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Die Bay of Islands, das Herz Neuseelands

Keine andere Region bietet so viel konzentriertes Neuseeland

Motukiekie Island ist Ziel vieler Bay-Bootstouren - FxReid
Motukiekie Island ist Ziel vieler Bay-Bootstouren - FxReid
Gründungsort der neuseeländischen Nation, »Hellhole of the Pacific«, erste Hauptstadt, Urlaubsparadies - nicht nur die Natur der Bay of Islands ist überaus vielseitig.

Geht es um neuseeländische Geschichte, wird immer zuerst ein historisch bedeutsamer Ort genannt: Waitangi, Ortsteil der heutigen Feriensiedlung Paihia an der Bay of Islands. Doch gleich gegenüber auf der anderen Seite der Bay in Sichtweite – wenn das Wetter es denn zulässt – liegt das herzlich unpolitische Highlight, welches den Geist Neuseelands wohl noch weitaus besser repräsentiert als die Waitangi Treaty Grounds. Nämlich Russell, in den frühen Tagen der Südseenation unter Seefahrern nur als »Hellhole of the Pacific« bekannt. Die Bucht, als Ganzes immerhin gleich hinter den erst- und zweitplatzierten Milford und Doubtful Sounds der Südinsel auf dem dritten Platz der »101 Must Do’s for Kiwis« gelandet, ist tatsächlich überaus vielseitig.

Das Herz der Bay of Islands: Kororareka, wo der Pinguin schmeckt

Als ein gewisser Charles Darwin das kleine Hafennest Kororareka – nach den immer noch am Strand brütenden Little Blue Penguins bzw. ihren kulinarischen Qualitäten benannt – bei seinem Besuch der Bay of Islands 1835 betrat, hätte er fast seine Theorie von der natürlichen Auslese verworfen. »The very refuse of Society« sah er in der wilden Mischung von lebenslustigen Robben- und Walfängern, aus Australien geflohenen Sträflingen, Missionaren und reichlich Prostituierten, die sich im kleinen Ort im Südosten der Bay of Islands tummelten und jede biologische und sonstige Nische ausfüllten. Denn auch wenn die New Zealand Company vor allem in Norddeutschland um ehrbare und arbeitssame Siedler warb, war es eben hauptsächlich jene würzige Mischung rauer Charaktere, die die damals größte und lebhafteste Siedlung des Landes bevölkerte. Was machte nun der praktisch veranlagte Neuseeländer aus so einer berüchtigten Mischung? Richtig, seine Hauptstadt.

Paihia, historisches Strandnest samt Waitangi Treaty Grounds am Waitangi River

Wenige Meter überbrücktes Wasser des Waitangi River trennen Paihia von jenem Ort, an dem die historischen Gegebenheiten der relativ jungen Nation von Kiwis begehbar werden. Der Strand, an dem im Sommer 1840 Captain William Hobson als Gesandter der britischen Krone landete, ist nicht besonders breit und liegt nur wenige Schritte unterhalb der weiten Grasfläche der Waitangi Treaty Grounds, wo der umstrittene Staatsvertrag der Neuseeländer am 06. Februar 1840 besiegelt wurde. Auf dem wogenden Grün zwischen der alten Kolonialresidenz des britischen Statthalters James Busby und des Versammlungshauses der Maori Te Whare Runanga ragt ein Flaggenmast auf, der mit dem Union Jack, dem Banner der United Tribes of New Zealand sowie der modernen neuseeländischen Fahne an die Vertragsunterzeichnung zwischen den Gesandten Queen Victorias und den rund 400 Vertretern der Maori-Stämme Northlands erinnert.

Confederation of Tribes, Maori-Chief Hone Heke und die umstrittene Kolonialmacht

Paihia ist zweifellos das touristische Zentrum der Bay, doch viel charmanter als die endlose Reihe von Strandbungalows um das Maritime Building, wo alle Arten fröhlicher Freizeit auf dem Wasser mit Blick auf die hölzerne Mole verkauft werden, ist und bleibt Russell. Die europäisch-stämmigen Seefahrer nutzten die Siedlung als stark frequentierten Versorgungshafen, und um nebenbei arglose Maori als semi-freiwillige Crewmitglieder anzuheuern. Bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts hieß der Ort noch Kororareka nach altem Maori-Namen, wurde dann aber mit wachsendem Verkehr von Walfang- und Handelsschiffen und dem Status als Hauptstadt umbenannt in Russell. Der Name blieb, der Hauptstadtstatus nicht.

Doch die polynesischen Erstbewohner der reizvollen Flecken Neuseelands wollten sich nicht mehr Alles gefallen lassen, ab 1836 wehte auf dem Hügel am Ende der abgeschiedenen Halbinsel von Russell die Flagge der »Confederation of Tribes«. Als diese nach dem Treaty of Waitangi großmächtig durch das britische Banner ersetzt wurde und die ortsansässigen und traditionell wehrhaften Stämme weitere Versprechungen der Kolonialmacht missachtet sahen, kam es zu einer bemerkenswerten, wenn auch wenig fruchtbaren Anschlagsserie auf eben jenen Fahnenmast auf Flagstaff Hill. Vom Juli 1844 bis zum März 1845 kürzten Ngapuhi-Chief Hone Heke und seine verwegenen Anhänger den Mast gleich vier Mal radikal, um so ihre Ablehnung der britischen Haltung kundzutun. Heute ist der erreichbare Teil des weißgetünchten Flaggenmastes aus Metall – für den Fall, dass noch jemand auf traditionelle Gedanken kommen sollte.

Die schönsten Seiten der Bay of Islands: Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten

Wer nicht in dem traditionsreichen Holzgebäude des luxuriösen The Duke of Marlborough Hotel mit direktem Zugang zu Russells Strandbucht absteigen will, der findet im Haruru Falls Resort von Waitangi eine preiswerte Alternative mit malerischem Ausblick auf die örtlichen Wasserfälle. Doch die eigentliche flüssige Sehenswürdigkeit ist die Bay selbst, die mit vielen einsamen Inselchen samt Buchten, schroffen Felsformationen wie der "Hole in the Rock" genannten Piercy Island und dem einen oder anderen Delfin aufwarten kann. Dabei kommt man den schönsten Seiten der Bay of Islands schon sehr nahe.

Doch auch wenn man nicht an einem der vielseitigen Bootstouren-Angebote von Paihia oder Russell aus teilnehmen möchte, lässt sich besonders stilvoll ein Drink im Bay of Islands Swordfish Club (Tagesmitgliedschaft für ein paar Dollar) in Paihia nehmen, oder im Restaurant The Sugarboat – in einem Zucker-Frachtsegler von 1917 namens Tui untergebracht – wellenumspült speisen. Ein vorsorgliches Gebet an St. Elmo in der ältesten Kirche Neuseelands, der Christ Church an der Robertson Road in Russell, ist nicht unbedingt erforderlich, denn die Tui liegt sicher vertäut an der Brücke zwischen Paihia und Waitangi. Fest auf den Beinen sollte aber stehen, wer bei einer Runde Golf auf dem Waitangi Golf Course atemberaubende Ausblicke vom Mount Bledisloe über die wunderbare Weite der Bay of Islands genießen kann.

FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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