
- Freiburger Bächle - Norman Oelker
Urkundlich erwähnt wurden die feuchten Wahrzeichen der Stadt bereits um 1220. verschiedene Archäologen vermuten aber bereits Anlagen zu Zeiten der Stadtgründung um 1120. Heute ist Freiburg eine der wenigen Städte, in denen noch solche Bewässerungsanlagen zu finden sind. Die kleinen Wasseradern durchlaufen die Stadt auf einer Länge von 15,5 Kilometern. 9,1 Kilometer sind davon sichtbar und 6,4 Kilometer abgedeckt. Die relativ große abgedeckte Strecke ist dem Verkehrsaufkommen in der Stadt geschuldet.
Die Bächle in Freiburg und ihre Funktion
Im Mittelalter dienten die Bächle neben Brunnen der Wasserversorgung der Stadt. Meist als Brauchwasserquellen wie zum Tränken der Tiere, aber auch als Löschmittel in Brandfällen. Sie leiteten auch das Regenwasser aus der Stadt. Damit nicht all zu viel anderes von ihnen transportiert wurde, gab es bereits seit dem 14. Jahrhundert Anordnungen gegen die Verschmutzung der Bächle. Nach ihrem Weg durch die Stadt wurden sie dann zur Bewässerung der Felder benutzt.
Die Bächle in Freiburg waren nicht immer unumstritten. Aber sie überstanden vermeintlichen Fortschritt nicht nur in der Gegenwart, sondern auch schon vor über einhundert Jahren. Noch heute läuft die Straßenbahn trotz Protestes eines damaligen Ingenieurs direkt neben einem kleinen Wasserlauf. Auch der Straßenverkehr konnte ihnen nichts anhaben. Ganz im Gegenteil: Freiburgs Innenstadt ist Fußgängerzone geworden und die Bächle sind immer noch da.
Die Touristenattraktion heute
An über 60 Straßen und Plätzen findet man die Bächle. Vom Einlauf am Schwabentor fließen sie durch ein natürliches Gefälle durch die Stadt. Das Wasser kommt aus der Dreisam in den Gewerbekanal und wird davon abgezweigt. Der Bach in der Herrenstraße ist dabei der Hauptzubringer für das Bachsystem. Verwendete man früher Buntsandstein für die Einfassungen und das Bett der Bächle, so wird heute meist Granit und für die Sohle Basaltpflaster verwandt. Bei zu viel Wasser in den Bächle treten Überlaufschwellen in Aktion, welche das Wasser in die öffentliche Kanalisation oder den Gewerbebach ableiten. Ihre Bedeutung für die Wasserwirtschaft der Stadt haben die kleinen Bäche nach 1850 mit der Modernisierung des Wassernetzes in der Stadt und dem Bau von Hydranten verloren. 1944 leisteten sie aber nach dem Luftangriff auf die Innenstadt noch einmal wertvolle Dienste als Löschwasserquellen.
Für ein immer adrettes Aussehen der Touristenattraktion sind zwei eigens von der Stadtverwaltung Freiburg bestellte hauptamtliche Bächleputzer zuständig. Sie sorgen dafür, dass kein Unrat die Wasserläufe stört. Diesen Beruf gibt es wahrscheinlich schon seit Ende des 17. Jahrhunderts. Da können einem dann schon einmal die Worte Johann Peter Hebels in den Sinn kommen: „Z’Friburg in der Stadt, sufer isch’s un glatt.“
Anekdoten über die Freiburger Bächle
Es gibt unzählige Anekdoten über die Freiburger Bächle. Nach einer davon wird jeder, der unbeabsichtigt in ein Bächle tritt, später einen Freiburger oder eine Freiburgerin heiraten. Ob das zutrifft, bleibt dahingestellt. Auf jeden Fall sollte man in der Freiburger Innenstadt immer ein wenig die Augen offen halten. das Mindeste, was man sich holen kann, sind nasse Füße. Und sollte es einmal mehr werden, ist auch das in Bezug auf die Folgen bereits geklärt. 1964 brach sich ein Mann nach einem Sturz in ein Bächle ein Bein. Die Kosten musste er laut Gerichtsurteil zu einem drittel selbst tragen. Die Begründung unterstellte ihm, dass er nach einem Tag Aufenthalt die Bächle in der Stadt hätte bemerken müssen.
Die Bächle haben natürlich einen Bezug zur Gosse und so haben sie auch in die Freiburger Gossensprache Einzug gehalten: „Brunzdumm wie e Bächleseicher“ bescheinigt dem Angesprochenen einen Intellekt, der gerade dazu ausreichend ist, in die kleinen Wasserläufe zu urinieren.
