
- Abessinierkatze - Ruth Lisa Knapp
Um die Herkunft der Abessinier, oft auch kurz Aby genannt, ranken sich viele Legenden. Fest steht nur, dass die Urmutter der später in Europa und den USA gezüchteten Linien um 1860 von einem Offizier der englischen Kolonialarmee aus dem heutigen Äthiopien nach England gebracht wurde. Sie kam in den Besitz von Frau Captain Barett-Lennard und wurde Zula genannt. Wegen ihres besonderen Fells erregte sie viel Aufsehen und wurde 1871 im Crystal Palace in London zum ersten Mal ausgestellt. Auf Anhieb belegte sie Platz 3 der Gesamtwertung. Die Rasse wurde in England 1896 zum ersten Mal im Zuchtbuch registriert, in Deutschland erst 1933.
Das besondere Fell der Abessinier-Katze
Obwohl die Abessinier viel Ähnlichkeit mit altägyptischen Katzendarstellungen aufweist, kann ihr Ursprung nicht in Afrika liegen. Aufgrund des für ihre Erscheinung typischen Gens ATM (Abessinier-Tabby-Mutation-Gen) wird vermutet, dass sie von Südostasien nach Ostafrika gelangte, denn diese Genvariante ließ sich bei afrikanischen Katzen nicht nachweisen. Man nimmt an, dass diese Katzen ursprünglich aus dem Gebiet von Singapur oder aus Ceylon stammen. Das Besondere an ihnen: Der überwiegende Teil des kurzen, eng anliegenden Fells zeigt die auch für Wildkaninchen typische Agouti-Färbung, im Englischen Ticking genannt. Anfangs war deshalb auch der Name Bunnycat (Hasenkatze) im Gebrauch. Jedes einzelne Haar ist drei- bis vierfach hell und dunkel gebändert, wobei die Haarspitze am dunkelsten ist. Infolge von Kreuzungen mit Hauskatzen und anderen Rassen sind die heutigen Abessinier eigentlich Tabbykatzen, das heißt getigert. Diese Musterungen wurden aber weitgehend vom Agouti-Effekt verdrängt und sind nur am Kopf (Stirn und Augenumgebung) noch sichtbar. Außerdem zieht sich ein dunkler Streifen (Aalstrich) über das gesamte Rückgrat bis zur dunklen Schwanzspitze und über die Sohlen.
Halblanghaarkatzen, die aus Einkreuzungen oder durch Mutation entstanden, wurden zu einer eigenen Rasse fortgezüchtet und mit dem Phantasienamen „Somali“ versehen – wohl weil Somalia ein Nachbarland von Abessinien-Äthiopien ist. Abessinier, die verdeckt das Langhaar-Gen tragen, werden mit dem Zusatz „Variant“ bezeichnet.
Körperbau und Farben der Abys
Die Abessinier ähnelt einem Puma im Miniformat. Die mittelgroße, schlanke und muskulöse Katze hat hohe Beine und einen relativ langen, sanft zulaufenden Schwanz. Weibchen wiegen 2,5 bis 4 Kilo, Kater 3,5 bis 5 Kilo. Die Augen sind bernsteinfarben (gelb), seltener auch grün, groß und mandelförmig. Die Ohren erscheinen im Verhältnis zum Kopf relativ groß, breit am Ansatz und oben etwas gerundet. Wenige Abessinier haben noch dunkle Haarbüschel an den Ohrspitzen, wie die Luchse. Meist ist das Fell am Kinn und um die Schnauze herum weißlich, doch versuchen die Züchter, dieses Relikt eingekreuzter Rassen möglichst gering zu halten.
Die Grundfarben sind Wildfarben (Ruddy), ein warmes Braun, und Sorrel (Red), ein rötlicher Braunton. Wo das Farbgen verdünnt auftritt, entstehen die helleren Fellfarben Blau (Blue) und Beige (Fawn). Alle vier Farben gibt es auch in einer silbrig schimmernden Variante (Silver); dann ist das Unterhaar weiß. Bei allen ist das Fell am Bauch heller und weist dort kein Ticking auf. Weitere Farbschattierungen (Lilac, Chocolate) werden gezüchtet, sind aber noch nicht anerkannt.
Lebhafte, liebenswerte Wesensart
Auch wenn ihre Vorfahren aus dem Dschungel stammen, ist die Abessinier eine prima Gefährtin im Haus: lebhaft, neugierig, wachsam, gesellig und, wenn man mit viel Geduld ihr Vertrauen erworben hat, sehr anhänglich, aber nicht aufdringlich. Sie hat eine leise Stimme und gibt selten Laut. Trotzdem hat sie ein großes Bedürfnis nach Nähe und Beachtung. Junge Abessinier sind unermüdlich in ihrem Drang wild zu spielen, hoch zu springen und alles zu erkunden. Sie brauchen viel Abwechslung, sonst langweilen sie sich und stumpfen ab. Zur Haltung als Alleinkatze ist die Abessinier daher eher nicht geeignet. Im Zusammenleben mit Katzen anderer Rassen wird sie in der Regel eine dominierende Rolle einnehmen und dabei ihren Witz und ihre akrobatischen Fähigkeiten voll ausspielen. Das Zusammenleben mit Hunden bereitet ihr keine Probleme. Die meisten Abessinier werden als reine Wohnungskatzen gehalten. Sie lieben die Wärme und sind glücklich über einen Sonnenplatz am Fenster und auf dem Balkon. Mehr zum Wesen der Abys finden Sie in einem anderen Suite101-Artikel.
