Die Werbung erschlägt uns mit gewagten Wortkonstruktionen, unsere Geschäftspartner wollen sich besonders elitär ausdrücken und greifen regelmäßig daneben, der Radiosprecher informiert uns im Jugendjargon. Selbst in Zeitungen liest man zuweilen schlechtes Deutsch. Im Folgenden werden 10 häufige Grammatikfehler angeführt, die Sie vermeiden sollten.

Der Unterschied zwischen „scheinbar“ und „anscheinend“

Die Verwendung von „scheinbar“ zeigt an, dass ein Sachverhalt nur dem Anschein nach so ist, es sich in Wahrheit aber anders verhält. „Anscheinend“ hingegen besagt, dass ein Sachverhalt genau so ist, wie er erscheint.

Beispiel: Ich sage „Sie hat das Geld anscheinend gezahlt“, wenn auf meinem Kontoauszug der Eingang verzeichnet ist. Sage ich „Sie hat das Geld scheinbar bezahlt“, bringe ich damit zum Ausdruck, dass ich noch kein Geld erhalten habe und dieser Aussage nicht glaube.

Das Verb „erinnern“ ist reflexiv

Die Formulierung „Ich erinnere das“ gibt es nur umgangssprachlich. Das Verb erinnern ist nämlich reflexiv und lautet folglich „sich erinnern“. Korrekt heißt es also „Ich erinnere mich daran/an ...“

Nicht alle Farbadjektive werden gebeugt

Laut Duden werden eine Reihe von Farbadjektiven nicht gebeugt, also in ihrer grammatikalischen Form verändert. Sie sind meistens von Hauptwörtern abgeleitet: rosa von Rose, orange von Orange und so weiter. Es gibt nicht die rosane Bettwäsche, die lilane Blume oder die türkisene Kaffeetasse. Korrekt heißt es: rosa Bettwäsche, lila Blume und türkis (sic!) Kaffeetasse. Besonders im letzten Fall bietet sich die Endung -farbig oder -farben an, also: türkisfarbige oder türkisfarbene Kaffeetasse.

„Brauchen“ wird mit „zu“ gebraucht

Sicher erinnern Sie sich noch an der Lernvers „Wer brauchen ohne 'zu' gebraucht, braucht brauchen nicht zu brauchen“? Er gerät heutzutage mehr und mehr in Vergessenheit. „Du brauchst nicht kommen“, sagt man heute lapidar. Richtig heißt es jedoch: „Du brauchst nicht zu kommen.“

Als und wie

Der Vergleichspartikel „wie“ wird bei einer Gleichheit verwendet, bei Ungleichheit benutzt man „als“. „Du bist schöner als alle anderen Frauen“, sagt der Mann zu seiner Angebeteten, oder: „Keine hat so schöne Augen wie du.“

Der falsche Imperativ

Immer häufiger werden auch Befehlsformen von Verben verfälscht. Häufig anzutreffen ist die Verwechslung mit der 1. Person singular. Es heißt jedoch nicht „Les ein Buch!“, „Geb das her!“, „Nehm dir einen Apfel“ genauso wie der Titel des bekannten Films nicht „Sterb langsam“ heißt. Statt dessen lauten die korrekten Formen: lies!, gib!, nimm! und stirb!

Der Bindestrich

Der Bindestrich bei zusammengesetzten Wörtern soll die Lesbarkeit und die Verständlichkeit verbessern. Entgegen der landläufigen Anwendung ist es nicht nötig oder falsch bei Zusammensetzungen wie „Essensplan“, „Sehtest“ oder „Kurort“ Bindestriche zu setzten. Auch „Spendenannahmestelle“ oder „Verwaltungsbezirk“ kommen noch ohne Bindestrich aus. Besteht der Begriff zu einem Teil aus einem Fremdwort, wird meist der Bindestrich verwendet, sofern sich der Begriff noch nicht anders durchgesetzt hat, zum Beispiel „Lern-Community“.

Übrigens: Ein Bindestrich ist nicht das selbe wie ein Gedankenstrich. Zwischen einem Bindestich werden keine Leerzeichen gesetzt, beim Gedankenstrich hingegen schon.

Erfundene Superlative

Für manche Wörter gibt es keinen Superlativ. „Optimal“, „minimal“, „maximal" und vor allem „einzig“ werden häufig gesteigert, obwohl sie bereits schon die höchste Steigerung ausdrücken. Heraus kommt dabei das „Optimalste“ „Minimalste“, „Maximalste“ und „Einzigste“ – und leider auch eine fehlerhafte Grammatik.

Apostrophe

Viel zu häufig werden Apostrophe gesetzt. Dabei muss ein Apostroph nur bei einer Auslassung im Wortinneren gesetzt werden (Ku’damm) und als Zeichen des Genitivs bei Namen, die auf s, ss, ß, tz, z und x enden und bekleidet, das heißt ohne Artikel, stehen (Alex‘ Freundin, Hans‘ Mutter, Max‘ Wurstbrot). Ein Apostroph bei Pluralformen ist falsch (Videos, nicht Video’s). Auch beim Wegfallen von Endungen wird es nicht mehr gesetzt („lass es“, „mach es“ statt „lass‘ es“ und „mach‘ es“) und beim Verschmelzen von bestimmtem Artikel mit vorangegangener Präposition ist es falsch („aufs Dach“, „unterm Bett“ statt „auf’s Dach“, „unter’m Bett“). Vor allem die beliebte aber falsche Abtrennung des Genitiv-s ist häufig anzutreffen: „Maria’s Friseursalon“ ist ebenso falsch wie „Viktor’s Fahrschule“.

Perfekt und Plusquamperfekt reichen aus

In der deutschen Sprache gibt es das Imperfekt (ich ging), das Perfekt (ich bin gegangen) und das Plusquamperfekt (ich war gegangen), um die Vergangenheit einer Handlung auszudrücken. Konstruktionen wie „Ich bin schon gegangen gewesen“ oder „Ich war schon gegangen gewesen“ sind freie Erfindungen. Bastian Sick bezeichnet sie in seinem Grammatik-Wegweiser „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ humorvoll als „Ultra-Perfekt“ und „Ultra-Plusquamperfekt“.

Von Bastian Sick sind mittlerweile mehrere Bücher zum Thema Grammatik erschienen, die sich für eine lehrreiche und unterhaltsame Lektüre eignen.

Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Die Zwiebelfisch-Kolumnen Folge 1-3 in einem Band. KiWi 2008, Taschenbuch, 768 Seiten. Euro 10,–.