
- Äthiopische Kaffeezeremonie - Anke Wanger
Mit der Kaffeezeremonie werden besondere Gäste geehrt, Feiertage und andere feierliche Anlässe begangen, oder einfach ein Zusammenkommen von Freunden gefeiert.
Kaffee, der aus der Region Kaffa im Westen Äthiopiens kommen soll, kauft man auf dem Markt weder geröstet noch gemahlen, sondern in Form noch ganzer grüner Bohnen. Zuhause werden diese zunächst gewaschen und dann auf einer gewölbten Metallplatte ausgebreitet.
Die traditionelle Röstung
Die erwähnte Metallplatte wird auf einem kleinen, quadratischen Holzkohleofen platziert, direkt über den glühenden Kohlen, hinter dem die Frau, die für die Kaffeezubereitung zuständig ist, auf einem kleinem Schemel Platz genommen hat. Die Bohnen werden nun mit einem abgewinkelten Metallschieber auf der Platte hin- und hergeschoben, um eine soweit als möglich gleichmäßige Röstung zu erreichen.
Vor diesem Ofen steht meist eine Art kleine Box oder Tablett, etwa 30 cm lang und 20 cm breit, auf der die kleinen Kaffeetäschen („Sini“ genannt) mit Zucker, Salz und anderen Gewürzen bereits darauf warten befüllt zu werden. Meist steht daneben noch ein kleiner Holzständer, auf dem ein Glimmstäbchen mit Weihrauchduft angezündet wurde.
Das eigentliche „Kaffee-Kochen“
Die Bohnen werden nun von der Metallplatte in eine kleine Holzschüssel, die als Mörser dient, umgefüllt und mit einem meist ebenfalls hölzernem Stößel zu Kaffeepulver zerrieben.
Dieses Pulver wird nun die Jebena gefüllt, eine etwa 25 cm hohe bauchige „Kaffeekanne“ aus Ton, zusammen mit Wasser gegeben. Je nach lokaler Sitte wird der Kaffee darin nun ein-, zwei- oder dreimal aufgekocht. Ist er fertig, so werden die „Sini“ bis zum Überlaufen gefüllt – weniger würde als Geiz gelten.
Kaffee trinken
Diese übervollen Tassen bis zum Mund zu balancieren, ohne etwas zu verschütten, ist meist nicht so ganz einfach. Insbesondere in ländlichen Regionen wird der Kaffee meist mit Salz getrunken, ein für Europäer extrem ungewöhnlicher und gewöhnungsbedürftiger Geschmack. Oft wird auch ein Zweiglein eines lokalen Krauts in den Kaffee getunkt, um ihm eine eigene Note zu geben.
In den Städten, insbesondere wenn Ausländer an der Zeremonie teilnehmen, gibt es aber heute auch meist Zucker in den Kaffee. Kuchen zum Kaffee sieht man als westliche Sitte in den Cafés, bei Äthiopiern zu Hause käme allerdings niemand auf diese Idee. Hier wird zum Kaffeetrinken Popcorn, lokal „Fendischa“ genannt, gereicht, oder geröstetes und gewürztes Getreide, „Kollo“.
Traditionell wird von Gästen erwartet, dass sie mindestens drei Tassen Kaffee trinken - da aber die Tassen relativ klein sind, entsprechen drei von ihnen entweder einer großen Tasse Kaffee bei uns. Es ist also zu schaffen.
Übrigens: in äthiopischen Cafés bekommt man solchen Kaffee nicht, sondern nur den aus der Maschine; es sind nur die „besseren“ Restaurants, in denen man auch „Yejebena buna“, also Kaffee aus der Jebena, bestellen kann.
