Interkulturalität ist schon lange ein Gesprächsthema, das von verschiedenen Seiten intensiv beleuchtet wurde. Interreligiösität darf damit aber nicht verwechselt werden. Beide Begriffe gilt es zu trennen und klar herauszuarbeiten.
Spannungsfeld des Miteinander
Zu diesem Spannungsfeld ist nun im Rahmen der „Studien zum interregligiösen Dialog“ im Waxmann Verlag (Münster / Ne York / München / Berlin) eine wirklich vorbildliche Arbeit erschienen, welche sich durch wissenschaftliche Präzision und gute Verständlichkeit gleichermaßen auszeichnet. Hinzu kommt, dass in dieser Kongress-Dokumentation deutlich zeigt, wie es ist, wenn man nicht übereinander, sondern miteinander redet. Dokumentiert ist der Ende 2009 in Köln durchgeführte Kongress zu interkulturellen und interkulturellen Fragen des Dialogs zwischen Muslimen und Christen, zu dem der Diözesan-Caritasverband, das Bildungswerk der Erzdiözese Köln und die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen gemeinsam eingeladen hatten.
Offen sein und sich selbst treu bleiben
Hier haben sich hochkarätige Theologen und Religionswissenschaftler, fest in ihren Glauben eingebunden und zugleich von wissenschaftlicher Konstruktivität und religiöser Toleranz im besten Sinne getragen, gemeinsam den Fragen gestellt, welche ein fruchtbringendes Miteinander der Religionen betreffen. Dieses Miteinander soll aber zugleich keinen der Partner dazu zwingen, ihm selbst wesentliche Positionen in Frage zu stellen, verlangt von ihm aber die sowohl wissenschaftliche, als auch religiöse Bereitschaft, den Standorten anderer offen zu begegnen.
Herausforderungen gemeinsam angehen
Die Herausforderungen der Seelsorge, welche sich dabei stellen, werden genauso gesehen und kritisch beleuchtet, wie das Problem des islamischen Religionsunterrichts in den öffentlichen Schulen. Kann uns dabei der österreichische Weg weiterhelfen? Ist das Modell der „Islamkunde“ , zumindest als Durchgangsweg zu einem bekenntnisgetragenen Islamunterricht an den öffentlichen Schulen der richtige Weg? Aus der Sicht des Autors dieser Besprechung ist jeder gemeinsame Weg, einen bekenntnisgetragenen, islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen anzustreben, nur zu unterstützen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Religion und Menschenbild des Grundgesetzes im Einklang dargestellt werden. Wer an öffentlichen Schulen unterrichtet, hat, gleich welcher Religion, die Vorgaben der Verfassung zu achten.
Begegnungen statt Einbahnstraße
Interreligiosität ist keine Einbahnstraße. Alle Seiten müssen offen auf einander zugehen. Das Buch hilft uns, den Weg von Respekt und Offenheit finden. Wir müssen noch mehr offen über einander, vor allem aber: Direkt von einander erfahren. Und dieses Erfahren darf sich nicht auf bloße Wissensvermittlung beschränken, sondern muss auch die Bereitschaft der emotionalen Offenheit beinhalten. Die ganze Bandbreite des Themas, vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung, vom Dialog zwischen christlichen und muslimischen Jugendlichen über den nicht zu unterschätzenden Beitrag gerade der Frauen für den interreligiösen Dialog bis hin zum Beitrag, den islamisch-mystische Ordensgemeinschaften leisten können.
Umfassend für Einsteiger ins Thema
Für den Einsteiger in das Thema ist dieses Buch nur rundweg zu empfehlen, weil es von ausgewiesenen und hoch motivierten Fachleuten verständlich und nachvollziehbar geschrieben ist. Dafür bürgen schon die beiden Herausgeber: Josef Freise (Prof. Dr. päd. Dipl. Theol., Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen) und Mouhanad Khorchide (Prof. Dr., islamischer Theologe und Religionspädagoge, Westfälische Wilhelms-Universität Münster). Der Genaue Titel des Buches „Interreligiosität und Interkulturalität – Herausforderungen für Bildung, Seelsorge und Arbeit im christlich-muslimischen Kontext“, ISBN 978-8309-2422-7. Ladenpreis: 19,80 Euro. Eine Investition, welche sich lohnt.
