
- William Shakespeare - tonynetone
„Etwas ist faul bei Shakespeare“ - Schon lange beschäftigen sich viele Leute mit der Frage, ob berühmte Werke wie „Romeo und Julia“ oder „Ein Sommernachtstraum“ tatsächlich der Feder des Mannes entstammen, der als einer der größten Dichter überhaupt bekannt ist: William Shakespeare! Die Anklage: Shakespeare hat seine Werke nicht selbst verfasst! Der Verdacht: Shakespeare hatte einen Ghostwriter!
Plagiatsvorwurf der Anti-Stratfordians
Warum jedoch gibt es so viele Zweifler, sogenannte „Anti-Stratfordians“ (benannt nach Shakespeares Geburtsstadt Stratford-upon-Avon), nach denen William Shakespeare die Werke, die noch heute unter seinem Namen gespielt werden, nicht selbst geschrieben haben kann? Entscheidendes Argument ist dabei seine Herkunft, die Fragen aufkommen lässt, woher ein Mann des Volkes die Fähigkeiten nimmt, zum bedeutendsten Dichter seiner (und unserer) Zeit zu werden. Vor allem drei Gründe lassen an Shakespeares Autorenschaft zweifeln:
- Verdachtsmoment 1: Wie kam es, dass er in einer Zeit, in der Bildung vor allem den Wohlhabenden und dem Adel vorbehalten war, der Sohn eines Handwerkers lesen und schreiben konnte und dabei Wendungen benutzte, die in seinen Kreisen keineswegs üblich waren?
- Verdachtsmoment 2: Woher kamen seine Kenntnisse antiker Autoren?
- Verdachtsmoment 3: Wie kam es, dass er nicht nur über die Lebensweise am Hof, sondern auch über das Leben in anderen Ländern so gut Bescheid zu wissen schien, dass er daraus Stoff für seine Werke machen konnte?
- Verdachtsmoment 4: Warum nahm die Öffentlichkeit kaum von Shakespeares Tod Notiz, wenn es sich bei ihm um einen derart bekannten Dichter handelte?
Dringend tatverdächtig
An Verdächtigen für die Position von Shakespeares Ghostwriter mangelt es nicht: Edward de Vere, der zur Zeit Shakespeares Earl of Oxford war, Philosoph und Staatsmann Francis Bacon, Dichter Christopher Marlowe, ein „Kollege“ Shakespeares, Thomas Kyd oder der Adlige Henry Neville. Wer aber war es wirklich? Eine Suche nach Hinweisen und aussagekräftigen Argumenten beginnt…
Christopher Marlowe
Genau wie (angeblich) Shakespeare war Marlowe Schriftsteller und Dichter und dabei scheinbar ein Wunderkind seiner Zeit. Als Sohn eines Handwerkers schaffte er es mittels eines Stipendiums aufgrund herausragender Leistungen nach Oxford. Bereits während seines Studiums schrieb er mehrere Stücke, mit denen er äußerst erfolgreich war, und übersetzte nebenbei antike Schriften ins Englische. Mit 29 Jahren war er der erfolgreichste Dichter Großbritanniens seiner Zeit. Er hätte also durchaus über eine entsprechend hohe Bildung und sogar über Erfahrung im Verfassen von Bühnenstücken verfügt.
Dennoch: Marlowe wird als Ghostwriter freigesprochen! Begründung: Er verstarb einige Tage bevor erstmals ein Schriftstück von William Shakespeare in Umlauf kam. Bis heute halten sich Stimmen, die behaupten, dass Marlowes Tod nur vorgetäuscht wurde, Beweise gibt es hierfür jedoch keine.
Thomas Kyd
Als Sohn eines Kopisten und Schriftstellers geboren, wurde Thomas Kyd selbst Schriftsteller. Besonders mit seinem Werk „Eine spanische Tragödie“ hatte er schon früh Erfolg. In seiner Art zu schreiben meinen außerdem viele Ähnlichkeiten zu den (angeblichen) Shakespeare-Stücken zu erkennen. Der Verdacht bestätigt sich dennoch nicht: Kyd starb bereits 1594, während das letzte „Shakespeare“-Werk mehr als 10 Jahre später entstanden sind.
Edward de Vere
Ein Favorit unter den möglichen „Ghostwriter“ ist der englische Adlige Edward de Vere, Earl of Oxford. Das stärkste Argument für eine Autorenschaft von Edward de Vere: Seine Bildung! Als Adliger war de Vere nicht nur in hohem Maße gebildet, sondern verfügte zudem über Einblicke in die Politik des Landes. Vieles spricht dafür, dass de Vere in seiner Position als Earl of Oxford nur heimlich schreiben und keinesfalls ein Stück unter seinem Namen auf der Bühne aufgeführt werden durfte. Seine einzige Möglichkeit, seine Werke auf der Bühne aufgeführt zu sehen: seine Texte über einen Anderen veröffentlichen und zur Aufführung bringen!
Indizien für de Vere als Ghostwriter Shakespeares:
- Indiz 1: He shakes speares – eine Beschreibung des Politikers de Vere. Anspielung auf den Namen „Shakespeare“?
- Indiz 2: Nach der Veröffentlichung des ersten Shakespeare-Text hörte man von de Vere nichts mehr. War er mit den Shakespeare-Texten beschäftigt?
- Indiz 3: Aufenthalt in Italien. Ermöglichte ihm das „Romeo und Julia“?
Trotz der Indizienlage muss auch de Vere als potenzieller Ghostwriter freigesprochen werden, da er bereits 1604 verstarb, während auch danach noch "Shakespeare"-Werke veröffentlicht werden.
Francis Bacon
Bacons Anhänger vertreten die Ansicht, die Beweise für seine Autorenschaft lägen in den Stücken selbst. Ihre Argumente: Charakterzüge und Erlebnisse Bacons zeigen erstaunliche Übereinstimmungen mit Figuren aus Shakespeares Werken.
- Indiz 1: Ähnlichkeit Bacons mit Bassanio aus dem „Kaufmann von Venedig“. Hat er sich als Bassanion in "Othello" verewigt?
- Indiz 2: Untreue seiner Frau. Hat Bacon als potenzieller Ghostwriter diese zum Motiv von „Othello“ gemacht? – Verdacht abgewiesen: Bacon war damals noch gar nicht verheiratet.
- Indiz 3: In einem nennt ein Freund ihn einen genialen Geist, der aber unter einem anderen Namen bekannt sei. Ein Hinweis darauf, dass Bacon Shakespeare war?
Henry Neville
Um 1562 als erster Sohn wohlhabender Eltern geboren, war er Zeit seines Lebens in höfische Belange verstrickt und einen Großteil seines Lebens in diplomatischer Mission im Ausland unterwegs. Verdachtsmomente: Seine Reiserouten und Erlebnisse weisen erstaunliche Parallelen zu Shakespeares Werken auf.
- Indiz 1: Besuch des jüdischen Ghettos in Venedig, in das auch der "Kaufmann von Venedig" kommt. Hat er persönliche Erlebnisse dort in seinem Werk verarbeitet?
- Indiz 2: Spitzname „Falstaff“. Benannte er den Soldaten Falstaff aus „Henry V“ und „Die lustigen Weiber von Windsor“ nach sich selbst?
- Indiz 3: 1589 wurde Neville zu einem Baron de Cinque Portes. Der Verdacht bestätigt sich: Der eher unbekannte Titel taucht auch in „Shakespeares“ Werk „Henry VIII“ auf.
- Indiz 4: Die Geburts- und Todesjahre von Shakespeare und Neville sind gleich. Nur ein interessanter Zufall?
- Indiz 5: Neville konnte dank seiner Profession als Diplomat Sprachen wie Französisch und Italienisch. – Der Verdacht erhärtet sich.
Überführung der Verdächtigen?
Die aussichtsreichsten Kandidaten sind sicher Neville und Bacon, doch nachweisen kann man auch ihnen nichts. Zudem treten Indizien, wie versteckte Andeutungen auf andere Namen, bei mehreren der Verdächtigen auf. Für die Existenz eines Ghostwriters gibt es genauso wenig Beweise wie für seine Identität. Was bleiben sind Mutmaßungen. Die Akte Shakespeare muss vorerst wohl ungelöst bleiben.
www.henryneville.com
www.marlowesshakespeare.org
www.wissberatung.de
www. schulers.com
wwww. shakespeare.about.com
www.luminarium.org
www. culturmag.de
www. writer.germanblogs.de
