Den Beruf der Fachkraft für Lebensmitteltechnik gibt es jetzt seit 31 Jahren. Es ist also noch ein relativ junger Beruf. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Es handelt sich um eine duale Ausbildung, das heißt, der Auszubildende arbeitet im Betrieb mit und besucht regelmäßig eine Berufsschule, um seine Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen.
Voraussetzungen
Wer Interesse an einer Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik hat, sollte einen mittleren Realschulabschluss vorweisen. In einigen Fällen ist es aber auch möglich, mit einem Hauptschulabschluss und Berufserfahrung durch Hilfstätigkeiten in der Lebensmittelindustrie in die Ausbildung einzusteigen. Interesse an Technik und den naturwissenschaftlichen Fächern, also Physik, Chemie und Biologie ist von Vorteil. Auch Mathematik-Grundkenntnisse sind notwendig um bei der theoretischen Ausbildung mitkommen zu können.
Während der Ausbildung bekommt der Auszubildende eine Ausbildungsvergütung, die im Bedarfsfall durch Berufsausbildungsbeihilfe aufgestockt wird, sodass die finanzielle Grundsicherung während der Ausbildung gegeben ist. Die Auszubildenden müssen dazu bereit sein, während der Arbeit Arbeitskleidung zu tragen, die ihrem Schutz und der Einhaltung der Hygienevorschriften dient. Auszubildende die bereits volljährig sind, müssen häufig auch bereit sein, schon im Schichtsystem mitzuarbeiten, also auch nachts und am Wochenende.
Man muss sich darauf einstellen, dass während der Arbeit permanenter Maschinenlärm die Nerven belastet. Zu den täglichen Aufgaben gehören auch Reinigungsarbeiten. Häufig müssen unangenehme Gerüche in Kauf genommen werden.
Die Ausbildung im Betrieb
Die Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik ist sehr breit gefächert. Es gibt eine Vielzahl von Betrieben, die unterschiedliche Lebensmittel herstellen. In den einzelnen Betrieben gibt es eine Vielzahl von Abteilungen, in denen die Auszubildenden mitarbeiten können. Ein Ausbilder ist dafür zuständig einen Ausbildungsplan zu entwickeln und die Vermittlung notwendiger Grundkenntnisse und Fertigkeiten sicher zu stellen. Er steht den Auszubildenden bei allen Fragen rund um Ausbildung und Beruf beratend zur Seite. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über mögliche Abteilungen innerhalb eines Betriebes und einige Beispielaufgaben, die in diesen Abteilungen anfallen:
Qualitätssicherung
Zur Qualitätssicherung gehört sowohl die Kontrolle der Lebensmittel, als auch die Kontrolle der Einhaltung von Hygienevorschriften und die Kontrolle des Produktions- und Verpackungsprozesses, um sicher zu stellen, dass die Lebensmittel mit einwandfreier Qualität die Firma verlassen. Die Lebensmittel werden von den Rohwaren bis zum fertigen Produkt stichprobenartig kontrolliert. Hierfür werden in Laboren verschiedene Analyseverfahren angewandt, sowie sensorische Prüfungen durchgeführt.
Zur Kontrolle des Produktions- und Verpackungsprozesses werden Maßstäbe festgesetzt und Formblätter entwickelt, sowie die Umsetzung kontrolliert. Das Personal wird regelmäßig von der Qualitätssicherung geschult, um sicher zu stellen, dass die Hygienevorschriften bekannt sind und eingehalten werden.
Produktion
Hier werden die Lebensmittel mit Hilfe von komplexen Maschinen verarbeitet. Die Auszubildenden lernen die Steuerung der Maschinen kennen. Wenn Störungen auftreten, müssen diese behoben werden. Häufen sich Störungen müssen die Ursachen gefunden und behoben werden. Für den Wechsel der zu produzierenden Produktsorten müssen häufig kleinere oder auch größere Umbauten an den Maschinen vorgenommen werden. Auch die Reinigung und Wartung der Maschinen ist notwendig. Bei allen Arbeiten müssen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften eingehalten werden.
Verpackung
Hier werden die Lebensmittel verpackt. Auch dies erfolgt durch komplexe Maschinen, deren Steuerung erlernt werden muss. Auch hier können Störungen auftreten, es finden Sortenwechsel statt, die Maschinen müssen umgebaut, gereinigt und gewartet werden und selbstverständlich müssen auch hier alle Hygiene- und Sicherheitsvorschriften zum Selbstschutz und zum Schutz der Verbraucher eingehalten werden.
Produktentwicklung
In der Produktentwicklung wird mit verschiedenen Zutaten experimentiert und es werden Tests mit kleineren Maschinen durchgeführt, bevor neue Produkte im großen Stil produziert werden können.
Die Ausbildung in der Berufsschule
Berufsspezifische Kenntnisse werden in Lernfeldern vermittelt. Außerdem wird im berufsübergreifenden Bereich Deutsch, Englisch, Informatik, Wirtschaft- und Sozialkunde und Sport unterrichtet. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die einzelnen Lernfelder und Beispiele für Inhalte der Lernfelder.
Lebensmittelinhaltsstoffe untersuchen: In diesem Lernfeld werden Grundsätze der gesunden Ernährung vermittelt und die einzelnen Lebensmittelinhaltsstoffe (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Wasser) grob behandelt.
Lebensmittel und Materialien lagern: Hier wird auf Gefahren (physikalische, chemische und biologische), die während der Lagerung und beim Transport von Lebensmitteln auftreten können, hingewiesen. Es werden verschiedene Lagerungsmöglichkeiten diskutiert und Sicherheitsanweisungen behandelt.
Lebensmittel vorbehandeln: In diesem Lernfeld werden theoretische, technische Grundkenntnisse vermittelt. Dazu gehört etwa das Lesen und Erstellen von Fließbildern, die Symbole verfahrenstechnischer Anlagen und technische Verschlüsselungen. Anschließend wird auf Vorbehandlungsverfahren von Lebensmitteln eingegangen.
Anlagen reinigen und pflegen: Hier werden verschiedene Werkstoffe und Materialien behandelt, sowie verschiedene Maschinen und Reinigungsverfahren. Es wird auch auf die chemische Zusammensetzung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln eingegangen, sowie Sicherheitsvorschriften erwähnt.
Lebensmittelqualität prüfen und sicherstellen: In diesem Lernfeld werden lebensmittelrechtliche Bestimmungen behandelt, wie z.B. die Kennzeichnungsverordnung. Außerdem wird auf das HACCP-Konzept zur Beherrschung von Gefahren für den Verbraucher, eingegangen.
Verpackungsprozesse steuern und kontrollieren: Hier werden verschiedene Verpackungsarten und Verpackungsprozesse näher erläutert.
Lebensmittel konservieren: In diesem Lernfeld werden verschiedene Konservierungstechniken behandelt, z.B. Gefriertechniken oder auch Hitzebehandlungen und auch chemische Konservierungsverfahren.
In den folgenden Lernfeldern werden dann spezifische Lebensmittelarten und entsprechende spezifische Herstellungsmöglichkeiten vertieft:
- Getränke herstellen
- Kohlenhydrat- und fettreiche Lebensmittel herstellen
- Eiweißreiche Lebensmittel herstellen
- Vitamin- und Mineralstoffreiche Lebensmittel herstellen
Abschließend werden in Gruppenarbeitsprojekten neue Produkte entwickelt und die Ergebnisse der Produktentwicklungen werden in der Berufsschule präsentiert.
Prüfungen und Perspektiven
Nach der Hälfte der Ausbildung gibt es eine praktische und eine theoretische Zwischenprüfung. Am Ende der Ausbildung steht eine theoretische Prüfung, wo mit gebundenen (Multiple Choice, Ankreuztests) und ungebundenen (freie Formulierung) Aufgaben, das Wissen der Auszubildenden in den Bereichen Technik, Qualitätsmanagement, sowie Wirtschaft- und Sozialkunde geprüft wird.
Bei Nichtbestehen ist eine Nachprüfung möglich. Wird auch diese nicht bestanden, kann ein halbes Jahr nach gelernt werden und dann erneut eine Prüfung absolviert werden. Besonders gute Auszubildende können die Ausbildung auch um etwa ein Jahr verkürzen und die Abschlussprüfung somit früher ablegen.
Auf die theoretische Prüfung folgt die praktische Prüfung. Hier wird den Prüflingen bei der Arbeit im Betrieb über die Schulter geschaut. Nach der Ausbildung arbeiten Fachkräfte für Lebensmitteltechnik meist als Anlagenführer in Produktion oder Verpackung, gelegentlich auch als Hilfskräfte in Qualitätssicherung oder Produktentwicklung. Durch Fortbildungen etwa zum Industriemeister eröffnen sich weitere Perspektiven, für interessante Aufgaben etwa auf mittlerer Führungsebene in der Lebensmittelproduktion.
Quelle: eigene Recherche
