Die Architektur von Klöstern

Wie das klösterliche Leben den Gebäudebestand bestimmt

Rekonstruktion des Klosters Cluny um 1150 - Sabine Peitz
Rekonstruktion des Klosters Cluny um 1150 - Sabine Peitz
Die verschiedenen geistlichen Orden haben an die Architektur und den Gebäudebestand ihrer Klöster völlig unterschiedliche Anforderungen.

Mit den Klosterreformen des Mittelalters, aber auch der Gründung neuer Orden, differenzierten sich die Anforderungen an die klösterlichen Anlagen. So entwickelte im Laufe der Zeit jeder Orden und sogar jedes Kloster seine eigenen architektonischen Eigenheiten.

Alle Macht den Klöstern: Cluny

Schon das Kloster des St. Gallener Planes hat Ausmaße, die selbst die meisten Königspfalzen nicht einmal annähernd erreichten. Doch der St. Gallener Plan wurde von so mancher tatsächlich errichteten Klosteranlage noch weit in den Schatten gestellt. Zu diesen großen Klöstern gehörte Cluny, der Ausgangspunkt der kluniazensischen Klosterreform innerhalb des Ordens der Benediktiner.

Clunys Vorreiterrolle bei der Wiedereinführung von Zucht und Ordnung in die bis dahin recht weltlich gewordenen benediktinischen Klöster führte zu einem enormen Zulauf an Mitgliedern. Bald wurde die Kirche zu klein, um die ständig wachsende Gemeinschaft aufzunehmen. 1088 nahm daher Abt Hugo I. den Bau einer neuen Kirche und den Umbau der restlichen Anlagen in Angriff. Das Ergebnis, als Cluny III bekannt, war ungeheuerlich.

Bis zu 1.200 Patres und Brüder lebten hier. Ja, die Anlage war so groß, dass 1245 ein Treffen zwischen dem französischen König Ludwig dem Heiligen und Papst Innozenz IV mitsamt ihrem jeweiligen Gefolge stattfinden konnte, ohne dass der normale Klosterbetrieb in irgendeiner Weise gestört wurde.

Patres, Fratres und Konversen

In der Regel des heiligen Benedikt nehmen Gebet und Arbeit den gleichen Stellenwert ein. Im Rahmen der kluniazensischen Reform wurde der Schwerpunkt jedoch in Richtung Gebet und Gottesdienst verschoben. Folglich nahm auch die Zahl der zu Priestern geweihten Mönche, der Patres, gegenüber den Fratres, den Laienbrüdern, zu. Ursprünglich waren die Laienbrüder deutlich in der Mehrheit.

Zum Ausgleich bildete sich die Gemeinschaft der Konversen, der dienenden Brüder, heraus. Ihre Aufgabe bestand in der Verrichtung der zur Versorgung des Klosters anfallenden Arbeiten. Ihr Tagesablauf folgte eigenen, weniger vom Gottesdienst bestimmten Regeln. Aus diesem Grund wurden für die Konversen auch eigene Räumlichkeiten, komplett mit Dormitorium, Refektorium und Latrinen, nötig. Mönche und Konversen sollten sich in ihrem Tagesablauf ja möglichst nicht gegenseitig stören. Im Kloster Cluny III lag der Konversentrakt im Westen des Klausurbereiches, in der Nähe der Herberge und der Stallungen.

Im Grundriss sind folgende Gebäude zu erkennen: schwarz: Kirche Cluny III und Reste der alten Kirche Cluny II; dunkelblau: Mönchsküche (MK), Laienküche (LK), Bäckerei (B), Lagerraum (Lg) und Refektorium (R); hellblau: Kapitelsaal (K), Sprechraum (S), Mönchssall (M); über diesen Räumen das Dormitorium; dunkelgrün: Hospital mit eigenem Kreuzgang (HKg); hellgrün: Konversentrakt; rot: Räume für hochgestellte Gäste; orange: Herberge (H) mit Stallungen (S); gelb: Noviziat mit Kreuzgang (NKg); weiß: Hauptkreuzgang (Kg), Latrinen, Friedhofskapelle (FK).

Die Klöster der Zisterzienser

So verschieden die geistlichen Orden waren, die im Laufe des Mittelalters neben den Benediktinern gegründet wurden, so verschieden war auch die Art, in der ihre Mitglieder neue Klöster errichteten. Noch recht nah an der Grundform des christlichen Klosters liegen die Bauten der Zisterzienser. Auffällig an den Klöstern der Zisterzienser ist zunächst einmal, dass ihre Kirchen, wie auch die Kirchen der Bettelorden, keine Türme haben. Nur ein kleiner Dachreiter über der Vierung nimmt die Glocke auf, die zum Gebet ruft.

Bei näherem Hinsehen wird jedoch deutlich, dass es sich bei den Klöstern der Zisterzienser um regelrechte Doppelanlagen handelt, in denen Mönche und Konversen jeweils einen eigenen Flügel der Klausur bewohnen. Sie betreten die Kirche sogar durch getrennte Eingänge.

Die Farben und Abkürzungen im Grundriss entsprechen jenen im Grundriss des Klosters Cluny mit folgenden Ergänzungen: LR: Konversenrefektorium; B: Brunnenhaus; SC: Schranke des Mönchschores.

Die Kartäuserklöster – Gemeinschaften von Einsiedlern

Die Klöster der Kartäuser sind hingegen völlig anders aufgebaut. Jeder Mönch bewohnt hier, quasi als Einsiedler, ein eigenes kleines Haus mit Garten. Die Häuser sind rund um den Kreuzgang angeordnet, der auch als Friedhof dient. Die Kirche ist relativ klein, da die „Klostergemeinschaft“ nur wenige Mitglieder hat. Eine wirkliche klösterliche Gemeinschaft bilden die halb einsiedlerischen Kartäuser, denen das Reden außerhalb des Gebetes strengstens verboten ist, nicht.

Selber anschauen

Mittelalterliche Klosterbauten sind so vielfältig wie die Menschen, die sie errichtet haben. So ähnlich auch die Anforderungen waren, denen folgend die Klöster gebaut wurden, so verschieden sind die Ergebnisse. Erst wer sich auf den Weg macht und die Klöster Frankreichs, die romanischen Klosterkirchen im Rheinland und in Westfalen oder die Kirchen der norddeutschen Backsteingotik miteinander vergleicht, dem wird sich die Vielfalt klösterlicher Architektur erschließen.

Lesetipps

Yves Christe/Hanna Losowska/Roland Recht/Tania Velmans: Handbuch der Formen- und Stilkunde – Mittelalter, Stuttgart; Berlin; Köln; Mainz 1992.

Joan Evans: Blüte des Mittelalters, Eltville 1986.

Gudrun Gleba: Klosterleben im Mittelalter, Darmstadt 2004.

Clemens Kosch: Kölns romanische Kirchen. Architektur und Liturgie im Hochmittelalter, Regensburg 2000.

Bernhard Schütz: Klöster, München 2004.

Christian Peitz, Sabine Peitz

Christian Peitz - Schon fast mein ganzes Leben begleiten mich Modelleisenbahnen und ihre Vorbilder. Speziell die Zeit der Dampfloks hat es mir in Vorbild ...

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