
- Hauptbahnhof in Berlin - Roman Lashkin
Schon wieder scheint die Bahn in Berlin das Ziel eines versuchten Anschlags gewesen zu sein. Am Vormittag des 11. Oktober 2011 entdeckten Mitarbeiter der Bahn an einer S-Bahnstrecke in Grünau zwei Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit, wie ein Bahnsprecher der Presse mitteilte.
Brandanschlag am Hauptbahnhof Berlin vereitelt
Erst am 10. Oktober 2011 war ein vermutlich verheerender Anschlag am Hauptbahnhof in Berlin vereitelt worden, bei dem sieben Brandsätze gefunden wurden, bevor sie explodieren konnten. Nicht verhindert werden konnte dagegen ein Brandanschlag auf einen Kabelschacht zwischen Brieselang und Finkenkrug im Kreis Havelland, durch den die Verbindung nach Hamburg gekappt wurde.
Zugverkehr mit Verspätungen und Komplettausfällen
In Folge des Anschlags kam es zu vielen Verspätungen und Komplettausfällen, die seitdem anhalten. "Wir hoffen, dass sich die Verhältnisse bis zum Dienstag stabilisieren." Kleinere Störungen im Betrieb werde es aber noch bis Mittwoch geben, äußerte sich ein Bahnsprecher zur aktuellen Situation. Pendler und Reisende zwischen Berlin und Hamburg müssen sich also noch eine Weile auf Verzögerungen einstellen, bis sich die Lage wieder normalisiert hat, da die ICE und IC-Züge über Stendal und Wittenberge umgeleitet werden müssen. Dadurch verlängert sich die Fahrzeit um etwa eine Dreiviertelstunde. Auch im Regionalverkehr kommt es zu Verspätungen und Ausfällen, die zum Teil durch den Einsatz von Ersatzbussen aufgefangen werden.
Antimilitaristische Gruppe im Visier der Ermittlungen
Ermittelt wird jetzt gegen eine antimilitaristische Gruppe, die sich selbst "Das Hekla-Empfangskommitee – Initiative für mehr gesellschaftliche Eruptionen" nennt und auf ihrer Homepage in einem Bekennerschreiben die Verantwortung für die Anschläge auf sich nahm.
Mit ihrer Aktion wollen sie gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan protestieren und sich zudem mit dem inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning solidarisieren, dem das US-Militär vorwirft, Interna an die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben.
So heißt es hier: "Unsere Aktion zielt nicht darauf, Menschen zu gefährden. Das haben wir bestmöglich ausgeschlossen. Die Terrorismuskeule sollten die Politiker_innen, Polizei und einige Medien also besser in der Tasche lassen. Denn terroristisch ist, wer Waffen baut, Geld daran verdient und beabsichtigt, Menschen damit umzubringen oder umbringen zu lassen."
Bekennerschreiben authentisch
Während das Landeskriminalamt Brandenburg das Bekennerschreiben nach einer vorläufigen Bewertung zwar für authentisch hält, gibt es keine weiteren Äußerungen der Polizeibehörden in Berlin und Brandenburg zum Stand der Ermittlungen. Zwischen beiden Anschlägen wird jedoch ein Zusammenhang vermutet.
Erst am 23. Mai 2011 hatte ein Brandanschlag auf das Kabelnetz am Berliner Verkehrsknotenpunkt Ostkreuz die Hauptstadt ins Chaos gestürzt und den Zugverkehr in Berliner Ostteil fast komplett lahm gelegt. Auch hier hatte sich eine linksautonome Gruppe im Internet per Bekennerschreiben zu dem Anschlag geäußert, die gegen die Atompolitik der Regierung protestieren wollte. Über weitere Erkenntnisse oder Festnahmen ist auch hier bisher nichts bekannt.
Der Text gibt den Sachstand von 11. Oktober 2011 wieder. Neuere Entwicklungen und Erkenntnisse sind nicht berücksichtigt.
Quellen: stern.de, rbb-online.de
