Die Anfänge der hebräischen Presse

Der Zeitungsmarkt in Palästina bis in die 1930er Jahre

Parallel zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache entwickelte sich in Palästina auch das hebräische Pressewesen.

Palästina zu Anfang der 1930er Jahre: Knapp 200.000 Juden sind mittlerweile eingewandert, haben Dörfer und Städte, ein politisches System, Schulen und Universitäten gegründet. Viele von ihnen sprechen Hebräisch als erste Sprache – eine Sprache, die noch wenige Jahrzehnte zuvor als „tot“ galt.

Dass auch eine beachtliche Anzahl von hebräischen Zeitungen existiert, scheint selbstverständlich – und doch kann die Presse zu dieser Zeit erst auf wenige Jahre zurückblicken.

Die Anfänge

Die ersten Monatsschriften in hebräischer Sprache waren 1863 gegründet worden, ab 1908 erschien die erste hebräische Tageszeitung, herausgegeben vom „Vater der hebräischen Sprache“, Elieser Ben Jehuda. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die hebräische Sprache wiederbelebt und von einer Schriftsprache zum brauchbaren Kommunikationsmittel wurde.

Sein Blatt erschien täglich unter dem Namen „Ha´Zwi“, übersetzt „Der Hirsch“, 1910 wurde es in „Ha´Or“ (Das Licht) umbenannt. Bis zum ersten Weltkrieg wurden bereits etwa zwei Dutzend Blätter in hebräischer Sprache herausgegeben, mit unterschiedlichen politischen und religiösen Ansichten. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges jedoch wurde die noch junge hebräische Presse Palästinas von den Türken verboten und vollständig zerschlagen – ihre Druckereien wurden geschlossen, die Herausgeber und Redakteure vor Gericht gestellt. So kann die moderne hebräische Presse nicht als die unmittelbare Fortsetzung der unter türkischer Herrschaft herausgegebenen Zeitungen angesehen werden.

Der Neubeginn

Nach der Niederlage der Türken entstand in Palästina schnell eine neue, diesmal viel stärker hebräisch ausgerichtete Presse. 1919 wurden die ersten hebräischen Tageszeitungen gegründet. Die erste Tageszeitung war die „Ha´Aretz“ (Das Land) und die „Do´ar hajom“ (Tagespost), redigiert unter anderem von Ben Jehuda.

1928/29 waren bereits sechzig regelmäßig erscheinende Publikationen auf dem Markt, 1940 erschienen zehn Tageszeitungen.

Osteuropäische Prägung

Die moderne hebräische Presse war zum großen Teil von den Einwanderern aus Osteuropa geprägt – viele der Journalisten hatten bereits in ihren Heimatländern bei hebräischen Zeitungen gearbeitet. Die Presse in Palästina war von Anfang an zum großen Teil parteigebunden, eine neutrale Presse gab es nur sehr eingeschränkt. Für Meinungsvielfalt war aber durch die sehr unterschiedlichen politischen, weltanschaulichen und religiösen Richtungen der Zeitungen gesorgt.

Mitte der dreißiger Jahre gehörten zu den wichtigsten hebräischen Tageszeitungen die Gewerkschaftszeitung „Davar“ (Das Wort), der bürgerlich-rechte „Ha´Boker“ (Der Morgen) und die unabhängige „Ha´Aretz“. Hinzu kam die englischsprachige „Palestine Post“, 1939 wurde die „Jedioth Achronoth“ gegründet.

Auflage und Leser

Im Jahre 1934 kamen alle Zeitungen Palästinas zusammen auf eine Gesamtauflage von 30.000 Exemplaren – bei einer jüdischen Bevölkerung von etwa 250.000 Menschen heißt das, dass auf acht bis neun Einwohner eine Zeitung kam. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Leserzahl der Zeitungen tatsächlich deutlich höher war: Im Jischuw, einer jüdischen Siedlung, lebte man häufig auf dem Lande in Kooperativen zusammen und teilte sich auch die Zeitungen. Zudem ist zu vermuten, dass mehrere Familien aus finanziellen Gründen gemeinsam nur eine Zeitung abonnierten.

Miriam Elmers , Miriam Elmers

Miriam Elmers - ...geboren 1971 im ostwestfälischen Bad Driburg. Schon als Kind war mir eigentlich klar, was ich im Leben am liebsten will: ...

rss