
- Institut de France, Sitz der Académie francaise - Nitot
Die Académie française ist eine der wichtigsten Institutionen Frankreichs, die seit ihrer Gründung 1635 bestrebt ist, die französische Sprache zu pflegen und zu normieren. Vierzig Mitglieder, die Immortels, arbeiten dabei über die Jahrhunderte hinweg an dem Wörterbuch der Académie, das als Instanz für andere Wörterbücher wie den Larousse oder den Petit Robert gelten soll. Neben dem Wörterbuch entstand als einziges eine Grammatik.
Ursprung und Beginn der Académie française
Was die heutige Académie française ist - eine sprachliche Institution mit sogenannten "unsterblichen" Mitgliedern, den "Immortels", war einst ein privater Freundeskreis, der sich um den Literaten Valentin Conrart ( 1603 - 1675) in dessen Haus traf. Es versammelten sich ab 1629 zu diesem Literatenkreis unter anderem Jean Chapelain, Antoine Godeau, Vincent Voiture und Claude Favre de Vaugelas, der in der französischen Sprachgeschichte eine bedeutende Rolle spielt, indem er die Normierung des Französischen wesentlich vorantrieb.
Als Kardinal Richelieuvon diesem Kreis erfuhr, ließ er ihn 1635 unter König Ludwig XIII. als "Académie française" gründen. Als Vorbild für die Namenswahl galt die berühmte "Accademia della Crusca" aus Italien, dem Land, welches im 17. Jahrhundert regelmäßig Vorbildfunktion besaß. Der Begriff Akademie soll in diesem Sinne auf eine "Gelehrtengemeinschaft" verweisen, die offiziellen Status innehat. Gleichwohl gab es in den ersten Jahren noch kein eigenes Gebäude, in dem die Versammlungen stattfinden konnten, und so traf man sich mal dem einen oder bei dem anderen Mitglied der Académie. Ab 1639 war dann der gemeinsame Treffpunkt das Haus des Kanzlers Séguier, ab 1672 schließlich das königliche Gebäude des Louvre. Seit 1805 bis zur heutigen Zeit kommen die Mitglieder jedoch in das Kolleg der Vier Nationen ("Collège des Quatre-Nations"), das sich im Institut de France am Seine-Ufer befindet.
Die Schließung der Académie française mit der Französischen Revolution
Die Académie française arbeitet seit ihrem Gründungsjahr 1635 an der Normierung der französischen Sprache, lediglich in der Zeit nach der Französischen Revolution 1793 - 1803 war sie geschlossen. Mit der Wiedereinrichtung 1803 ist sie aber erneut die oberste Instanz für die Sprachnormierung und muss mit der veränderten sprachlichen Situation nach der Französischen Revolution umgehen. Durch diese werden einige Begriffe neu geprägt und auch die Aussprache wollten die Revolutionäre verändern, doch letztendlich waren die sprachlichen Umwandlungen nicht so gravierend wie erwartet. Die Académie widmet sich schließlich der fünften Auflage ihres Wörterbuchs.
Die Ziele der Akademiemitglieder
Unter der Hauptaufgabe, der Sprachnormierung, versteht die Académie française mehrere Sachverhalte:
- die französische Sprache und der Gebrauch ihrer Wörter soll klar sein,
- die Sprecher sollen nach ihrer Perfektion streben,
- es soll ein "offizielles Gesetz" erstellt werden, das die Sprachregulierung beinhaltet. Dieses besagt, dass die Académie "sorgfältig und mit Eifer der [französischen] Sprache bestimmte Regeln geben soll" und sie "rein, elegant und fähig mit Künsten und Wissenschaften umzugehen" zu machen. (Vorwort des "Dictionnaire de l'Académie français" von 1649)
Damit diese Ziele realisiert werden können, bedarf es einem Wörterbuch, einer Grammatik, einer Rhetorik und einer Poetik. Eine Poetik soll die Dichtungstheorie der französischen Sprache wiedergeben. Obwohl die Académie française nun schon über 350 Jahre existiert, wurden lediglich das Wörterbuch und die Grammatik erarbeitet. Das Wörterbuch erschien 1694 erstmalig und liegt seit 1986 in der vollständigen 8. Auflage vor. Zur neunten Auflage gibt es bisher nur den ersten Band, der 1992 veröffentlicht wurde. Die erste eigene Grammatik erschien 1932, denn vorher sah man das grammatische Werk Vaugelas' als die Grammatik der Académie an und sich nicht gezwungen, eine eigene zu verfassen.
Die Bedeutung der Académie française
Nach ihrer Gründung hatte die Académie eine ganze Zeit lang große Bedeutung für die französische Sprache. Da jedoch die Mehrheit der französischen Sprecher, die 95 % betrug, dem einfachen Volk angehörte und nicht das Französisch sprach, was die Académie als das des "guten Gebrauchs" (bon usage) verstand, beeinflusste sie eher die sprachlichen Gelehrten und die adligen und königlichen Mitglieder, die sich meist in der Gegend um und in Paris befanden. Mit der Französischen Revolution, deren Anhänger der Académie keine Bedeutung zu sprachen, wurde sie kurzzeitig geschlossen. Nach ihrer Wiedereröffnung und der Verlegung in das Institut de France kann sie aber nicht mehr ihren Einfluss zurückgewinnen. Es kommt außerdem zur "Krise des Französischen", womit die Académie der Normierungsaufgabe nicht mehr gewachsen ist.
Bis heute orientieren sich die Akademie-Mitglieder am veralteten und starren "guten Gebrauch" des 17. Jahrhunderts und können nur schwerfällig den Neuerungen der französischen Sprache nachkommen oder überhaupt akzeptieren.
