Die armen Akademiker

viele Akademiker stehen unten auf der Lohntreppe - (c) Klaus-Uwe Gerhard / pixelio.de
viele Akademiker stehen unten auf der Lohntreppe - (c) Klaus-Uwe Gerhard / pixelio.de
Nicht jeder Studierte hat Chancen auf einen guten Verdienst. Viele verdienen sogar weniger als ihre gelernten Kollegen.

"Ein Akademiker hat guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt und natürlich ein besseres Gehalt als die nichtstudierten Kollegen", so glaubt der Volksmund. In vielen Branchen und Studienfächern mag dies auch noch stimmen. Allerdings zeigt sich auch bei den Akademikern ein sehr steiles Gehaltsgefälle, dass gerade auf soziale Berufe besonders zutrifft.

Die Bestverdiener sind in der Wirtschaft

Wer BWL oder VWL studiert hat, kann sich glücklich schätzen. Hier sind die Verdienstchancen relativ hoch – vor allem, wenn man nach dem Studium noch ein Traineeprogramm absolviert. Einstiegsgehälter von jährlich 40.000 Euro bei Versicherungen, Banken oder Pharmaunternehmen sind dann keine Seltenheit, sondern eher die Regel. Neben dem Unternehmen ist natürlich noch die Fachrichtung ein Indiz für den Verdienst. Wer sich im Studium auf Finanzen und Vertrieb spezialisiert hatte, gehört wohl sicher zu den besser verdienenden Berufseinsteigern. Hier kann ein Absolvent mit bis zu 70.000 Euro jährlich rechnen.

Das finanzielle Mittelfeld

Ärzte im Angestelltenverhältnis verdienen nach einigen Jahren recht solide. Durchschnittlich kann ein Arzt mit 4.500 Euro brutto pro Monat rechnen. Bedenkt man aber die hohe Arbeitsstundenzahl relativiert sich dieser ansehnliche Betrag wieder. Auch Lehrer können sich zum Mittelfeld zählen. Das Anfangsgehalt für Grundschullehrer im Beamtenstatus liegt bei rund 2.800 Euro brutto, für Gymnasiallehrer sogar bei 3.100 Euro brutto plus Zusatzleistungen. Für Angehörige dieser Berufsklassen mag dies nicht viel sein, doch es gibt Berufsgruppen, die noch weit weniger verdienen.

Das Schlusslicht sind die Geisteswissenschaftler und Künstler

Theaterwissenschaftler, Soziologen, Pädagogen und dergleichen haben einen schweren Stand in der Welt der Gehalteinstufung. Glücklich kann sich noch schätzen, wer eine Stelle findet, die nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes (kurz TvöD) bezahlt wird. Pädagogen- und Psychologenstellen werden hier meist nach TvöD 9 vergütet. In Zahlen bedeutet dies ein Brutto-Einstiegsgehalt von rund 2.200 Euro. Unternehmen, die allerdings nicht nach TvöD bezahlen, genehmigen ihren Mitarbeitern noch weit geringere Bezüge. Monatslöhne von 1.800 Euro brutto sind keine Seltenheit. Damit verdient ein studierter Geisteswissenschaftler weit weniger als ein Elektrotechniker, der durchschnittlich 3.000 Euro erhält.

Doch die Gehaltspirale lässt sich noch weiter nach unten schrauben. Wer keine Anstellung gefunden hat, wird meist als freiberuflicher Dozent für Bildungsträger tätig. Und hier liegt der Stundenlohn oft nur bei 15 Euro. Die Vor- und Nachbereitungszeit für den Unterricht wird dabei nicht vergütet. Von dem Lohn müssen dann noch Steuer und Sozialabgaben bezahlt werden. Das Endergebnis liegt dann unter dem Nettoverdienst einer Bürokauffrau. Für viele ist dies schon fast ein Verlustgeschäft. Wenn also ein Akademiker sogar weniger verdient als jemand in einem gelernten Beruf, wohlgemerkt ohne Zusatz- oder Weiterbildung, ist der Frust natürlich groß.

Warum werden manche Berufsgruppen so schlecht bezahlt?

Die obigen Berufsgruppen sind meist im sozialen Bereich tätig und deshalb auf öffentliche Gelder angewiesen. Und wie bekannt ist, wird gerade im Sektor Bildung und Soziales immer mehr gespart. Dies wird daran deutlich, dass Bildungsträger sich oft auf Maßnahmen bewerben müssen. Genommen wird dann häufig der Anbieter, der am billigsten ist. Somit bleibt dem Träger kein Spielraum für angemessene Gehälter.

Dazu kommt auch, dass die entsprechenden Berufe von der Gesellschaft nicht sehr hoch bewertet werden. Psychologe ist doch irgendwie jeder und ein Pädagogikstudium ist doch nur Ringelpiez mit anfassen. Doch gerade diese Berufsgruppen haben eine hohe soziale Verantwortung. Das Klientel in diesem Berufsgruppen ist oft aufreibend und die Arbeitsbedingungen sehr belastend. Dies gepaart mit den schlechten finanziellen Vorraussetzungen führt oft zu Zukunftsängsten. Diese können zu einem schlechten Arbeitsklima bis hin zu Mobbing führen. Aber auch Burn Out und Depressionen sind gerade in den obigen Berufsgruppen häufig zu finden.

Quellen:

Kommunikation, Stefanie Vogel

Stefanie Vogel - Geboren wurde ich Anfang der 1970ern im Bundesland Hessen und bin nun im Rheingau Zuhause. Nach dem Abitur und einer mäßig ...

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