Die Basics des Bogenschießens – von Bogenart bis zum Pfeilreflex

Amazone beim Bogenschießen - RainerSturm / pixelio.de
Amazone beim Bogenschießen - RainerSturm / pixelio.de
Bogenschießen fasziniert viele. Um den Bogen als Anfänger einigermaßen beherrschen zu können, gibt es aber zuerst einiges zu lernen und vieles zu beachten.

Beinahe jeder hat in seiner Kindheit schon mal Pfeil und Bogen in der Hand gehabt. Obwohl es sich dabei meistens um selbstgebaute Bögen oder einfach nur Kunststoffbögen gehandelt hatte, so war es dennoch faszinierend. Wenn der Pfeil surrend von der Sehne flog und vielleicht auch noch das Ziel traf, war die Freude grenzenlos. Manche besinnen sich im Erwachsenenalter auf das Spielen mit dem Bogen und beginnen den Bogensport auszuüben.

Die Bogenarten

Bogensport jedweder Richtung wird mit zwei Grundausrüstungsarten betrieben: dem Bogen und dem Pfeil. Bei diesen gibt es nur geringe Unterschiede in der Verwendungsart (Sport-, Jagd-, Fischpfeil etc.) und im Material (Holz, Fiberglas, Metall). Die Bögen selbst variieren hier schon bedeutender: sie reichen von den sogenannten Primitivbögen (also Bögen wie sie auch von den Naturvölkern heute verwendet werden) über die Recurve-Blankbögen (die klassischen Bögen mit nach außen zeigenden Wurfarmenden) bis zu den hochtechnisierten Compoundbögen (diese werden auch beim olympischen Bogensport verwendet). Die Länge des Bogens wird nach den englischen Maßen in Zoll (1 Zoll= 2,54 cm) und die Zugstärke in lbs (1 Pfund= 453,5g) angegeben. Während Kinder mit einer Zugstärke von etwa acht bis zehn Pfund beginnen, schießt der erwachsene Mann mit etwa 30 lbs. Die Bogenlänge wird durch die Körpergröße und der Armlänge des Schützen bestimmt. Viele legen die Zugkraft ihres ersten Bogens zu hoch an, um nicht als Schwächlinge zu gelten. Sie bedenken nicht, dass sie den Bogen während des Trainings mehrere hundert Mal sicher spannen müssen. Denn ein wirkliches Kinderspiel ist auch Bogensport nicht: Durch unsachgemäße Benützung können schwerste Verletzungen entstehen.

Die weiteren Komponenten des Bogensportes

Nachdem der Aufbau und die Physik eines Bogens verstanden wurde, können die ersten Schüsse abgesetzt werden. Schnell wird sich sichtbarer Erfolg einsetzen. Aber um den Bogen wirklich zu beherrschen bedarf es einer immer konstanten Schussleistung, die von vielen Faktoren abhängt. Auch das Kennen dieser Komponenten gehört zu den Basics des Bogenschützen. Dazu zählt beispielsweise der korrekte technische Ablauf, Ankerhilfen (dabei wird die ausgezogene Sehne am Körper sicher fixiert), Atem- und Zieltechniken, sowie Übungen zur gezielten Kräftigung der einzelnen Muskelpartien. Auch das Wissen um den Pfeilreflex oder das Paradoxon des Bogenschießens gehört dazu.

Das Paradoxon des Bogenschießens

Bogenschießen ist im Grunde genommen ein einfacher Sport: man muss nur den Pfeil von der Sehne lösen und damit ein Ziel treffen. Die Schwierigkeit beginnt allerdings schon beim Lösen des Pfeiles. Schuld daran ist der sogenannte Pfeilreflex oder auch Paradoxon des Bogenschießens. Die Logik und der Sprachgebrauch („Pfeilgerade“) vermitteln, dass ein Pfeil absolut gerade fliegt. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: In dem Moment, wo der Pfeil von der Sehne angeschoben wird (also beim Lösen der Sehne), beginnt er sich zu winden. Bis er den Bogen vollständig verlassen hat, beschreibt der Pfeil eine doppelte S-Kurve. Diese Links-Rechtsbewegung muss dann in der Flugphase korrigiert werden: auch dazu sind die Federn des Pfeiles da. Das Lösen des Feiles (eigentlich der Pfeilnocke; das ist die „Gabelung“ am hinteren Ende des Pfeilschaftes, in der die Sehne hineingelegt wird) ist also der kritische Punkt. Es kann beim Anfänger durchaus vorkommen, dass ein technisch nicht einwandfrei durchgeführter Schuss einen unerwarteten Ausgang nimmt: der Pfeil fällt beim Schussvorgang einfach von der Sehne herunter. Die Sehne selbst peitscht auf den Unterarm des Schützen. Auch deshalb ist ein Armschutz unerlässlich. Es dauert einige Zeit, bis der Amateur so weit ist, dass die meisten Schüsse in etwa gleich ablaufen.

Intuitives und berittenes Bogenschießen

Manche sehen im Bogenschießen nicht nur einen Sport sondern auch ein Lebensgefühl. Beim Zen-Bogenschießen steht beispielsweise – ganz der asiatischen Weisheit entsprechend- nicht das Treffen des Zieles, sondern der perfekte Schuss im Vordergrund. Dazu gehören auch Meditation und die Philosophie des Bogenschießens. Dies wird auch von den berittenen Bogenschützen Europas angewendet. Von Ungarn ausgehend, besinnen sie sich auf die Tradition der europäischen Völker, Bogenschießen nicht nur als Sport sondern als Kampfkunst zu sehen. Das Ausüben dieser Kunst vom Rücken des Pferdes aus, eröffnet neue Dimensionen: jegliche Statik wird aufgehoben. Das Verschmelzen mit dem sich bewegenden Pferd zu einer Einheit, dem instinktiven Lösen des Bogens im richtigen Moment des Galopps (wenn sich alle vier Beine des Tieres in der Luft befinden) und das Zeitfenster für das intuitive Zielen, machen den Reiz des berittenen Bogenschießens aus. Der unangefochtene Meister ist Lajos Kassai, der sich in seinen Büchern (in deutscher Sprache erhältlich) auch mit der seelischen Komponente des Bogenschießens auseinandersetzt. In Deutschland ist dies die charismatische Pettra Engeländer, die auch die Leiterin der Deutschen Reiterbogenschule ist (über die deutsche Schule der Horseback Archery Association).

Für welchen Weg sich auch der zukünftige Schütze entscheidet: Es gibt zahlreiche Bewerbe in den unterschiedlichsten Disziplinen. In Deutschland und in Österreich gehört Bogenschießen noch immer zu einer Randsportart; die Chancen auf Erfolg im eigenen Land stehen also nicht so schlecht. Tatsächlich ist aber Bogenschießen weit mehr als nur ein Sport: Es ist die Suche nach dem perfekten Schuss.

Erste literarische Anlaufstelle für den Anfänger:

Williams, C. John: Lehrbuch des Bogensports. Verlag Weinmann, Berlin 2003.

Bildquellenangabe: Rainer Sturm / pixelio.de

Csaba Lendjel, Mag. - Geboren im Jahr 1977 in Baden-Württemberg, Schule und Universitätsausbildung im Bereich Sprachen und Literatur. Derzeitige ...

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