
- Die Lomo LC-A - Peter Klau
Im Jahr 1991 kaufen einige Wiener Studenten in Prag ein paar alte Sowjet-Kameras und fotografierten damit wie wild in der Gegend herum. Als sie die billigst entwickelten Bilder abholten, trauten sie ihren Augen nicht: Das kleine Kästchen hatte unzählige stimmungsvolle, bunte, amüsante, unerwartete Fotos eingefangen – die Lomo-Idee ist geboren.
Lomografie – die Zukunft ist analog
Von Wien aus verbreitet sich Idee in Windeseile. Heute ist die Lomografische Gesellschaft in fast allen Herren Länder mit einer eigenen Botschaft vertreten. Neben dem alltäglichen Lomografieren veranstalten die Mitglieder verrückte Events, Ausstellungen und Wettbewerbe. Heute zählt die Community der Lomografen weltweit mehr als 500.000 Mitglieder, neben ganz gewöhnlichen Hobbyfotografen gehören dazu auch Berühmtheiten wie Brian Eno, Laurie Anderson, David Byrne, Pulp, Underworld, Helmut Lang, Moby, Robert Redford, um nur einige zu nennen.
Lomografen aller Länder verweigern sich der aufwändigen digitalen Technik, teuren Kameras und Objektiven, Photoshop-optimierten Hochglanzfotos. Sie setzen lieber auf die Magie des Augenblicks, auf die Schönheit des Unvollkommenen. Lomografische Fotos sind weder ausgewogen in den Kontrasten noch ganz scharf in der Abbildung. Variationen in der Linse schaffen verschiedene Effekte wie Fischauge oder Tunnelblick, Multilinsen bringen bis zu neun Bilder auf ein Foto, farbige Filter tauchen Motive in rot, blau oder gelb. Lichteinfall, Kontrast- und Farbintensität schaffen eine eigenartige, befremdliche Schönheit.
Die Lomografen gehorchen dabei einem 10-Punkte-Regelkatalog, der dem Trend zur Perfektion die Intuition und die Improvisation entgegensetzt:
- Nimm die Kamera mit, wo immer Du gehst.
- Benutze die Kamera Tag und Nacht.
- Lomografie ist ein Teil deines Lebens.
- Bring die gewünschten Objekte so nahe wie möglich an die Linse.
- Denke nicht nach.
- Sei schnell.
- Es ist vorher nicht wichtig zu wissen, was Du auf den Film gebannt hast.
- Erst recht nicht nachher.
- Schieß aus der Hüfte.
- Denke nicht über Regeln nach.
LOMO (Leningrádskoje Optiko Mechanitschéskoje Objedinjénie)
Das Unternehmen Lomo wurde 1914 in St. Petersburg gegründet. Zunächst konzentrierte man sich auf die Herstellung von optischen Geräten für die russische Armee. Erst 1930 wurde der erste Fotoapparat hergestellt. Die Lomo ist ein kleines Wunderwerk der russischen Technik. Das heute bekannteste Produkt von Lomo, die Kleinbildkamera LC-A, wurde 1983 als Kopie eines Modelles des japanischen OEM-Herstellers Cosina entwickelt. Der Entwickler Prof. Radionov hat die LC-A mit einem 32mm Objektiv (Lichtstärke 2,8) ausgestattet. Die LC-A besitzt eine Blenden- sowie Belichtungsautomatik, aber auch die Möglichkeit die Blende selbst zu wählen. Die Kamera passt in jede Jackentasche und bringt die Wirklichkeit so auf den Film wie viele Lomografen sie gerne hätten: rund und schön bunt. Fotografiert wird aus der Hüfte und auf in jedem Fall ohne Blitz. Selbst nachts lassen sich mit dem Objektiv eindrucksvolle Bilder zaubern. Das Ergebnis sind LOMOgrafien – schöne bunte Ansichten unserer Umwelt. Entwickelt werden die Bilder am besten im ganz altmodisch minimalistischen Kleinformat 7×10cm.
Technische Daten:
Die LOMO ist eine Kleinbildkamera mit Belichtungsautomatik. Das Objektiv „Minitar 1“ hat eine Brennweite von 32 mm und eine Lichtstärke: f/2.8. Die Blendenstufen reichen von 2,8 to 16, Entfernungseinstellung: von 0,8 m bis unendlich.
Versschlusszeiten sind von 1/500 bis 2 Minuten möglich, die Blitzsynchronisation (X) bei 1/60. Als Film findet ein 35 mm Standard-Kleinbildfilm mit 12, 24 oder 36 Aufnahmen Verwendung, die Filmempfindlichkeit ist von 25 bis 400 ASA einstellbar.
Abmessungen: 107 x 68 x 43,5 mm, Gewicht: ca. 250 Gramm.
