Die Bedeutung des Imam bei den Schiiten

Bei den Schiiten spielt der Imam andere Rolle als bei den Sunniten. Zwischen dem Imam und dem Propheten gibt es in der Schia fast keinen Unterschied.

Die Muslime bezeichnen den Vorbeter des Gemeinschaftsgebets als Imam. Neben dieser Bezeichnung titulierten sie auch den Führer aller Muslime mit Imam. Während für die Sunniten im Imam nur den religösen und politischen Führer aller Muslime sehen, ist der Imam für die Schiiten viel mehr. In der Religiosität der Schiiten spielt die Figur des Imam eine zentrale Rolle. Nach Auffassung der Schiiten ist derjenige, der den Imam nicht anerkennt und ihm den Gehorsam verweigert, kein Muslim.

Die besondere Stellung des Imam bei den Schiiten

Für die Schiiten steht der Imam dem Propheten an Bedeutsamkeit fast nicht nach. Nur darin, dass der Imam keine schriftlich festgehaltene Botschaft übermittelt, unterscheidet er sich vom Propheten. Das Wissen des Imam entspricht im Bereich der Religion dem des Propheten. Auch kennt der Imam sowohl die Zukunft als auch die Vergangenheit. Darüber wie der Imam sein übernatürliches Wissen erhält, gibt es verschiedene Meinungen. Er kann es aus den heiligen Büchern erhalten. Seinen Vorfahren haben es ihm vererbt. Der vorherige Imam übermittelt es am Totenbett. Gott selbst gibt ihm sein wissen ein oder der Geist des Propheten versammelt sich im Imam. Aber der Imam verfügt nicht nur übernatürliches Wissen. Er besitzt ebenfalls die Fähigkeit Wunder zu vollbringen. Über ihn kann der gläubige Sünder Fürsprache bei Gott erhoffen.

Der Imam als Nachkomme des Propheten

Imam kann nach Meinung der Schiiten nur ein direkter Nachkomme des Propheten werden. Da der Prophet aber bei seinem Tod keine blutsverwandten männlichen Nachkommen als Erben hinterließ, konnte die direkte Linie der Nachfolge des Propheten nur über sein einziges überlebendes Kind, seine Tochter Fatima erfolgen. Nach dem Verständnis der Schiiten konnte nur Ali der Schwiegersohn des Propheten, der auch der Neffe des des Propheten war und die Söhne der Fatima Nachfolger des Propheten sein. Zwar erkannten viele Schiiten die ersten drei Khalifen / Kalifen als rechtmäßig an, aber die Reihe der Imame beginnt für die Schiiten erst mit Ali an. Eines der Hauptprobleme der Nachfolge über Fatima war die Erbfolgeregelung der Muslime. Viele Muslime hielten nur die Erbfolge über einen männlichen Nachfolger für legitim und lehnten deshalb den Anspruch Fatimas und ihrer Söhne ab.

Spaltungstendenzen

Waren sich die Schiiten über die Rechtmäßigkeit der ersten vier Imame noch einig, bildeten sich im Laufe der Geschichte viele schiitische Abspaltungen. Häufig führte die Auffassung, wer der letzte rechtgeleitete Imam war, zur Abspaltung. So kam es zur Entstehung der Vierer-, Siebener und Zwölfer-Schia. Heute ist die Zwölfer-Schia die Bedeutendste Richtung der Schia. Die Zwölfer-Schia gelangte im Iran mit der Revolution an die Macht. Neben diesen Richtungen gibt es noch viele Abspaltungen wie die Drusen, Alawiten, Bahai und Jesidi.

Die Vorläufigkeit jeder Regierung ohne die Führung durch den Imam

Einig sind sich die meisten Schiiten darüber, dass sich der letzte Imam zur Zeit verborgen hält und in Gestalt des Mahdi zurückkehren wird. Mit der Rückkehr wird der Imam die Herrschaft über alle Muslime erlangen. Die Ansicht, dass nur der Imam der Führer der Muslime sein könne, hat dazu geführt, dass es lange keine anerkannte weltliche Herrschaft im Rahmen der Zwölfer-Schia gab. Deshalb sieht auch die Verfassung des Iran die jetzige Regierung nur als vorläufig an. Nach Meinung der meisten Gelehrten der Zwölfer-Schia hat die Regierung des Iran eine Stellvertreterfunktion und nimmt die Funktion des Imam solange wahr bis er wiederkehrt und die Regierungsgeschäfte übernimmt.

Quellen:

Islam-Lexikon 1-3 ; Adel Theodor Khoury, Ludwig Hagemann, Peter Heine ; Herder 1999