
- Nacho Pérez in seiner Mühle - Veronica Frenzel
Die wahrscheinlich am längsten funktionierende mechanische Ölpresse Spaniens steht in Benalgabón, einem kleine südspanischen Dorf in der Nähe von El Rincón de la Victoria. Hat man es durch die kleinen verwinkelten Straßen und weißen Häuser des Weilers zum Tor der Ölmühle geschafft, schlägt einem sofort der intensive Duft von frisch gepresstem Olivenöl entgegen. Im Innenhof läuft der Besitzer Nacho Pérez geschäftig umher und kontrolliert, ob alles nach Plan läuft. Seine Bluejeans sind schwarz und ölig, genauso wie seine Hände und das blaue Poloshirt.
Das Anwesen ist klein und schmiegt sich an die dicht an dicht gedrängten Häuser. Alle Maschinen, die zur Verarbeitung der Oliven notwendig sind, passen in einen Raum. Die Tür steht immer offen und jeder Interessierte kann sich von Nacho Perez erklären lassen, wie er sein Öl herstellt. Von frühmorgens bis spätabends ist er in seiner Mühle und wacht über die Ölherstellung. Auch am Wochenende fährt der Familienvater von seinem Wohnort Málaga nach Benalgabón, denn dann kommen die meisten Kunden, um sein Öl zu kaufen, das er nur direkt am Ort der Herstellung verkauft. „Die Arbeit muss einem wirklich Spaß machen, sonst hält man es nicht durch", gibt er Pérez zu.
Öl aus der ‚guten alten Zeit'
Ihm muss es Spaß machen, denn er ist schon seit vier Jahren dabei. Damals hat er die Mühle übernommen, die bereits seit einem halben Jahrhundert in Besitz der Familie Pérez ist. Sein Großvater hatte die Ölmühle Mitte der 50er Jahre gekauft. Seitdem hat sich dort fast nichts geändert. Nacho Pérez verarbeitet die Oliven noch mit den gleichen Maschinen und auf die gleiche Art wie sein Vorfahre. Das heißt, er presst das Öl kalt und setzt es dabei nur einem geringen Druck aus. „Dadurch bleiben die Nährstoffe der Oliven erhalten", erklärt er den Vorteil seines Verfahrens. Die Oliven, die er verwendet, kommen außerdem aus biologischem Anbau von den Olivenbäumen um Benalgabón. „Ich habe zwar keine offizielle Benennung, weil sich das für meine Ertrag nicht lohnt, aber ich erfülle alle Kriterien, um mein Produkt ökologisch zu nennen", erklärt er stolz. Je nach Ernte schafft er es pro Jahr zehn bis zwölf Tausend Liter Olivenöl zu produzieren. Das ist im Vergleich zu den Mengen, die große Firmen herstellen, sehr wenig. Aber auch für diese Menge muss Pérez in den drei Monaten nach der Olivenernte, von Ende November bis Februar täglich mehr als zwölf Stunden arbeiten. Doch das Öl, das er für knapp fünf Euro den Liter verkauft, reicht heute nicht mehr aus, um alle Abnehmer ausreichend zu bedienen.
Von der Presse ins Glas
Die grüne und schwarze Oliven fallen von einem kleinen Förderband im Innenhof der Mühle auf eine Waage. Nachdem sie gewogen sind, bringt Nacho Pérez die Oliven zu einer Walze, in der sie grob gemahlen werden. Danach wird die Masse gerührt, damit sie eine gleichmäßig Paste wird. Von dort gibt er die dicke Olivenpaste in die Presse. Sie besteht aus mehreren Schichten von grob geflochtenem Plastikmatten, zwischen denen die Olivenpaste gelagert wird. Von oben wird dann ein Gewicht auf die Matten gedrückt, um das Öl aus der Masse zu pressen. Ein Behälter fängt das heruntertropfende Öl auf und führt es durch Rohre weiter in das erste von fünf Becken. Durch eine kleine Öffnung ist dieses mit einem weiteren verbunden. „Da das Öl leichter als die anderen Materialien ist, die das Öl nach der Pressung noch enthält, läuft es oben in den nächsten Behälter", erklärt Pérez. Erst wenn das Öl im fünften Becken angekommen ist, ist es rein genug, um in den Speicherbehälter gelagert zu werden. Wenn Käufer zu ihm kommen, füllt er das Öl direkt vom Speicher in Glasflaschen ab.
Als der 29-Jährige Nacho die Mühle nach dem Tod seines Vaters übernahm, hatte er mit Oliven nicht viel zu tun. „Ich habe mich richtig ins kalte Wasser geworfen", erinnert er sich. Eine Maschine explodierte, er fiel in den Ölspeicher und rutschte unzählige Male auf dem glitschigen Boden aus. Doch er hat alles gut überstanden und bereut nicht, sich für die Mühle entschieden zu haben. „Heute bin ich stolz auf mein Öl, ich stehe absolut hinter dem Produkt." Ganz ohne Werbung hat er die Menge und den Umsatz der Mühle seit der Übernahme von seinem Vater beachtlich gesteigert. „Am meisten haben mir dabei meine deutschen Kunden geholfen. Seit ich dem ersten eine Flasche Olivenöl verkauft habe, kommen immer mehr. Es scheint sich rum zu sprechen", freut sich Nacho.
Mittlerweile kommen aber auch Engländer, Holländer und alle anderen ausländischen Residenten, die in der Axarquia wohnen. Der Großteil der Abnehmer sind aber immer noch die Deutschen. Erst vergangene Woche kam einer vorbei, der die ganze Produktion aufkaufen wollte, um sie in Deutschland zu vermarkten. „Das kann ich aber nicht machen, ich würde meine anderen Kunden sehr enttäuschen." Aber jetzt ist ihm klar, dass er die Produktion erhöhen will. „Ich werde noch eine weitere Presse anschaffen und den Speicherplatz etwas vergrößern", plant er bescheiden. „Das muss reichen," sagt er, „denn das wichtigste ist, die Qualität des Öls zu bewahren."
