DGzRS: Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

DGzRS-Boot NEUHARLINGERSIEL 2011 - Thies Völker
DGzRS-Boot NEUHARLINGERSIEL 2011 - Thies Völker
Die nichtstaatliche DGzRS praktiziert seit seit über 125 Jahren maritime Solidarität in ihrer unmittelbarsten Art und Weise.

Zu den Aufgaben eines modernen Küstenstaates gehört neben der Erfüllung der Pflichten auf Gebieten des Küstenschutzes, der Fischereiaufsicht, der maritimen Landesverteidigung und der polizeilichen Gefahrenabwehr und Strafverfolgung auch der Schutz von Leib und Leben in Seenot geratener Personen.

SAR: Search and Rescue

Diese Verpflichtung wurde 1979 durch den Abschluss des internationalen Abkommens über den See- und Rettungsdienst auf See, das entsprechende Konventionen für Notfälle in der Zivilluftfahrt ergänzt hat, unterstrichen. Wie die anderen Vertragspartnerstaaten auch, hat sich Deutschland verpflichtet, wie bei Luftnotfällen auch bei Unfällen auf See entsprechende Rettungsdienste zu stellen. Ursprünglich federführend für diesen weltweit mit dem Kürzel „SAR“ für „Search and Rescue“ gekennzeichneten Aufgabenbereich ist das Bundesverkehrsministerium, das diese Verantwortlichkeit vor allem an das Verteidigungsministerium beziehungsweise an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) delegiert hat. Daneben können auch Dienststellen der Polizei oder des Katastrophenschutz bei SAR-Fällen zum Einsatz herangezogen werden. Werden die SAR-Dienste im Luftfahrtbereich vornehmlich von den SAR-Hubschrauberstaffeln der Bundeswehr abgedeckt, ist für die Seenotrettung die nichtstaatliche DGzRS zuständig.

Gründung vor über 150 Jahren

In Seenot geratene Seeleute konnten bis Mitte des 19. Jahrhunderts oft kaum mehr erhoffen als mit eigener Kraft oder mit Hilfe barmherziger Seefahrer oder Strandläufer gerettet zu werden. Nicht selten konnten zum Havarie-Ort an die Strände herbeieilende Seeanrainer die größere Gefahr für Leib und Leben der Schiffbrüchigen werden. Sich auf tatsächliche und angebliche Traditionen gewohnheitsrechtlichen Strandraubs berufene Küstenbewohner brachten fallweise sogar die Opfer von Schiffbruch und Sturm kurzerhand um, um ungestört angelandetes Schiffsgut bergen zu können.

Auf der anderen Seite gab es aber, und das im wohl viel häufigeren Fall, ständig Bemühungen, Schiffbrüchige sogar unter Einsatz des eigenen Lebens zu retten. Wie auch in Großbritannien und anderen Ländern fanden sich vereinzelt an den deutschen Küsten Initiativen zusammen, um örtlich, so wie auf Langeoog 1861, einen Seenotrettungsdienst zu organisieren. Auf Betreiben des Nautikers Alfred Bermpohl und anderer engagierter Männer, die von den zahlreichen Schiffskatastrophen an den deutschen Küsten erschüttert waren, wurde dem Projekt eines alle deutschen Seenotrettungskräfte bündelnden Rettungswerks 1865 durch die Konstituierung der DGzRS konkrete Form gegeben.

Fünf Jahre vor der Gründung des Deutschen Reiches kam es damit auf diesen Gebiet zu einem die unabhängigen Küstenstaaten Preußen, Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz, Bremen, Oldenburg, Lübeck und Hamburg umfassenden Verein. Sitz der DGzRS ist seit 1865 Bremen.

Stationen einer Erfolgsgeschichte

Zunächst mit von Pferden in Wasser gezogenen offenen Rettungsbooten ausgerüstet, wurden die freiwilligen DGzRS-Männer, die in der Regel der seemännischen Berufssphäre zugerechnet werden konnten, wegen ihrer uneigennützigen Tätigkeit bekannt an den Küsten. Seit etwa 1920 stechen die DGzRS mit gedeckten Diesel-Motorbooten in See. Der Typ des heute in Form und Funktion gängigen, praktisch unsinkbaren Seenotkreuzer setzte sich seit Ende der 1950er Jahre durch und wird seitdem ständig verbessert. Zehntausende von Leben sind dabei inzwischen gerettet worden, hunderte Vormänner (Bootsführer) und Rettungsmänner fanden bei den Einsätzen den Tod.

Finanziell betont unabhängig

Das große Renommee der Lebensretter führte zu einem steten Spendenzufluss, der es der DGzRS, einem rechtsfähiger Verein kraft staatlicher Verleihung, bis heute fast durchgängig erlaubt hat, unabhängig von staatlichen Zuweisungen zu agieren. Lediglich in den 1950er Jahren finanzierte die lebensrettende Gesellschaft einen Teil ihres Budgets aus Staatsgeldern. Ihr Verzicht auf weitere öffentliche Mittel ab 1957 war typisch für eine bereits damals altmodisch-uneigennützig wirkende Einstellung, aus eigener Kraft und auf eigene Weise für die Gemeinschaft einstehen zu können.

Etwa eine Million Euro werden jedes Jahr durch die etwa 20.000, nicht nur an der Küste, sondern auch in Thüringen oder auf der Zugspitze in Gaststätten, Theatern und Kirchen aufgestellten charakteristischen DGzRS-Spendenschiffchen eingenommen. Auch die übrigen Mittel für die etwa 200 festangestellten Angestellten, 800 Freiwilligen auf See und weiteren 500 Ehrenamtlichen werden durch private Fördergelder und Beiträge der Schifffahrt aufgebracht. 3 Prozent des Jahreseinnahmen fließen der DGzRS durch Bußgeldzahlungen zu.

Seenotleitung und Flotte

Zur Zeit fahren 61 moderne Seenotkreuzer und -Boote von etwa 50 Standorten an Nord- und Ostsee aus unter der Kreuz-Flagge des DGzRS. Neben der größten Einheit, dem 46 Meter langen, mit dem Tochterboot VERENA ausgerüsteten Seenotkreuzer HERMANN MARWEDE mit 15 Mann Besatzung zählen zur Flotte auch etwa 10 Meter lange Boote wie die NEUHARLINGERSIEL oder das in Norddeich stationierte 8,5- Meter-Boot CASSEN KNIGGE. .Zentral gesteuert gesteuert werden die Operationen der DGzRS von der Seenotleitung (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre) Bremen.

Quellen :

  • Wilhelm Esmann, Die Rettungsboote der DGzRS von 1865-2009, Bremen 2009
  • Christian Ostersehlte, Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Bremerhaven 1990
Thies Völker, Thies Völker

Thies Völker - Studium Jura, Geschichte, Volkskunde und Ethnologie, Text- und Archivberater, Schwerpunkte: Biographierecherche, Familienchroniken, ...

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