
- Schloss Lembeck an der 100-Schlösser-Route - Judith Weibrecht
„Wie viele Schlösser habt ihr denn noch?“, fragt die kleine Tina staunend, die im Laden ihr neues Fahrrad abholt. Die Radfahrer lassen nur Luft auf die Reifen und wissen ehrlich nicht, wie viele Schlösser sie noch vor sich haben. Doch es dürften einige sein.
Die 100-Schlösser-Routen im Münsterland und der Westkurs
Die 100-Schlösser-Route im Münsterland ist insgesamt 960 Kilometer lang. Daher wurde sie aufgeteilt in vier Rundkurse: Nord-, Süd-, Ost-, und Westkurs können jeweils bequem in einer Woche abgeradelt werden. Auf dem etwa 317 Kilometer langen Westkurs geht es flach zu. Man folgt einem grünen, stilisierten Schlosstor, dem Logo der Route. Dieses ist unterhalb der in den nächsten Ort führenden Wegweiser angebracht, die rot auf weißem Grund mit Pfeilrichtung und Kilometrierung ausgestattet sind. Perfekt. Vom ADFC e. V. wurde der königliche Weg unlängst mit vier Sternen ausgezeichnet.
Münsterländer Mundart und westfälische Grundnahrungsmittel
Sind es 100 Schlösser? Auf jeden Fall gibt es hier Burgen, Herrensitze, Gutshöfe, hochherrschaftliche Anwesen, Wasserburgen und Schlösser zuhauf. Doch das ist beileibe nicht alles. Start ist in Coesfeld, einem schmucken Städtchen, Einkaufsmekka für die Bewohner der umliegenden Dörfer und auch für die Niederländer. Kaum durch die Tür, fühlt man sich im holzgetäfelten Gasthaus der Brauerei Stephanus wie zu Hause. Westfälische Grundnahrungsmittel wie luftgetrockneter Knochenschinken mit Brot und Biere gehen über den Tresen, Münsterländer Mundart von Einheimischen gibt’s kostenlos dazu.
Der Radweg führt über plattes Land, vorbei an Bauernhöfen und Pferdekoppeln und dem ehemaligen Kloster Karthaus nach Dülmen. Klinkerbauten und -gehöfte säumen den Weg. Weit fällt der Blick übers Land, da lockt schon der Blick auf den Halterner See runter vom Rad. Studieren der Enten und Kanuten ist angesagt, die „MS Möwe“ kreuzt auf dem Wasser. In Haltern selbst gibt es ein Römermuseum. „Wäre die Varusschlacht von den Römern nicht verloren worden, wäre nicht Köln, sondern Haltern Provinzhauptstadt geworden“, daran glaubt man hier fest und gibt sich selbstbewusst. Am Siebenteufelsturm, dessen Name nie geklärt werden konnte, geht es die Fahrradpromenade entlang und raus aus der Stadt. Nach links, Richtung Süden, blickt man nun bis ins Ruhrgebiet: Schlöte, Industrieanlagen und Fördertürme. Was für ein Mix, denn gleich folgt wieder ländliche Idylle und der Arentz Bauernladen mit angeschlossenem Café und Fahrradparkplatz, eine echte Fahrradfahrerraststätte. Apfelkuchen mit Schmand wird verdrückt, dazu gibt es einen Humpen dampfenden Kaffees.
Der erste Höhepunkt ist Schloss Lembeck mit seinen ausgedehnten Parkanlagen, von denen aus man einen guten Blick auf den Bau hat: Er wurde auf den Mauern einer ehemaligen Burg als Wasserschloss mit zweiflügliger Vorburg erbaut, das Herrenhaus im Ostflügel schmückt sich mit zwei Türmen in Form von Hauben. Die Säle im Inneren lassen sich im Rahmen von Führungen durch das Museum besichtigen.
Der zweite Abschnitt des Westkurses der 100-Schlösser-Route führt von Raesfeld bis zur Wasserburg Schloss Anholt.
