufbringen. Dieses Kunststück gelingt, weil in alle genannten Serien das Casting der drei Antihelden mit besonderer Sorgfalt betrieben wurde.

Der Zuschauer sieht in James Gandolfini aufgrund seiner bulligen Erscheinung sowohl den brutalen Killer, als auch den gestressten Ehemann und Vater, mit dem wir richtig Mitleid bekommen, wenn seine Familie ihn mal wieder gehörig auf die Nerven geht.

Michael C. Hall ist den Serienfans noch als Biedermann David Fisher aus dem Bestatterdrama Six Feet Under in Erinnerung. Dieser war ein Meister, seine Gefühle vor der Umwelt verborgen zu halten. Das Rollenimage des angepassten Normalos perfektioniert der Schauspieler in seiner Serienrolle als Dexter, bei dem, im Unterschied zu David, jedoch jede soziale Geste einstudiert und gespielt ist.

Sender HBO, FX und Showtime garantieren künstlerische Freiheit

Schaut man sich genauer die Herkunftssender dieser drei Dramaserien an, in diesem Falle HBO, FX und Showtime, fällt schnell ins Auge, dass diese alle Bezahlsender sind, die ausschließlich mit dem Geld ihren Abonnementen finanziert werden. Sie sind deshalb nicht von den Diktaten der Werbeindustrie hinsichtlich des Inhalts abhängig und müssen sich in der Darstellung von Sex und Gewalt sich nicht einschränken. Es ist solch ein Klima von unbegrenzter künstlerischer Freiheit, welche die Geburt solcher Antihelden erst möglich gemacht hat.

Reaktionen des Publikums auf The Sopranos, The Shield und Dexter

Überraschenderweise erfreuen sich alle Serien großer Beliebtheit, was zum einem deren lange Laufzeit beweist. The Sopranos und The Shield bringen es beide auf sieben Staffeln, von Dexter gibt es vier.

Die Kritiker zeigten sich begeistert. Zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen bei den wichtigsten amerikanischen Fernsehpreisen, dem Golden Globe und Emmy, sind ein Beweis für deren Qualität.

Harald von Treuenfels, Fotograf: Horst Werner

Harald von Treuenfels - Mitte der 1990er Jahre entdeckte ich meine Leidenschaft zum Film, die mit einem wöchentlichen Besuch im Kino kultiviert wurde. Damals ...

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