Eine Vielzahl von Anschlägen schlug fehl – dem Titel eines Buch von Will Berthold zufolge gab es insgesamt „42 Attentate auf Adolf Hitler“. Eine ganze Reihe davon scheiterte erst in letzter Sekunde, so dass der Diktator dies schließlich sogar als Wink des Schicksals ansah. Er sah sich davon bestätigt, dass sein Leben immer wieder den Anschlägen entging – für die Personen im Widerstand schien sich zu bestätigen, dass sie gegen den leibhaftigen Teufel kämpften.
Schlechtes Wetter rettete Hitler
Der erste Anschlag, dem der Tyrann um Haaresbreite entging, fand an der Stätte statt, an der er seine ersten politischen Schritte zelebrierte. Alljährlich trat Hitler im Bürgerbräukeller in München auf, wo er anläßlich des Putschversuchs von 1923 eine Rede hielt. So auch am Abend des 8. November 1939. Im Saal der Gaststätte hatte der Schreiner Georg Elser in wochenlanger Arbeit unter großer Gefahr eine Säule ausgehöhlt, in der er einen Sprengsatz versteckte. Dieser detonierte genau wie von ihm vorgesehen um 21.20 Uhr. Hitler, der sonst bei dieser Gelegenheit eine längere Rede hielt, mußte an jenem Abend wegen Nebels jedoch statt des Flugzeugs den Zug nehmen. Eine knappe Viertelstunde zuvor hatte der „Führer“ den Ort verlassen, der Bombe fielen acht Besucher zum Opfer. Am 13. März 1943 retteten ähnliche Umstände den Diktator ein weiteres Mal. Der Offizier von Tresckow schmuggelte anstelle einer Cognacflasche eine Bombe in Hitlers Flugzeug. Doch der Zünder aus englischer Produktion, vorher mehrfach getestet, vereiste im Frachtraum der Maschine. Die viermotorige „Condor“ brachte Hitler wohlbehalten von seinem Besuch aus Russland zurück. Etwa eine Woche später versuchte Freiherr von Gersdorff, den Diktator im Stil von Selbstmordattentätern zu töten. Anläßlich einer Ausstellung mit erbeuteten Waffen aus Russland schärfte der Offizier bei Hitlers Eintreffen den Zeitzünder eines Sprengsatzes, den er am Leib trug. Doch Hitler hielt sich nur wenige Minuten im Berliner Zeughaus auf, wo die Ausstellung eröffnet wurde. Von Gersdorff gelang es mit knapper Not, auf einer Toilette die Bombe wieder zu entschärfen, bevor er mit ihr hochgegangen wäre.
Stauffenberg scheiterte an Baracke
Der bekannteste Attentatsversuch ist zweifellos der vom 20. Juli 1944, der zusammen mit einem Staatsstreich durchgeführt werden sollte. Der Generalstabsoffizier Claus Graf Schenk von Stauffenberg hatte Zugang zu Hitler und deponierte eine Bombe in seiner Aktentasche. Diese explodierte im Konferenzraum in einer Baracke der „Wolfsschanze“, Hitlers Hauptquartier. Stauffenberg wurde bei der Vorbereitung des Attentats gestört, so dass es ihm nur gelang, die Hälfte der vorgesehenen zwei Kilogramm Sprengstoff in die Tasche zu packen. Ein großer Teil des Explosionsdrucks konnte entweichen, vier Anwesende starben. Hitler entging dem Anschlag, auch geschützt durch den schweren Eichentisch im Bespechungsraum, nur leicht verletzt. Die Widerstandskämpfer, die Attentat und Putsch vorbereitet hatten, fielen fast alle Hitlers Rache zum Opfer. Von Henning von Tresckow, der sich nach dem Misslingen selbst tötete, stammte der berühmte Ausspruch, es komme vor allem darauf an, dass der deutsche Widerstand „den entscheidenden Wurf gewagt hat“. Hitler überlebte alle Versuche, ihn zu töten, bis er sich selbst das Leben nahm, nach weiteren Zerstörungen und Millionen Toten. Bei einem Attentat, dessen Gelingen viel Elend brachte, hatten zwei Schüsse genügt. Bevor Gavrilo Princip überwältigt wurde, hatte er im Juni 1914 nur wenig Zeit zu zielen. Eine Kugel tötete Franz Ferdinand, die andere seine Frau Sophie.
