Der Alltag eines diabetischen Kindes stellt alle Beteiligten vor besondere Anforderungen. Je mehr Personen das Kind über den Tagesverlauf betreuen, desto schwieriger gestaltet sich oft dessen Umsetzung.
Das diabetische Kind im Kindergarten
Jedes Kind in Deutschland hat Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Wer jedoch ein dreijähriges Kind mit Diabetes mellitus im Kindergarten anmelden will, stößt möglicherweise auf Ablehnung. Mit Verweis auf die fehlenden Fachkräfte kann es tatsächlich passieren, dass der Kindergarten mit einem negativen Bescheid durchkommt. Versuchen Sie in einem solchen Fall nicht, die Aufnahme Ihres Kindes zu erzwingen, sondern führen Sie aufklärende Gespräche mit dem Personal.
- Aufklärungsarbeit und Schulungen an Kindergärten
Ist der Ablehnungsgrund fehlendes Fachwissen, sollten die Betreuer aufgeklärt werden, dass sie kostenlose Schulungen in Anspruch nehmen können. Mitunter schicken sogar die Kinderkliniken Diabetes-Berater in die Betreuungsstätten, die vor Ort Schulungen abhalten. Hier wird nicht nur notwendiges Wissen vermittelt, die Mitarbeiter des Kindergartens erlangen eine zusätzliche Qualifikation, welche im Lebenslauf bei späteren Bewerbungen ein großes Plus darstellt.
Es gibt mittlerweile auch Schulungen für Kindergartenkinder. In dem Fall kommt eine geschulte Kraft in den Kindergarten und erklärt den Kleinen altersgerecht, was es mit dem Kind auf sich hat, dass sich da mehrmals täglich selbst in den Finger piekst und Spritzen bekommt. Unterschätzen Sie nicht das Verständnis von Kleinkindern. Sensibilisierte Kinder entwickeln ein gutes Gespür für Unterzuckerungen und lernen sehr schnell was im Notfall zu tun ist. Eine solche Schulung ist von großem pädagogischen Wert, da sie kleine Kinder lehrt, dass sie selbst in Notsituationen nicht hilflos sind, sondern dazu beitragen können, dass es dem anderen Kind bald wieder gut geht.
- Anmeldung im integrativen Kindergarten
Unkompliziert klappt die Anmeldung in integrativen Kindergärten. Nicht selten gibt es hier bereits geschulte Fachkräfte. In jedem Fall hat man es mit besonders interessierten Erzieherinnen zu tun, die keine Berührungsängste mit Kindern haben, deren Betreuung etwas anspruchsvoller ist.
- Erreichbarkeit und Einbindung der Eltern
Trotzdem sollten Sie immer erreichbar sein. Gerade in der ersten Zeit kann es zu häufigen Rückfragen kommen. Außerdem sollten dem Kindergarten die Telefonnummer des betreuenden Arztes und des zuständigen Diabetes-Beraters ausgehändigt werden.
Gehen Sie davon aus, dass man sie dringend bitten wird, bei Ausflügen anwesend zu sein. Auch kann es Ihnen passieren, dass man Ihnen bei krankheitsbedingtem Ausfall der Betreuer mitteilen wird, dass die kompetente Betreuung Ihres Kindes vorübergehend nicht gewährleistet ist. In dem Fall werden Sie möglicherweise mit dem Kind an der Hand wieder nach Hause fahren müssen.
Das diabetische Kind in der Grundschule
Sprechen Sie schon bei der Anmeldung die gesundheitliche Einschränkung Ihres Kindes an. Mit sechs Jahren ist ein Kind kaum in der Lage seinen Insulinbedarf individuell zu berechnen. Sind die Lehrer nicht bereit, sich entsprechend weiterzubilden, beispielsweise durch die kostenlosen Schulungen der Kliniken, besteht die Möglichkeit, einen Pflegedienst zu beauftragen. Die Kosten des Pflegedienstes übernimmt die Krankenkasse. Voraussetzung ist, dass die Eltern berufsbedingt keine Möglichkeit haben, die Aufgabe zu übernehmen. Dazu muss der behandelnde Arzt eine Verordnung ausfüllen. Aus dieser geht hervor, in welchen Pausen die Blutzuckermessung überwacht und die notwendige Insulinmenge mit dem Kind zusammen berechnet werden müssen.
- Schulausflüge
Schulausflüge können es notwendig machen, dass ein Elternteil oder eine geschulte Vertrauensperson teilnimmt, da die bedarfsgerechte Aufsicht sonst nicht gewährleistet ist. Das gilt besonders für mehrtägige Klassenfahrten, wenn das Kind bis dahin noch nicht in der Lage ist, seinen Diabetes auch unter besonderer Ablenkung zu versorgen.
- Schwimmunterricht
Als kompliziert erweist sich im Alltag auch der Schwimmunterricht. Beim Schwimmen unterzuckern diabetische Kinder schnell, ohne es zu bemerken. Dann besteht die Gefahr, dass sie unter Wasser geraten und dabei normal weiteratmen. Über den Umgang mit diesem Gefahren-Faktor herrscht geteilte Meinung. Einige Ärzte raten generell von der Teilnahme am Schwimmunterricht ab. Andere empfehlen zwar die Teilnahme, aber unter gesicherten Bedingungen, wie einer zusätzlichen Aufsichtsperson. Unstrittig ist, dass das Kind schwimmen lernen sollte. Manche Schwimmkurs-Veranstalter lehnen Diabetiker aus Sicherheitsgründen ab. Dem können Sie ausweichen, indem Sie anbieten dabei zu bleiben. Beim DLRG finden Sie bestimmt einen Platz in einem Schwimmkurs. Je sicherer Ihr Kind schwimmt, desto mehr wird es über seine körperlichen Grenzen erfahren. Trotzdem ist das Risiko beim Schwimmen ungleich höher als bei Nicht-Diabetikern.
Schwerbehindertenstatus bei diabetischen Kindern
Sie haben die Möglichkeit, für Ihr Kind beim zuständigen Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Als Grad der Behinderung wird 50 eingetragen. Mit diesem Ausweis bekommen Sie vielerorts günstigen Eintritt. Schwimmbäder kann der begleitende Erwachsene oft kostenlos betreten. Größere Kinder sollten mit einem Antrag auf einen solchen Ausweis einverstanden sein.
Treffen mit Freunden
Es gibt gesunde Kinder, die sich schnell auf einen diabetischen Freund einstellen können und Kinder, die das nicht können. Versuchen Sie herauszufinden, welche Freunde Ihres Kindes besonders zuverlässig und einfühlsam sind. Fragen Sie deren Eltern, ob sie mit einer Kinderschulung einverstanden sind. Solche Schulungen finden in altersangepasster Atmosphäre in der Klinik statt. Informierte Freunde bedeuten für die erkrankten Kinder ein Stück mehr Lebensqualität.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
