Wenn der Name Augsburg fällt, kommt vielen automatisch die Augsburger Puppenkiste mit Kater Mikesch, dem Urmel aus dem Eis und Jim Knopf in den Sinn. Es sind Marionetten, die Kindern die Weisheiten des Lebens schon in den 50er Jahren aufzeigten. Obwohl die Marionetten, geführt von Fäden am Spielkreuz, nicht fähig sind Gefühle auszudrücken, eroberten sie die Wohnzimmer und Herzen der Menschen in aller Welt.

Geschichte der Augsburger Puppenkiste

Der Schauspieler Walter Oehmichen war 1940 als Soldat in einer Schule in Calais einquartiert. Dort entdeckte er ein kleines Puppentheater und hatte Spaß daran, seinen Kameraden mit Vorführungen den Alltag erträglicher zu machen. In ihm reifte der Gedanke eines eigenen kleinen, flexiblen Puppentheaters. Damit Kulissen, Puppen und alles Zubehör jederzeit und überall einsatzbereit sein konnten, bauten er, seine Frau Rose und die Töchter Hannelore und Ulla ihr eigenes Marionettentheater auf. Der erste Puppenschrank verbrannte 1944 bei einem Bombenangriff. Das neue Puppentheater entstand 1948 nach dem Kriegsende, im ehemaligen Heilig-Geist-Spital, in Augsburg. Bei der Premiere wurde das Märchen „Der gestiefelte Kater“ aufgeführt.

In den folgenden Jahren wurden weitere Märchen vom ständig anwachsenden Ensemble unter der Leitung von Manfred Jenning inszeniert. Liebevoll interpretierte Opern und eigene Stücke folgten. Mit dem Fernsehspiel „Peter und der Wolf“ wurde die Augsburger Puppenkiste 1953 weit über die Grenzen Augsburgs bekannt. Mit dem Film „Story von Monty Spinneratz“ gelang der dritten Generation der Augsburger Puppenkiste 1997 der Sprung auf die Leinwand. Es folgten unzählige Fernsehproduktionen. Der 50. Geburtstag der Augsburger Puppenkiste wurde 1998 mit einer zweijährigen, erfolgreichen Deutschlandtournee gefeiert. In dieser Zeit gab es eine Wiederbelebung der dreizehnteiligen Serie: „Lilalu im Schlepperland“.

Das Augsburger Puppentheater

Es wurden bisher etwa 15 000 Vorstellungen gezeigt. In ihnen vermitteln die liebevoll gestalteten Puppen dem gebannten Publikum, wie Frau Malzahn (Jim Knopf) es ausdrücken würde, dass man nur durch „lernen, lernen und lernen“ im Leben bestehen kann. Saßen die Zuschauer im ursprünglichen Theater in der Spitalgasse noch ungemütlich auf einer Art Bierbank und mussten, um vom Geschehen etwas mit zu bekommen, den Kopf schief halten, hat sich die Puppenkiste bis zum Jahre 2000 zu einem Theaterbetrieb mit bequemen Sitzplätzen und einem eigenen Tonstudio entwickelt.

Die "Macher" der Augsburger Kiste richten 2012 den Schreibwettbewerb der Augsburger Puppenkiste aus.

Geliebte Darsteller

Es sind unter anderen der Kasperl, die Muminfamilie, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, der Kater Mikesch, der kleine dicke Ritter, das Urmel, Bill Bo, Schlupp vom grünen Stern, der Zauberer Schmollo und das Sams, die die Puppenkiste weit über die Grenzen Augsburgs hinaus bekannt machten.

Die Macher hinter den Marionetten

Der Gründer des Familienunternehmens Walter Oehmichen, seine Frau Rose, die Puppenschnitzerin Hannelore Marschall-Oehmichen, der Intendant und Künstler Hanns-Joachim Marschall, Regisseur Manfred Jenning, sein Nachfolger Seppel Strubel, Theaterdirektor in der dritten Generation, Klaus Marschall und der Puppenschnitzer Jürgen Marschall bilden das Herzstück des Marionettentheaters. Die Drehbücher wurden auch von namhaften Autoren, wie James Krüss und Max Kruse, geschrieben. Am 21.1.2012 verstarb die langjährige Puppenführerin, Sprecherin, Cutterin und Chroreografin der Augsburger Puppenkiste, Margot Schellemann.

Aussagen von Fans

„Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich als kleines Kind jeder Folge vom Urmel entgegen gefiebert habe!“

„Meine Lieblinge sind das Urmel sowie Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Auch nach fast 40 Jahren sind diese Figuren lebendiger Bestandteil meiner Kindheitserinnerungen. Urmeli mit dem Schnuller, Pfupf in der Mupfel, der singende Seelefant, Jim mit dem zuknöpfbaren Loch in der Hose, Frau Waas' Gugelhupf, der Scheinriese – wie könnte man sie vergessen?

Der jüngste Ursaurier der Welt feiert Geburtstag

Es ist das Urmel, laut seinem „Entdecker“ Naturkundeprofessor Prof. Habakuk Tibatong, „Bindeglied zwischen Säugetier und Dinosaurier“, das das große Massensterben der Dinosaurier überlebte und in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiern konnte. Das Augsburger Puppentheatermuseum feierte den Geburtstag vom Urmel mit einer Dauerausstellung, in der das Original-Storyboard zu der Serie und das tiefgefrorene Ei, in dem das Urmel einst angereist kam, zu sehen sind.

Aktuelles von der Puppenkiste

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle kritisiert die aktuelle Programmpolitik des Kinderkanals, der die Serien Jim Knopf und Urmel, der Augsburger Puppenkiste,aus dem Programm nehmen will. Er stellt den medienpädagogischen Ansatz des Senders in Frage.

Die Medien äußern sich zum Thema:

Augsburger Allgemeine

Spaenle legt ein Wort für Jim Knopf ein - Der Kultusminister fordert den Verbleib

der Filme im Kinderkanal.

Welt.de Fernsehen:Zu viel Trash - TV-Comeback der Augsburger Puppenkiste gefordert

Eltern:

Chef der Augsburger Puppenkiste fürchtet um Fantasie von Kindern

t-online Forum.de:

Stadtzeitung

Puppenkiste nicht mehr gefragt? - Der Kinderkanal Kika mustert die Holzköpfe aus -

die Begründung: das Figurentheater sei "zu langweilig" und "zu langsam".

Auf Facebook besteht die Möglichkeit zum Thema zu diskutieren.

Kabarett in der Puppenkiste

Jürgen und Michael Marschall schnitzen ihre Charakterköpfe mit Überraschungs- und auch

Gruseleffekten und stellen Puppen der Augsburger Puppenkiste im TV und im Kabarett 2012 vor.

Ehrungen

Die Fernseharbeit der Augsburger Puppenkiste wurde 2004 mit der Verleihung des Fernsehpreises: „Die goldene Kamera“ belohnt.