Seit einiger Zeit ist DMX (bürgerlich Earl Simmons) aus dem Gefängniss draußen. Es sollte nicht nur ein großes Comeback werden, sondern gleichzeitig eine Kampfansage an den heutigen Hip Hop und seine Vertreter – sozusagen die größte Gefängnisentlassung seit der Freikaufung Tupacs durch Suge Knight.

Der Clinch mit Drake und abgesagte Europatour

Großspurig zog DMX in Interviews über Drake, den Shootingstar der aktuellen Raplandschaft, her. „Ich mag seine Stimme nicht. Ich mag den Scheiß nicht über den er spricht! Ich mag sein Gesicht nicht.“ Vielen Rapfans sprach er damit aus der Seele und schürte die Vorfreude auf sein kommendes Album Undisputed. Doch der angesetzte Veröffentlichungstermin des Albums zog vorbei, ohne das jemand das Album zu Gesicht bekam. Die Hoffnung, die auf dem Verfechter des 90er Jahre Gangsterrap lastete, begann zu bröckeln. Klingelton- und Hipster-Rap sollte wohl noch länger die Charts beherrschen. Als dann der Dark Man X auch noch seine große Comeback Tournee aus gesundheitlichen Gründen absagte, erlosch auch das letzte Fünkchen Hoffnung. Sollte Undisputed etwa in das Regal der ewigen Verschiebungen eingereiht werden, direkt neben Dr.Dres Detox?

DMX der Nachfolger von 2Pac und Biggie

Es wurde das Jahr 1998 geschrieben. Der Hip Hop hatte sich vom Verlust seiner größten Stars Tupac Shakur und Notorious B.I.G. gerade erholt, doch ein wirklicher Nachfolger war noch nicht gefunden. An der Westküste begann Dr.Dre mit dem Aufbau seines Aftermath Imperiums und insgesamt schien sich der Dreh und Angelpunkt des Sprechgesang nach L.A. verlagert zu haben. Da brachte ein junger, wütender Mann New York zurück auf die Landkarte: Earl Simmons alias DMX, der schon für sein Debüt den Unsigned Hype Award der Zeitschrift Source gewonnen hatte, brachte mit seiner neuen Single Ruff Ryders Anthem den New Yorker Hardcorerap auf ein neues Level. Er verband in sich Härte, Charisma, Poesie und einen unglaublichen Hunger nach Erfolg, immerhin rappte er zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Jahre erfolglos und hatte einen Knastaufenthalt und eine schwere Kindheit hinter sich. Wegen diesen Eigenschaften wurde er bald schon als der nächste 2Pac gehandelt und wie sein Vorbild schaffte er es, zwei Alben innerhalb eines Jahres an der Spitze der Billboards zu platzieren.

Pittbulls, Drogen und Knastaufenthalte

Sein Stil, den er in Musikvideos zelebrierte, mit Goldkette, weißem Wifebeater, dass die tätowierten Arme präsentierte und Pittbull an kurzer Leine, fand Einzug in den Mainstream; doch DMX selbst kam nie so wirklich im Mainstream an. Das harte Leben der Straße sollte ihn immer wieder einholen und eine Oddysee aus Gefängnisaufenthalten und Verhaftungen nach sich ziehen. Die Fahrt über das Rollfeld mit einem gestohlenen Auto, um den Flieger, der ihn zu einem Auftritt in der Schweiz bringen sollte zu erwischen, ist nur eine von vielen absurden Annekdoten.

Kanye West, Drake und der Untergang des Gangsterraps

Doch egal wie durcheinander das Leben des Rappers auch war, die Qualität seiner Musik schien darunter nicht zu leiden. Selbst sein Album Year Of The Dog ... Again, schrammte nur knapp an der Pole Position der Charts vorbei. Dennoch war DMX' Zeit längst vorbei. Das Rapgeschäft hatte sich geändert und selbst Eminem und seine Shady Crew, welche die Anfänge des neuen Jahrhunderts dominiert hatten, waren längst in den Hintergrund einer neuen Rapgeneration getreten. Lil Wayne, Kanye West und Rick Ross hatten das Zepter übernommen und statt vom harten Leben auf der Straße wurde nun vom harten Leben als reicher Mann erzählt. Die Mode änderte sich; DMX und seine Ruff Ryder Clique und ihren getunten Quadbikes und Klimmzügen an Straßenampeln, waren plötzlich nicht mehr angesagt. Stattdessen hielt Gucci und Louis Vuitton Einzug in die Kleiderschränke der "Hip Hop Heads".

Enge Hosen und Technopiloten

Rap Zwanzigzwölf: Die weiten Hosen, über Jahre das prägnanteste Erkennungszeichen der Hip Hop Kultur, schrumpften nicht nur auf normale Größe zurück, sondern legten sich eng um die Beine der Rapkünstler. Goldketten wichen trendigen Modeaccesoires wie Schal und Kastengestellbrille. Der Ghettoblaster wich dem iPhone. Alternativ zu diesem sogenannten Hipsterrap gibt es im Jahre 2012 auch den Partyrapper - jene die auf David Guetta Beats rappen und die mit Touristen gefüllten Großraumdiskos der Mittelmeerregion, an die Strände und Küsten Amerikas verlagerten. Anstelle von Nate Dogg, trällerten jetzt die Chris Browns und Rihannas dieser Welt die Hooks. Künstler wie Kid Cudi und Mac Miller bzw. Flo Rida und Pittbull trieben dies so auf die Spitze, dass sich langsam der Wiederstand der Hörerschaft regte.

Auftritt DMX: Er hätte derjenige sein können, der als Retter des Hip Hops den "realen" Rap zurück bringt. Doch anstelle eines Albums, brachte er nur ein entäuschendes Remix Mixtape und seine Auftritte in Deutschland wurden nun schon zum zweiten Mal verschoben - diesmal auf unbegrenzte Zeit. Verschoben hat sich damit auch das Comeback des Dark Man X. Vielleicht ist er und seine Ära auch einfach längst vorüber ...

Potrait des Rappers auf laut.de